Sarah Palin signiert Exemplare ihres Buches "Going Rogue" in Grand Rapids in Michigan (Foto: Reuters)Die Memoiren der früheren Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Republikaner, Sarah Palin, sind auf dem Weg zum Bestseller. In der ersten Woche nach der Veröffentlichung von "Going Rogue: An American Life" (Außer Rand und Band - Ein amerikanisches Leben) wurden bereits 700.000 Exemplare verkauft, wie aus der Umgebung Palins verlautete. Die erste Auflage beträgt 1,5 Millionen Bücher. Der Verlag HarperCollins hat bereits angekündigt, die Auflage auf 2,5 Millionen Exemplare zu steigern.
Pünktlich zum Erscheinen ihres Buches am vergangenen Dienstag hatte die ehemalige Vizepräsidentschafts-Kandidatin mit einer Interview-Serie einen selbst für US-Verhältnisse gewaltigen Medienwirbel losgetreten. Ihre Botschaft ist ebenso kurz wie simpel: "Ich bin nicht dafür verantwortlich zu machen, dass wir das Rennen verloren haben." Vor einem Jahr hatte die konservative Populistin an der Seite des Republikaners John McCain eine Niederlage gegen Barack Obama eingefahren.
Will Palin Präsidentin werden?
Politische Insider in Washington orakeln bereits, die 45-Jährige, die im Sommer völlig überraschend als Gouverneurin im Bundesstaat Alaska zurückgetreten war, nutze ihre Memoiren, um sich für das nächste Rennen um das Weiße Haus 2012 in eine Pole Position zu manövrieren. Auf die Frage des Fernsehsenders ABC, ob sie bei der Präsidentschaftswahl 2012 eine Rolle spielen wolle, hatte die frühere Gouverneurin von Alaska geantwortet: "Ja, wenn die Leute mich haben wollen." Eine Entscheidung über eine Kandidatur stehe aber noch nicht an. In einem Interview mit Talk-Meisterin Oprah Winfrey - einer bekennenden Obama-Unterstützerin - wiegelte Palin zunächst ab: "Das habe ich momentan nicht auf dem Radar."
Memoiren bringen viel Geld
Nur eins steht schon heute fest: Das 430-Seiten-Buch "Going Rogue" dürfte Palin zur Multi-Millionärin machen. TV-Sender haben errechnet, dass sie mit ihrem literarischen Wurf sowie bezahlten Redeauftritten in den nächsten Monaten und Jahren bis zu zehn Millionen Dollar (6,7 Millionen Euro) einstreichen könnte. Laut "New York Times" hatte Palin bereits fünf Millionen Dollar bekommen, bevor auch nur ein einziges Buch ausgeliefert war. "Dieses Mal geht es Sarah Palin nicht um Wählerstimmen, sondern darum, Bücher zu verkaufen", meinte der TV-Sender CBS.
Abrechnung mit Mc-Cain-Team
Dabei ist das Buch über weite Strecken kein Ausblick auf die Zukunft, sondern ein Blick zurück im Zorn. Eine Abrechnung, nicht zuletzt mit den McCain-Leuten, die sie im Wahlkampf klein gehalten und in desaströse Interviews geschickt hätten, in denen sie sich durch ihre katastrophale Wissenslücken landesweit blamierte. Ansonsten zeichnet sich die ehemalige Schönheitskönigin und fünffache Mutter als das, was sie bereits im Wahlkampf darstellte - als ehrliches, aber raues Mädel aus dem Norden, dem Familie, Glauben und die Jagd über alles geht.
"Ich brauche keinen Titel, um etwas zu verändern"
Doch selbst Republikaner zweifeln, ob Palin sich mit dem Waschen schmutziger Wäsche einen Gefallen tut. Immerhin, nach einer Umfrage des TV-Senders CNN, können sich lediglich ein Drittel der Amerikaner die Frau als Alaska als Präsidentin im Weißen Haus vorstellen. Palin selbst baut vor: "Ich brauche keinen Titel, um etwas zu verändern."
Lob und Kritik
Palin gilt im republikanischen Lager trotz der Niederlage im vergangenen November als überaus populär. Besonders im religiös-konservativen Flügel hat sie viele Anhänger. Zugleich wurde sie aber wegen ungeschickter Äußerungen auch zur Zielscheibe beißender Kritik in den Medien. Zugleich stellte sich heraus, dass Palin im Wahlkampf über 150.000 Dollar für Kleidung ausgegeben hatte, was ihr Image als bodenständige, volksnahe Frau und Mutter erheblich beschädigte.