
09.07.2010, 09:00 Uhr | Von Benjamin Bidder, Moskau
Gepanzerte Fahrzeuge fahren vor dem Hochsicherheitsgefängnis Lefortowo vor (Foto: Reuters)
Die USA und Russland haben sich innerhalb kürzester Zeit auf den Austausch enttarnter Späher geeinigt. Moskau hat offenbar einen verurteilten US-Spion ausgeflogen - im Gegenzug könnten die festgenommenen Mitglieder eines russischen Agentenrings freikommen, darunter "Bond-Girl" Anna Chapman.
Der Weg in die Freiheit eröffnete sich für Igor Sutjagin, 45, gänzlich unverhofft. Seit mehr als zehn Jahren saß der Nuklearwaffenexperte eine Gefängnisstrafe wegen Spionage für die USA und "Landesverrat" ab. Am Montag aber traten in seiner Haftanstalt in Russlands hohem Norden mehrere Herren vom russischen Geheimdienst an Sutjagin heran - und machten ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte: Man wolle ihn austauschen gegen jene mutmaßlichen Späher Moskaus, die dem amerikanischen FBI vor zehn Tagen ins Netz gegangen waren.
Russische Medien berichten nun, Sutjagin sei bereits in der österreichischen Hauptstadt Wien gelandet, im Gegenzug werde die Überstellung von einem oder mehreren der zehn mutmaßlichen russischen Agenten in US-Gewahrsam erwartet.
Der Austausch wäre wohl der schnellste "Spy Swap" aller Zeiten - und ein eindeutiges Signal von Moskau und Washington, dass die jüngste Spionageaffären nicht zu einer Belastung der neuerdings guten Beziehungen beider Länder werden soll.
Bereits am Mittwoch hatten russische Geheimdienstler Sutjagin versichert, er werde "noch am Donnerstag nach Wien ausgeflogen". Das bestätigte seine Anwältin Anna Stawitzkaja "Spiegel-Online". Derzeit habe gleichwohl weder sie selbst noch die Familie Sultjagins Kontakt zu ihm, sein genauer Aufenthaltsort sei nicht bekannt.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP hatten Sondereinsatzkräfte der russischen Miliz Sutjagins Gefängnis abgeriegelt, Panzerwagen seien vorgefahren. Der amerikanische TV-Sender ABC berichtete unter Berufung auf Beamte im US-Außenministerium, die Operation solle bereits am Donnerstagabend beginnen.
Österreichs Außenministerium wollte Sutjagins Ankunft am späten Nachmittag "weder bestätigen noch dementieren". Der Sprecher von Russlands Auslandsaufklärung, Sergej Guskow, sagte, er kenne diese Nachricht, werde sie jedoch nicht kommentieren.
Sutjagin, unter anderem Verfasser eines Werks über die "Strategischen Nuklearwaffen Russlands", soll Ende der neunziger Jahre US-Geheimdienste angeblich mit Informationen über den Bau neuer russischer Atom-U-Boote versorgt haben, betonte aber bis zuletzt seine Unschuld. Weder habe er für einen ausländischen Geheimdienst gearbeitet, so Sutjagin, noch habe er sich Zugang zu geheimen Informationen verschafft. Vielmehr habe er für seine Forschungen nur öffentlich zugängliche Quellen genutzt.
Für seine Freiheit zahlt Sutjagin einen hohen Preis. Vor seiner Entlassung habe man von ihm die Unterzeichnung eines Schuldeingeständnisses verlangt, so Anwältin Stawitzkaja, das habe ihn in eine "schwere psychische Krise" gestürzt.
Im Gegenzug für die Freilassung des Wissenschaftlers könnte sich nun die Überstellung der mutmaßlichen russischen Spionin Anna Chapman an russische Behörden anbahnen, vermuten russische Medien.
Nach Auffassung des FBI soll Chapman, von der Boulevardpresse aufgrund ihrer Attraktivität "Bond-Girl" und "Agentin 90-60-90" getauft, als "Deep-Cover"-Agentin für den russischen Auslandsgeheimdienst SWR spioniert haben.
Wie das "Wall Street Journal" berichtete, kontaktierten Vertreter der russischen Regierung Chapmans Anwalt Robert Baum. Baum sagte der Zeitung, er habe aus den Gesprächen den Eindruck gewonnen, die Frage werde wahrscheinlich bereits am Donnerstag gelöst.
So meldet die "Washington Post", dass sich einige oder alle der zehn festgenommenen mutmaßlichen russischen Spione noch am Donnerstag vor dem Bundesgericht in Manhattan schuldig bekennen wollen. Dies hätten Quellen berichtet, die mit dem Prozess vertraut seien. Eine Person, die anonym bleiben wollte, habe gesagt, dass alle mutmaßlichen Spione sich einverstanden erklärt hätten, Schuldbekenntnisse abzulegen - so dass sie bereits am gleichen Tag nach Russland zurückkehren könnten.
Mit Material von AP und dpa
Quelle: Spiegel Online
ROLF schrieb:
am 9. Juli 2010 um 07:44:17
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Das Spiel beginnt
Warum diese Geheimniskrämerei? Könnten wir nicht Merkel und Westerwelle eintauschen? Diese Beiden könnten dann ja mal
ein anderes Volk demütigen, abzocken und verkaufen.
Immer mehr Freiheit für Gangster, das ist das neue Obama Spielchenkabinett.
Diese neue Welt wird immer Skuriller und nicht mehr durchschaubar.
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Spyman schrieb:
am 9. Juli 2010 um 00:43:32
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Anna Chapman
Wenn man Anna Chapman eine Bond-Rolle in Hollywood angeboten hätte, wäre sie mit großer Wahrscheinlichkeit in den USA
geblieben. Was will so ein hübsches Girl überhaupt im muffigen Russland?
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Lucky schrieb:
am 8. Juli 2010 um 22:51:54
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Austausch
.........na bitte, geht doch auch ohne großes Säbelrasseln. Garnicht auszudenken wenn der Vorgänger von Obama noch an der Macht wäre.
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