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Salih ausgereist - Chaos im Jemen

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Salih ausgereist - Chaos im Jemen

06.06.2011, 08:51 Uhr

Jemens Machthaber bei Raketenangriff auf Präsidentenpalast verletzt. Menschen feiern Ausreise auf den Straßen.

In mehreren Städten im Jemen haben tausende Menschen die Ausreise des schwer verletzten Präsidenten Ali Abdullah Salih nach Saudi-Arabien gefeiert. Die Lage im Land ist noch chaotischer geworden. In der zweitgrößten Stadt Tais griffen dutzende Bewaffnete den Präsidentenpalast an. Dabei kamen vier Soldaten und ein Angreifer ums Leben. Ebenfalls im Süden des Landes geriet ein Militärkonvoi in einen Hinterhalt von Bewaffneten. Neun Soldaten wurden bei dem Anschlag Militärkreisen zufolge getötet.

Salih war bei einem Anschlag am Freitag schwer verletzt worden. Nach der Ankunft in der saudischen Hauptstadt sei der Präsident in ein Militärkrankenhaus in Riad gebracht worden, meldete Al-Dschasira. Ein Schrapnell einer Granate von 7,6 Zentimeter Länge stecke in der Herzgegend des 69-Jährigen, berichtete der britische Rundfunksender BBC unter Berufung auf Regierungskreise.

Die Opposition fordert seit Monaten mit Massendemonstrationen den Rücktritt des seit 1978 herrschenden Präsidenten. Auch die USA und benachbarte Golfstaaten verlangten seinen Rücktritt. Salih hatte wiederholt einer Machtübergabe zugestimmt und rückte dann doch wieder nur von seinem Vorhaben ab. Ein ranghoher jemenitischer Regierungsvertreter berichtete, dass ein Großteil seiner Familie Salih nach Saudi-Arabien begleitet habe. Bei dem Raketenangriff auf den Präsidentenpalast kamen elf Wachleute ums Leben.

Tausende feiern Salihs Ausreise

Der blutige Machtkampf zwischen Salih und einflussreichen Gegnern aus seinem eigenen Haschid-Stamm war in den vergangenen Tagen eskaliert. Oppositionelle erklärten, Salih dürfe nicht in den Jemen zurückkehren. In der Hauptstadt Sanaa feierten Demonstranten den Weggang Salihs. Einige uniformierte Soldaten sangen mit ihnen patriotische Lieder und tanzten. Sie wurden auf den Schultern durch die Menge getragen. Schwarz verschleierte Frauen trugen Banner. Auf einem war zu lesen: "Der Unterdrücker ist weg, aber das Volk bleibt."

Die Lage im Jemen ist nach Salihs Ausreise noch chaotischer geworden. Die Streitkräfte verließen Augenzeugenberichten zufolge teilweise ihre Kontrollposten, bewaffnete Räuber stürmten Gebäude. Die Menschen bildeten Bürgerwehren. Aus Sorge, dass ihre friedliche Protestbewegung von Stammeskämpfern vereinnahmt wird, forderten die Demonstranten in Tais und der Hauptstadt Sanaa in einer gemeinsamen Erklärung die Bildung eines Übergangsrates mit Bürgern, "an deren Händen kein Blut klebt".

Salihs Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi übernahm derweil die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Wenige Stunden nach der Ausreise Salihs traf Mansur Hadi den US-Botschafter Gerald Feierstein, meldete der Nachrichtensender Al-Arabija aus Dubai.

Die USA messen dem Jemen große Bedeutung bei, weil das arabische Land ein Rückzugs- und Rekrutierungsland für das Terrornetzwerk Al-Kaida ist. In den vergangenen Jahren hatte die US-Armee mehrfach mit Duldung Salihs im Jemen Terrorverdächtige mit Kampfdrohnen getötet.

Schlüsselrolle für Saudi-Arabien

Salihs Abreise lasse nun Saudi-Arabien eine Schlüsselrolle beim Umgang mit der Krise zukommen, sagte der Nahost-Experte Reva Bhalla. Saudi-Arabiens größte Sorge ist der Ausbruch von Chaos in seinem südlichen Nachbarland. Wahrscheinlich werde Riad einen Mittelweg beschreiten zwischen dem Erhalt einiger Elemente von Salihs Regime und der Forderung nach einem Wandel, sagte Bhalla.


Quelle: dpa , dapd

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Kommentare (3)

zum Forum

Thema: "Salih ausgereist - Chaos im Jemen"

Sven schrieb: am 5. Juni 2011 um 19:23:15
(0) (0) Tiefstes Mittelalter ?
oft muss man sich fragen, ob wir bereits im 21. Jahrhundert leben. Lügen-Korruption-Ausbeutung sind primitiv u. auf
intellegenter Basis Tagesordnung. Der Ruf nach Anstand, Gesetzeseinhaltung und Achtung vor dem Leben hat Priorität. Etwas weniger produzieren dafür Qualität könnte viele zusätzliche Ausgaben im Gesundheitswesen reduzieren. Terrorismus auslöschen ist richtig aber welche Länder fördern ihn ?? Die Weltgemeinschaft ist eine Macht wenn sie gezielt agiert.
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SkepitkerII schrieb: am 5. Juni 2011 um 17:30:39
(0) (0) Und das leid?
Alle feiern die Freiheitsbewegungen. Aber wieviele Frauen udn Kinder auch von Rebellen vergewaltigt werden und wie viele
Beamten etc, die dem jeweiligen Regime gedient haben misshandellt und getötet werden, obwohl sie wie jeder andere auch einfach nur gelebt und gearbeitet haben um leben zu können, interessiert Niemanden, oder was? Ich pfeife auf Freiheit, wenn sie soviel Chaos und Leid produziert.
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Skeptiker schrieb: am 5. Juni 2011 um 15:42:14
(0) (0) Wohin geht die Reise?
Tolle Demokratiebewegung! Auf in die totale Freiheit! Chaos im ganzen Land. Na da hat man doch endlich den Zustand,
damit die Karten "neu gemischt" werden Können. Da können nun alle ausländischen Interessen unerkannt ablaufen. Wer kann schon noch erkennen, wer wen ermordert, und warum. Da kann sich Syrien und Libyen schon mal auf die neue "Freiheit" einstimmen. Es scheint ja mit der neuen "Volksaufstand-Kreation" zu funktionieren. Billiger als direktes Eingreifen.
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