Drucken
Make-up-Stylistin verdient mehr als politische Berater
27.10.2008, 11:04 Uhr
Sarah Palins Styling ist nicht billig - Make-up-Beraterin verdient 11.400 Dollar die Woche (Foto: dpa)Nach den Enthüllungen über die 150.000 Dollar teure Ausstaffierung der republikanischen Kandidatin für das US-Vizepräsidentenamt, Sarah Palin, sind neue kostspielige Ausgaben bekanntgeworden. Nach einem Bericht der "New York Times" floss in den ersten beiden Oktoberwochen an die Make-up-Beraterin der Gouverneurin von Alaska ein Honorar von 22.800 Dollar - das sind umgerechnet 18.240 Euro.
Damit sei sie höher bezahlt worden als der außenpolitische Chefberater von Präsidentschaftskandidat John McCain. Daneben gingen an die mitreisende Friseurin Palins ebenfalls in der ersten Oktoberhälfte 10.000 Dollar (8000 Euro), wie die Zeitung unter Berufung auf Unterlagen der Bundeswahlbehörde berichtet. McCains außenpolitischer Chefberater Randy Scheunemann habe im selben Zeitraum 12.500 Dollar bekommen, die Sprecherin des Kandidaten, Nicolle Wallace, 12.000 Dollar.
VideoPalins Stylistin verdient mehr als McCains Berater
Sarah Palin Spendengelder für neue Kleider
Amerika wählt
Flash-GrafikPrognosen, Newsticker und mehr
Weitere Nachrichten aus den USA
Anwalt der kleinen Leute?
In den vergangenen Tagen hatten Enthüllungen über eine Rechnung von 150.000 Dollar vor allem für Sarah Palins Garderobe, aber auch für Make-up und Friseurbesuche für Empörung gesorgt. Parteimitglieder hatten unter anderem kritisiert, dass dadurch das Selbstbild der Republikaner als Anwalt der kleinen Leute und Arbeiter unglaubwürdig werde.
"Palin ist bloß eine Schönheitskönigin"
Hugo Chavez, linksnationalistischer Präsident Venezuelas und erklärter Gegner der USA, hat für Palin nur Hohn und Spott übrig. "Das arme Ding, man muss Mitleid mit ihr haben", sagte er. Man müsse ihr vergeben, "denn sie weiß nicht, was sie sagt". Palin sei bloß eine Schönheitskönigin, die man zum Aushängeschild gemacht habe. Palin hatte in einem Interview erklärt, dass sowohl Verhandlungen als auch Sanktionen mögliche Mittel seien, "um Diktatoren wie Hugo Chavez" klar zu machen, dass sie nicht mit den USA anlegen könnten, wann immer ihnen danach zumute sei.
VideoSarah Palin unter Beschuss
Zum DurchklickenObamas politische Standpunkte
Zum DurchklickenMcCains politische Standpunkte
Ermittlungen wegen Amtsmissbrauch
Palin stellte sich unterdessen am Freitagabend in einem Hotel in St. Louis den Fragen eines unabhängigen Ermittlers, der einen Machtmissbrauch der Gouverneurin in ihrem Heimatstaat Alaska untersuchen soll. Es war das erste Mal, dass Palin unter Eid aussagte. Geprüft werden soll, ob sie bei der Entlassung eines Beamten gegen Ethikgesetze verstieß. Ein Parlamentsausschuss in Alaska beschuldigt Palin des Amtsmissbrauchs. Ein Untersuchungsbericht kam zu dem Schluss, dass die von ihr verfügte Entlassung des Beauftragten für die öffentliche Sicherheit zwar legal gewesen sei. Palin und ihr Mann hätten aber aus persönlichen Motiven unzulässig Druck auf diesen und andere Beamte ausgeübt.
Kritik aus den eigenen Reihen
Angesichts der schlechten Umfragewerte für John McCain wird die Kritik aus seiner eigenen Partei an der Wahlkampfstrategie lauter. "Ich hätte die Dinge in den vergangenen Wochen anders gemacht", sagte der Kongressabgeordnete Paul Ryan aus Wisconsin. Ryan beklagte in dem Interview, dass es Obama gelungen sei, die Pläne seines Rivalen falsch darzustellen. In die Kritik stimmte auch der frühere Gouverneur von Pennsylvania, Tom Ridge, ein. Der Wahlkampf wäre anders verlaufen, wenn McCain ihn zum Kandidaten für das Vizepräsidentenamt ernannt hätte und nicht die Regierungschefin von Alaska, Sarah Palin, sagte Ridge der Zeitung "Pittsburgh Tribune-Review". "Es wäre albern, wenn wir das nicht öffentlich zugeben würden." Später schränkte Ridge seine Aussagen ein. Er sei aus dem Zusammenhang zitiert worden und habe Palin schon oft gelobt.