Ein Polizeischild weist die Autofahrer in Samoa dezent darauf hin, dass ab sofort nicht mehr rechts, sondern links gefahren wird (Foto: AP)
Unter Gehupe und Glockengeläut und ohne größere Blechschäden haben die Einwohner von Samoa in der Südsee einen Jahrhundert- wandel vollzogen: Seit Montag 6 Uhr müssen die etwa 20.000 Autofahrer auf der linken statt der rechten Straßenseite fahren. Allen Unkenrufen zum Trotz verlief die Umstellung reibungslos, berichteten die Lokalmedien.
Die Menschen blieben nicht verschreckt in ihren Häusern, sondern feierten auf den Straßen der Hauptstadt Apia. "Nur wer über 21 ist, sollte fahren, und setzt euch nicht ans Steuer, wenn ihr müde seid, getrunken habt oder mit eurer Frau gestritten habt", mahnte Regierungschef Tuilaepa Sailele vergebens.
Regierungschef nimmt lieber den Chauffeur
Zehntausende stürzten sich trotz des eigens ausgerufenen Feiertags sofort in den Verkehr, um die neue Fahrweise auszuprobieren. Der Regierungschef, der die Umstellung gegen massiven Protest praktisch im Alleingang durchgeboxt hatte, ging selbst auf Nummer sicher: Er wagte sich zwar wie versprochen auf die Straße, ließ sich aber von einem Chauffeur über die Hauptinsel Upolu kutschieren.
Klage war gescheitert
Die Mehrheit der 180.000 Einwohner hatte seit Monaten lautstark gegen den Wechsel protestiert. Doch selbst eine Klage bis zum höchsten Gericht scheiterte. Schließlich gab auch die letzte Hochburg des Widerstands auf. Im Dörfchen Laulii hatten die Einwohner im Vorfeld zwar die neuen Straßenmarkierungen übermalt, neue Schilder herausgerissen und beim offiziellen Wechsel aus Protest einfach die Straßen gesperrt. Doch dann kam die Einsicht: "Uns bleibt wohl nichts anderes übrig als mitzumachen", sagte Telalelei Pauga, Besitzer des Dorfladens, dem Sender Radio Neuseeland. "Uns geht es um die Sicherheit unserer Mitmenschen."
Wirtschaftliche Vorteile durch Linksverkehr
Samoa fuhr bislang wie die ehemalige Kolonialmacht Deutschland auf der rechten Seite - mit Autos, die das Steuer auf der linken Seite haben. Alle anderen Südsee-Inseln folgten dagegen dem angelsächsischen Modell des Linksverkehrs - mit rechtsgesteuerten Autos. Dem wollte die Regierung sich anpassen, um Einfuhren aus der Region, etwa aus Australien und Neuseeland, zu erleichtern. Neuseeland besetzte die Insel bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs zwar für die britische Krone und beendete das deutsche Gastspiel - die Autos blieben aber noch fast 100 Jahre auf der rechten Straßenseite.