
14.06.2011, 11:46 Uhr | Von Carsten Volkery
Sarah Palin kommt nicht aus den Schlagzeilen (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Ganz Amerika schaut nach Alaska: Der Staat hat 24.000 Seiten E-Mails aus Sarah Palins Gouverneurszeit veröffentlicht. Die Dokumente könnten der Republikanerin unprofessionelle Amtsführung nachweisen. Dabei hat sie schon genug Ärger - gerade erst bekam sie eine rüde Abfuhr von Margaret Thatcher.
Viele Amerikaner haben das Gefühl, längst genug über Sarah Palin zu wissen. Seit die frühere Schönheitskönigin im September 2008 als Running Mate von Republikanerkandidat John McCain in den US-Präsidentschaftswahlkampf einstieg, ist das Leben der 47-Jährigen so gründlich seziert worden, dass weitere Geheimnisse kaum vorstellbar sind.
Doch wird es ab diesem Freitag eine Fülle neuer Einblicke in ihre Vergangenheit geben. In Juneau, Hauptstadt des US-Bundesstaats Alaska, sind 24.199 Seiten mit E-Mails aus Palins Zeit als Gouverneurin veröffentlicht worden. Die Regierung des Staates hat sich entschieden, die Mails nicht online zu veröffentlichen, sondern ausgedruckt in Papierform. Wer sie lesen möchte, konnte sie sich gegen eine Gebühr von 725 Dollar abholen: sechs Kartons, insgesamt 125 Kilo schwer. Handkarren wurden kostenlos bereitgestellt.
Dutzende Reporter sind in die abgelegene 30.000-Einwohner-Stadt im hohen Norden eingefallen, um den ersten Blick auf die Dokumente zu erhaschen und sie möglichst schnell ins Internet zu stellen. "New York Times" und "Washington Post" werden sie schrittweise online stellen und haben ihre Leser aufgerufen, beim Durchlesen zu helfen. Die Web-Seiten Mother Jones, ProPublica und msnbc.com wollen sämtliche Dokumente einscannen und eine Online-Datenbank mit Suchfunktion einrichten.
Die E-Mails sind politisch brisant, weil Palin als mögliche Präsidentschaftskandidatin der Republikaner für die Wahl 2012 gilt. Ihre Gegner hoffen, dass die Mails saftige Beweise enthalten, wie die Gouverneurin ihr Amt für eigennützige Zwecke missbrauchte. Auch werden neue Details über ihre Beziehungen zum Öl- und Gassektor erwartet.
Palin weiß, was ihr blüht. Diese Mails seien "selbstverständlich nicht für den öffentlichen Gebrauch" gedacht gewesen, sagte sie dem TV-Sender Fox News. "Ich bin sicher, manche Leute werden die Gelegenheit nutzen, diese 25.000 Mails durchzugehen und Sachen aus dem Kontext zu reißen."
Journalisten und Polit-Aktivisten hatten die Veröffentlichung der Mails mit Verweis auf das Informationsfreiheitsgesetz bereits im Herbst 2008 gefordert, kurz nachdem Palin zur Vizepräsidentschaftskandidatin ernannt wurde. Doch wurde die Herausgabe jahrelang hinausgezögert - angeblich, weil die Verwaltung überlastet war.
Veröffentlicht wird nun das Gros der Mails, die Palin zwischen Dezember 2006 und September 2008 über ihre offizielle Regierungsadresse und zwei Yahoo-Adressen gesandt oder erhalten hat. Rund 2400 Seiten werden nicht veröffentlicht, weil sie Vertrauliches enthalten. Auch Mails aus den vergangenen zehn Monaten ihrer Amtszeit sind nicht dabei, weil sie nicht angefordert worden waren.
Die Mails enthielten wahrscheinlich "ziemlich saftigen Lästerstoff", sagte der demokratische Meinungsforscher und Politikberater Ivan Moore. "Ich bezweifle aber, dass sie die große Sensation enthalten." Der langjährige Palin-Beobachter und Buchautor Clive Thomas sagte: "Die meisten Leute, die Sarah Palin nicht leiden können, hoffen, dass es irgendetwas gibt, das ihr den letzten Stoß versetzt."
Die unangenehmen Enthüllungen sind nicht der einzige Rückschlag für Palin, die mit einer Bustour durch mehrere Bundesstaaten gerade ihre Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur untermauerte. Auch ein geplanter London-Besuch sorgt für Wirbel.
Bei ihrer Visite im Juli hatte sie unbedingt Ex-Premierministerin Margaret Thatcher treffen wollen, um ihr Image als legitime Nachfolgerin des Republikanerhelden Ronald Reagan mit einem schönen Foto zu unterstreichen. "Ich hoffe, dass es Frau Thatcher gut genug geht, um mich zu empfangen, weil ich sie so sehr bewundere", sagte Palin der "Sunday Times".
Doch die Berater der an Alzheimer leidenden 86-Jährigen erteilten Palin eine Abfuhr. "Lady Thatcher wird Sarah Palin nicht treffen. Das würde Margarets Ansehen schmälern. Sarah Palin ist verrückt", sagte ein Thatcher-Vertrauter dem "Guardian". Man werde sicherstellen, dass Thatcher einen Ruhetag einlege, wenn Palin in London sei.
Das Zitat erzürnte den stramm rechten US-Radiomoderator Rush Limbaugh, der den Bericht als Beweis für eine linke Kampagne gegen Palin nahm. Andere konservative Kommentatoren hingegen begrüßten Thatchers Entscheidung. "Wieso sollte Lady Thatcher irgendein Interesse daran haben, Palin zu treffen?", fragte "Spectator"-Autor Alex Massie im "Daily Beast". "Die eine ist eine Gigantin, die andere, politisch gesprochen, eine Karnevalspygmäe, die besser in eine zweitklassige Reality-Fernsehshow passt."
Von Carsten Volkery
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