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Katastrophe bei der Loveparade

 

Salzburgs Weihbischof beleidigt Opfer der Loveparade

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Salzburgs Weihbischof beleidigt Opfer der Loveparade

09.08.2010, 10:00 Uhr | Von Konrad Lischka

Umstrittener Loveparade-Kommentar: Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun (Foto: imago)

Umstrittener Loveparade-Kommentar: Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun (Foto: imago)

"Ein Aufstand gegen die Schöpfung": So schmäht der Salzburger Weihbischof Andreas Laun in einem Online-Kommentar die Loveparade - und schwadroniert im Zusammenhang mit der Katastrophe von Duisburg über den "strafenden Gott". Prompt erntet er wütende Reaktionen.

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun hat über die Loveparade und den strafenden Gott einen ebenso langen wie verwirrenden Kommentar geschrieben. Der als "Klartext" bezeichnete Text mit dem Titel "Loveparade, Sünde und die Strafe Gottes" enthält radikale Sätze. Zwar stellt Laun klar, es stehe keinem Menschen zu, "über die Toten zu urteilen" und zu behaupten, ihr Tod sei eine "Strafe Gottes für die Sündigkeit der Love-Parade".

Das ist das knappe Einerseits. Doch das Andererseits klingt anders. Der Bischof urteilt eindeutig, zum Beispiel so:

- "Loveparade und Teilnahme an ihnen sind, abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde!"

- "Man weigert sich anzuerkennen, dass die Loveparade, abgesehen von ihrem krankhaften Erscheinungsbild, auch mit Sünde zu tun haben könnte und darum, folgerichtig, auch mit dem richtenden und strafenden Gott!"

Auch wenn es befremdlich wirken mag, dass hier ein Bischof den 21 Toten und 500 Verletzten einen "Aufstand gegen die Schöpfung" und ein "krankhaftes Erscheinungsbild" vorwirft - Laun behauptet nicht, dass die Katastrophe eine Strafe Gottes war. Stattdessen schwenkt er nach der Beleidigung der Opfer auf eine abstrakte Ebene um: Der Weihbischof sinniert über den "strafenden Gott".

Denn von den Toten der Loveparade leitet er zum abstrakten Teil seines Kommentars über: "So falsch die konkrete, moralische Verurteilung der Toten ist und bleibt, wäre es doch auch höchste Zeit zu fragen, warum viele Menschen heute auf den Begriff 'Strafe' wie von der Tarantel gebissen reagieren!"

"Gott straft aus Liebe"

Der Rest der Textes erklärt, dass Gott natürlich strafe. Etwas anderes zu behaupten, sei "nicht katholisch". Aber Gott strafe nicht aus Rache, sondern mit der Absicht, den "Menschen zurückzuholen", kurz: "Gott straft aus Liebe".

Was diese theologischen Überlegungen mit den Opfern der Love-Parade-Katastrophe zu tun haben, sagt der Kirchenmann nicht. Das muss sich der Leser denken, denn Launs Text instrumentalisiert die Opfer als Anlass für theologische Allgemeinplätze.

Nimmt man den Text beim Nennwert, haben die Toten mit dem strafenden Gott erst mal nichts zu tun, außer dass Laun beide in seinem Text unterbringt. Aber sie könnten etwas mit dem strafenden Gott zu tun haben - das ist das Perfide an dem Text des Weihbischofs: Er verleitet die Leser zu Spekulationen über Dinge, über die sie Laun zufolge gar nicht spekulieren sollen.

Dass Menschen nicht darüber urteilen dürfen, wann und wen Gott straft, schließt ja nicht aus, dass die Katastrophe bei der Loveparade sehr wohl eine Strafe Gottes sein könnte.

"Klartext ist das gar nicht"

Wie viel Launs Text im Ungefähren lässt, zeigen die Leserreaktionen in den Kommentaren des Portals Kath.net:

- "Meinem Verständnis nach geht es bei Unglücksfällen um die MAHNUNG ZUR UMKEHR, hauptsächlich wohl für die nahen Angehörigen, die im besonderen davon betroffen sind."

- "Warum diese Kinder bestraft werden und die Kinderschänder nicht, verstehe ich leider nicht."

- "Klartext ist das gar nicht. Es gibt eben nicht ein bisschen schwanger, sondern nur schwanger oder nicht, und hier gibt es nur die Meinung entweder Strafe Gottes oder nicht, aber Bischof Laun versteht es, mehr Verwirrung zu stiften als Klarheit oder Klartext zu sprechen. Schade."

Wohl wegen dieser Reaktionen hat Weihbischof Laun in der Nacht auf Sonntag eine " Klarstellung der Klarstellung" veröffentlicht. Er betont darin noch einmal, dass "Menschen nicht das Recht haben, über andere Menschen jenes richterliche Urteil zu fällen, das nur Gott zusteht!". Wie sich das mit seinen Äußerungen über die Toten und Verletzten ("krankhaftes Erscheinungsbild") verträgt, führt Laun nicht aus.

Laun stellt nicht klar, wie nun seine allgemeinen Überlegungen über den strafenden Gott mit den 21 Toten der Loveparade zusammenhängen - außer dass, wie er schreibt, Menschen sich weigerten anzuerkennen, dass das "mit Sünde zu tun haben könnte und darum, folgerichtig, auch mit dem richtenden und strafenden Gott".

"Seid vorsichtig, Euer Spott könnte auch die Muslime treffen"

Statt dieses "könnte" auszuführen, greift Laun die Kritiker seiner vagen Äußerungen an. Den "Atheisten" unter den "Kritikern" antwortet der Weihbischof: "Warum regt Ihr euch eigentlich auf? Der Gott der Bibel und der Kirche existiert in euren Augen ohnehin nicht."

Und Laun droht Kritikern. Sie könnten sich "über fast alle Religionen aufregen", denn er kenne keine "Religion, die nicht an einen Gott glaubte, der auch Richter der Menschen ist". Launs Warnung: "Aber seid vorsichtig, Euer Spott könnte auch die Muslime treffen, die zwar anders als die Christen, aber doch auch überzeugt sind, dass Gott straft - und auf Euren Angriff vielleicht anders reagieren als ich es tue!?"

Was immer Weihbischof Laun damit wieder meint - es ist alles andere als Klartext.


Quelle: Spiegel Online

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