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Sarrazin und die SPD: Düsteres aus Thilostan

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Sarrazin und die SPD: Düsteres aus Thilostan

30.08.2010, 11:01 Uhr | Ein Kommentar von Christian Böhme

Thilo Sarrazin gibt den trotzigen Provokateur (Foto: ddp)

Es kommt eigentlich nie vor, dass die Bundeskanzlerin in aller Öffentlichkeit ihre Einschätzung einer Neuerscheinung auf dem Sachbuchmarkt kundtut. Vergangene Woche hat sie es getan, noch bevor das Werk überhaupt im Handel war. Die Regierungschefin ließ wissen, dass sie Thilo Sarrazins Thesen zur Migration für äußerst verletzend und diffamierend halte. Die polemischen Bemerkungen würden sie nicht kaltlassen. Das kann man Merkel ohne Weiteres abnehmen. Doch sie ist gleichzeitig gewieft genug, die Debatte für eine kleine parteipolitische Attacke zu nutzen. Merkel weiß, dass der SPD-Mann Sarrazin die Sozialdemokraten in die Bredouille bringt. Also bohrt sie mit ihrer Kurzrezension in der Wunde und CDU-Kollege Ruprecht Polenz legt nach: In der Union wäre kein Platz für Sarrazin. Autsch, das sitzt.

In der Republik herrscht Alarmstimmung

Ein Empörungstsunami ist über Deutschland hereingebrochen. Die düsteren Nachrichten aus Thilostan – die Muslime werden in zwei Generationen die Macht in einem verdummten Staat übernommen haben – sind ein Selbstläufer. Kaum ein Thema bringt die Republik so in Rage wie die Integration. Wenn dann noch ein rhetorischer Scharfrichter und -macher sich der Sache annimmt, herrscht in der Republik Alarmstimmung.

Die hat auch die Sozialdemokratie erfasst. Der Volkswirt mit rotem Parteibuch bricht mit vielem, was den Genossen heilig ist. Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner hat die Befindlichkeiten in einer Besprechung des Sarrazin-Buches Deutschland schafft sich ab so formuliert: Lustvoll verächtliche Formulierungen, herablassende kritische Bewertungen abzugeben, das ist mehr, als für unsere Partei erträglich ist, für die Toleranz und Aufklärung, Gerechtigkeit und Solidarität immer Fundamente unserer Überzeugung waren. Diese Einschätzung darf man getrost als Parteilinie verstehen. Sigmar Gabriel hatte die Richtung vorgegeben: "Wenn Sie mich fragen, warum der noch bei uns Parteimitglied sein will – das weiß ich auch nicht.“

Doch den Gefallen eines Austritts wird Sarrazin seiner Partei kaum erweisen. Er sieht sich selbst als meinungsstarken Mahner, aber keinesfalls als gefährlichen Parteischädiger, der den sozialdemokratischen Boden mit Springerstiefeln mutwillig zertrampelt. Hat er anderes von sich gegeben als die vielen Male zuvor in den vergangenen Monaten? Auf 464 Seiten ausgewälzt, liegen seine populistischen Thesen jetzt vor. Ein Aufguss. Reicht der als Grundlage für ein erneutes Ausschlussverfahren?

Problematische Polemik, jedoch kein Rassismus

Im März hatte eine Schiedskommission festgestellt, dass die Äußerungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators und heutigen Bundesbankers nicht rassistisch und damit kein Verstoß gegen die Satzung seien. Seine Polemiken halte man zwar für problematisch, "doch sie können auch nützlich sein“, hieß es. "Die SPD muss solche provokanten Äußerungen aushalten."

Muss sie das? Vielleicht. Anderenfalls droht weiteres Ungemach: Sarrazin könnte zum Opfer einer angeblichen Multikulti-Gesinnungspolizei verklärt werden. Die Zustimmung zu seinen Thesen ist groß. Allerdings ist offenkundig, dass der Sarrazenenbekämpfer – bewusst oder unbewusst – an sozialdemokratischen Grundfesten rüttelt. Vielen Genossen gilt er als Martin Hohmann der Partei. Dessen Rede vom jüdischen Tätervolk hat Angela Merkel noch in schlechter Erinnerung. Es kostete sie viel Mühe, Hohmann loszuwerden. So etwas kann einen selbst und die Partei eine Zeit lang schwächen. Und setzt die SPD nicht gerade zu einem kleinen Höhenflug an? Da kann ja ein bisschen Piesackerei durchaus hilfreich sein.

Der Autor ist Journalist und arbeitete acht Jahre lang beim "Tagesspiegel". Dann bekam er das Angebot, stellvertretender Chefredakteur der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung" zu werden und nahm es an. Seitdem hat Böhme dem Blatt, das 2003 aus Geldknappheit nur vierzehntäglich erschien, aus der Krise geholfen. Heute ist er Chefredakteur des Blatts.


Ein Kommentar von Christian Böhme  

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Kommentare (64)

zum Forum

Thema: "Sarrazin und die SPD: Düsteres aus Thilostan"

der braune schrieb: am 30. August 2010 um 18:07:17
(0) (0) partei sarrazin
er sagt das was viele denken,nur keiner traut sich und die merkel macht wieder ihr geschäft !

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commander schrieb: am 30. August 2010 um 17:49:34
(0) (0) Sarrazin
Was will die SPD denn, Sarrazin hat doch vollkommen recht. Aber ich nehme an, die Genossen der SPD wollen wieder einstellige
Wahlergebnisse, dann weiter so liebe Genossen Gabriel und Nahles. Sarrazin soll aus der SPD austreten und eine neue Partei gründen, meine Stimme hat er. Dann wird`s für die "Roten" wieder richtig eng.
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ostdeutscher Lehrer schrieb: am 30. August 2010 um 17:38:53
(0) (0) Thilostan
Als Pädagogin mit Berufserfahrung (10 Jahre) appeliere ich an alle bundesdeutschen Politiker aller Parteien sich noch einmal mit
dem Thema Meinungsfreiheit und politischen Maulkörben zu befassen. Armes verlogenes Deutschland. Herr Sarrazin will doch nur provozieren und fordert alle Deutschen zur Diskussion auf. In unseren Gymnasien und Hochschulen und Unis das Buch lesen und offen diskutieren.
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