29.08.2010, 16:14 Uhr
Thilo Sarrazin rückt sich mit seinen Äußerungen zur Einwanderungspolitik zusehends ins Abseits (Foto: dpa)
Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat mit Äußerungen zum Erbgut von Juden und Basken erneut heftige Empörung ausgelöst. In der SPD werden die Stimmen nach einem Ausschluss Sarrazins immer lauter. Auch Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der sich zuvor noch hinter Sarrazin gestellt hatte, distanzierte sich nun klar von dem früheren Berliner Finanzsenator.
"Die Äußerungen Sarrazins sind unerträglich. Damit stellt er sich völlig ins Abseits", sagte Koch der "Bild am Sonntag". "Er spricht durchaus vorhandene Probleme an, denen die Gesellschaft nicht ausweichen darf. Ihm selbst geht es aber offenbar nur noch um Verbalradikalismus und Tabubrüche", so Koch.
In einem Interview mit den Zeitungen "Welt am Sonntag" und "Berliner Morgenpost" hatte Sarrazin auf die Frage nach einer "genetischen Identität" geantwortet: "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden."
Sarrazin sagte in dem Interview unter anderem auch, muslimische Migranten würden sich "überall in Europa deutlich schlechter als andere Gruppen von Migranten" integrieren. "Die Ursachen dafür sind nicht ethnisch, sondern liegen offenbar in der Kultur des Islam."
Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sagte zu den neuen Äußerungen: "Wer die Juden über ihr Erbgut zu definieren versucht, auch wenn das vermeintlich positiv gemeint ist, erliegt einem Rassenwahn, den das Judentum nicht teilt."
Sarrazin versuche nicht zum ersten Mal, Minderheiten zu polarisieren und gegeneinander aufzubringen. Es sei seit langem bekannt, dass die meisten Angehörigen einer Volksgruppe einen gemeinsamen geografischen oder genetischen Ursprung haben. "Juden, die nachdenken, werden sich weder aufhetzen lassen, noch Sarrazin auf den Leim gehen", sagte Kramer.
Auch Mitglieder der Bundesregierung distanzierten sich nach Sarrazins jüngsten Äußerungen deutlich: "Wortmeldungen, die Rassismus oder gar Antisemitismus Vorschub leisten, haben in der politischen Diskussion nichts zu suchen", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) der "Bild am Sonntag".
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zog die weitere Eignung Sarrazins für eine Tätigkeit im Bundesbank-Vorstand in Zweifel: "Jede Provokation hat ihre Grenzen. Diese Grenze hat der Bundesbankvorstand Sarrazin mit dieser ebenso missverständlichen wie unpassenden Äußerung eindeutig überschritten."
Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler verteidigte hingegen Sarrazins Thesen: "Auch wenn man ihm nicht in allen Punkten folgen muss: Zum Thema Überforderung Deutschlands durch Einwanderung haben sich Helmut Schmidt, Oskar Lafontaine und auch Rudolf Augstein schon härter geäußert."
Wegen seines Buches "Deutschland schafft sich ab", das am Montag in Berlin vorgestellt wird, war Sarrazin schon in den letzten Tagen scharf kritisiert worden. Er vertritt in dem Buch die These, dass muslimische Einwandererfamilien überproportional von Sozialleistungen profitierten und keinen Beitrag zum Wohlstand leisteten. SPD-Chef Sigmar Gabriel und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles legten Sarrazin daraufhin einen Parteiaustritt nahe.
Sarrazin selbst lehnt einen Austritt aus der Partei aber ab und bezeichnete seine Positionen in der "Welt am Sonntag" als sozialdemokratisch. Er ermögliche nämlich ein Szenario, das Arbeitslosen den Einstieg in die Arbeitswelt und den sozialen Aufstieg ermöglichen solle.
Der Chef seines Berliner Kreisverbands Charlottenburg-Wilmersdorf, Christian Gaebler, kündigte im "Spiegel" derweil an, ein Parteiausschlussverfahren vorbereiten zu wollen, falls Herr Sarrazin nicht freiwillig aus der SPD austrete. "Das Maß ist voll", so Gaebler.
Die Deutsche Bundesbank äußerte sich inhaltlich nicht zu den neuen Aussagen ihres Vorstandsmitglieds. Ein Sprecher erklärte: "Es bleibt dabei, dass die Ansichten von Herrn Sarrazin seine persönliche Meinung sind, die in keinem Zusammenhang stehen mit seiner Tätigkeit als Bundesbankvorstandsmitglied."
Quelle: dpa , AFP , dapd
Achtung! schrieb:
am 29. August 2010 um 10:25:21
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Sarrazin III.
Was ich noch vergessen hätte, wer schreibt hier was von Meinungsfreiheit? Warum drf man nichts gegen Herrn Sarrazin sagen?
Warum darf mann seine freie Meinung über Ihn nicht äußern, wird hier gleich angegangen, und seiner eigenen Meinung wegen als undemokratisch bezeichnet. Ich kontere nochmals mit Groenemeyer aus besagtem Lied: "welche Armeen sind heilig und" und "du glaubst nicht besser als ich". Man muss sicher nicht über die Probleme streiten, diese bestehen ohne Wenn und Aber.
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Wolfi schrieb:
am 29. August 2010 um 10:25:00
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Sarrazin: Auch Koch distanziert sich
Wenn die SPD bei der Bundestagswahl 2013 ein zweistelliges Ergebnis haben möchte, dann sollte sie Herrn
Sarrazin nicht ausschließen! Ich wähle die SPD jetzt schon nicht mehr, dieser Zug ist längst abgefahren! Die letzten Umfrageergebnisse für die SPD, sind nur eine Momentaufnahme und haben keinerlei Substanz. Würde man jedoch das Volk fragen, ob es Neuwahlen geben sollte, dann gäbe es dafür eine 2/3 Mehrheit.
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Gelesen+studiert schrieb:
am 29. August 2010 um 10:23:17
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Thilo Sarrazin
Jeder negativ gesendete Kommentar wird doch vom Absender noch nicht gelesen worden sein. Es muß natürlich von den "Spitzen"
Politikern den " Super-Experten" total einheitlich "Verdammt" werden. So auch von Herrn Roland Koch sowohl auch von der SPD!!! Das Falsche an dieser öffentlichen Kritik ist, dass doch die Politischen Interessen nach Außen hin gewahrt werden müssen. Denken aber genau so wie Sarrazin. Thilo Sarrazin hat doch die Wahrheit gesagt und geschrieben. Falschheit der Politiker!!!!!!
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