26.10.2011, 13:38 Uhr | Von Ben Judah
übersetzt aus dem Englischen
Putin ist der mächtigste Mann der Welt. Es mag Männer geben, die in mächtigeren Ländern als Russland regieren - aber weder Barack Obama noch Hu Jintao und schon gar nicht die politischen Führer Japans oder der EU haben auch nur ansatzweise so viel Macht wie Wladimir Putin.
In den Geschichtsbüchern werden unsere Nachfahren bestimmt nie etwas von einer "Obama-Ära" lesen. Putin dagegen zementiert seinen Platz in der Geschichte; dieser kahl werdende, grinsende Mann, der im verarmten Nachkriegs-Leningrad aufwuchs und sich danach sehnte, dem KGB beizutreten.
Putins Rückkehr ins Präsidentenamt ist keine Rückkehr an die Macht - er blieb, wie die aktuelle Degradierung Medwedews zeigt, immer die Führungsfigur. Es ist aber eine Rückkehr in die erste Reihe der Außenpolitik. Der Präsident ist laut der russischen Verfassung verantwortlich für Belange der Außen- und Sicherheitspolitik, während der Ministerpräsident die Innenpolitik verantwortet.
Das kam darin zum Ausdruck, dass Medwedew praktisch seit 2008 sein eigener Außenminister war: Er aß mit Sarkozy zu Abend, sprach vor den Vereinten Nationen und nahm an den wiederbelebten Gipfeltreffen mit den USA teil. Putin lehnte es oftmals ab, sich mit ausländischen Regierungschefs zu treffen, da er ja nur Ministerpräsident war.
Putins Rückkehr in die Außenpolitik wird geprägt sein von seinen persönlichen Projekten und Vorlieben. Russlands Rolle in der Welt ergibt sich aus dem Weltbild Putins. Es wird wohl bis 2018 dauern, um diese außenpolitische Transformation zu verwirklichen. Vielleicht sogar bis 2024, wenn Putin aus dem Amt ausscheiden wird. Doch die Anzeichen sind eindeutig: Nach der Ankündigung seiner Kandidatur schrieb Putin einen Artikel für die überregionale Tageszeitung "Iswestija", in dem er eine "Eurasische Union" fordert, geschmiedet aus einer Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan.
Dieses Wirtschaftsprojekt ist sein gewünschtes Vermächtnis. Putin sieht diesen Kern der ehemaligen Sowjetunion als eine natürliche Einheit - im Gegensatz zu einer jüngeren Generation russischer Politiker. Die daraus erwachsenden Spannungen werden ein politischer Knackpunkt bleiben.
Gleichzeitig jedoch verlieren andere Gebiete der ehemaligen Sowjetunion an Bedeutung. Bislang galt das russische Interesse dem äußeren Rand der GUS. Der südliche Kaukasus, die muslimischen Republiken im Inneren Zentralasiens und Moldawien sind für den Kreml weniger wichtig geworden. Man will sie nicht integrieren, sondern lediglich andere Staaten davon abhalten, diese Länder zu kontrollieren. Dies geschieht mittels russischer Militärbasen und Pipelines.
In der Politik gegenüber Europa setzte Putin vorausschauend auf Deutschland unter Schröder, als die Bundesrepublik noch als "der kranke Mann Europas" galt. Die hohen Investitionen in die Beziehungen zu Deutschland aber haben sich gelohnt: Jetzt profitiert Russland vom Erstarken Deutschlands innerhalb der EU.
Der große Fehler Putins war die Gaspolitik, die viele Europäer vor den Kopf gestoßen hat und dazu beitrug, Putin als verkappten Imperialisten zu brandmarken. Putin ist also teilweise mitverantwortlich für Versuche der EU, Energiesicherheit durch Partnerschaften mit anderen Staaten Zentralasiens zu erreichen und nicht mehr primär auf russische Gas- und Öllieferungen zu setzen.
In Zentralasien mag Chinas Nachbarschaftspolitik in Bezug auf Handel und Straßenbau den russischen Einfluss zwar untergraben, aber das könnte sich bald zugunsten Moskaus ändern. Die Absicherung gegen Peking ist der Hauptgrund, warum Kasachstan sich für die Eurasische Union stark macht.
Es ist nicht verwunderlich, dass die Beziehungen zu den beiden Großmächten China und USA kompliziert sind. Zwischen 2001 und 2003 näherte Putin sich dem unangefochtenen Amerika an und kooperierte mit Bush im Krieg gegen den Terror. Damals sagte er französischen Journalisten sogar, dass er sich als russischer Charles de Gaulle sähe - Westintegration zu russischen Bedingungen unter Beibehaltung des Einflusses in den ehemaligen Sowjetstaaten war das Credo. Mit dem Niedergang des Westens in den späten 2000ern änderte Putin seine Reisepläne: Statt in den Westen ging es häufiger in Richtung China.
Was Putin nicht will, ist eine halb autonome Westintegration oder eine Ostpolitik im Stile Alexander Newskis. Newski besiegte zwar die Kreuzritter, musste aber den Mongolen huldigen. Putins Vorstellung ist ein unabhängiges Russland. Es mag ihm gelingen, diese Vision umzusetzen. Doch der Preis wird die internationale Isolation sein.
Ben Judah: Der Franko-Brite Politologe und Journalist ist ein Policy-Fellow am European Council on Foreign Relations, also einer Denkfabrik, die strategische Analysen für die EU-Außenpolitik entwickelt. In seiner Arbeit konzentriert sich Judah auf Russland und Zentralasien und deren Beziehungen zur Europäischen Union. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in den Printblättern "Financial Times", "Economist", "Prospect" und "Standpoint" sowie bei den Nachrichtenagenturen Reuters und AP. Ben Judah hat vom Krieg in Georgien, der kirgisischen Revolution und dem arabischen Frühling berichtet.
Von Ben Judah
Väterchen Frost schrieb:
am 26. Oktober 2011 um 20:21:51
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Putin
Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass eine gelenkte Demokratie Russland nicht mit den westlichen Demokratien vergleichbar ist.
Es wird nie ein Gleichauf geben.Russland ist vermutlich auch nur mit harter Hand zu führen.Von Nachteil ist nur-zumindest aus westlicher Sicht-das extreme Vermögen W. Putins.Bedauerlich ist,dass Medwedew nicht zumindest eine weitere Amtszeit bleibt,um den liberalen Kurs seiner Amtsführung fortzusetzen.Der mächtigste Mann der Welt ist aber Obama.
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Rose schrieb:
am 26. Oktober 2011 um 19:09:23
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@gerhard
Ach Gerhardwenn der böse Putin nicht wäre ! Gegejn welsches land führen die Russen Krieg ? Wie sieht es mit den NATO Staaten aus
?
Was Schröder betrifft , war die Gasleitung doch sehr vernünftig und kein Transitland kann ,ie im Fall der Ukraine Gas klauen!
Soviel auch zur Liefertreue der Russen( Bitte nicht die kleinen mang den Großen bringen !) .
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klaus p. schrieb:
am 26. Oktober 2011 um 18:39:46
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(1)
info
Berichtigung des unfähigen Autors:Russland hat mit China die besten Beziehung wie noch nie! Dank putin muss man sagen es gibt dort
keine Rivalität, weil Putin u.a.vernünftige Handelsverträge mit China abgeschlossen hat!
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