26.04.2010, 09:08 Uhr | dpa
Die Ministerinnen Leutheusser-Schnarrenberger, Schröder und Schavan vor dem Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch (Foto: ddp)
Der von der Bundesregierung eingesetzte Runde Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch will zügig zu konkreten Ergebnissen kommen. Die Unterarbeitsgruppen sollen im Mai mit ihrer Arbeit beginnen - Ende des Jahres soll ein Zwischenergebnis vorliegen. Das erklärten Familienministerin Kristina Schröder (CDU), Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), nach ihrer konstituierenden Sitzung.
Das Thema Entschädigung für die Opfer wird nach Einschätzung von Leutheusser-Schnarrenberger besonders schwierig werden. "Da wird es bestimmt spannende Auseinandersetzungen geben und unterschiedliche Interessen", sagte sie. Die erste Sitzung sei aber ermutigend gewesen. Die rund 60 Teilnehmer aus Politik, Kirche und Verbänden wollen über Hilfen für die Opfer beraten und Konzepte zur Vorbeugung entwickeln. Geleitet wird der Runde Tisch von den drei Ministerinnen.
Familienministerin Schröder sagte, es würden Selbstverpflichtungen für Institutionen diskutiert, in denen eine besondere Nähe zwischen Erwachsenen und Kindern bestehe. Zum Beispiel könne dort sexueller Missbrauch bereits in Bewerbungsgesprächen thematisiert werden, um potenzielle Täter abzuschrecken. Staatliche Förderungen könnten dann an diese Selbstverpflichtungen gebunden sein.
Neben den bereits bekannten zwei Arbeitsgruppen mit den Themen Prävention und juristische Konsequenzen wird eine dritte Untergruppe des Runden Tisches eingerichtet. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Forschung und Lehre. Ministerin Schavan erklärte, es solle untersucht werden, ob das Thema sexueller Missbrauch in der Ausbildung von Medizinern und Lehrern stärker verankert werden müsse.
Die Bundesregierung hatte den Runden Tisch als Reaktion auf die vielen bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in kirchlichen und anderen Einrichtungen beschlossen. Zudem setzte die Bundesregierung die frühere Familienministerin Christine Bergmann (SPD) als unabhängige Missbrauchsbeauftragte ein. Nach Gesprächen mit Opfern soll sie Empfehlungen für den Runden Tisch erarbeiten.
Leutheusser-Schnarrenberger sagte, in der von ihr geleiteten Arbeitsgruppe werde es auch um strafrechtliche Schlussfolgerungen gehen. Teilnehmer des Runden Tisches hätten aber deutlich gemacht, dass das Strafrecht nicht überbewertet werden dürfe. Den Opfern gehe es vor allem um die Anerkennung ihres Unrechts und um eine Enttabuisierung des Themas in der Gesellschaft.
Nach Ansicht der Vorsitzenden der Jugend- und Familienkonferenz der Länder, Manuela Schwesig (SPD), müssen die Kirchen viel mehr tun, um sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen aufzuklären. Es dürfe bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche "keine Salami-Taktik geben", sagte sie der "Frankfurter Rundschau". Der Augsburger Bischof hatte lange abgestritten, als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Heimkinder geohrfeigt zu haben, bevor er jetzt seinen Rücktritt einreichte.
Nach einer Umfrage für das ZDF-"Politbarometer" sehen die Deutschen große Defizite bei der katholischen Kirche bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Demnach meinen nur zwölf Prozent, dass die katholische Kirche genügend zur Aufklärung unternehme. 82 Prozent halten die ergriffenen Maßnahmen dagegen für zu wenig. Unter den Katholiken sind nur 19 Prozent der Meinung, dass ihre Kirche zur Aufklärung genügend tue. 74 Prozent sehen Defizite.
Quelle: dpa
Politolix schrieb:
am 23. April 2010 um 17:58:07
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Forschung und Lehre
zwecks Schulung klingt gut, wenn Möglichkeiten geschaffen werden diesem Thema auch Raum im Beruf zu geben. Realität
ist doch , dass Probleme von Kindern und Jugendlichen kaum erkannt werden.Gut finde ich , wenn im Untericht darüber gesprochen wird um Mut zu machen, sich zu öffnen.Mich entsetzt, dass jeder Lehrer heute Angst haben muss seinen Schüler in den Arm zu nehmen, dass jede Geste negativ ausgelegt werden kann.Gleichgültigkeit und Respektlosigkeit, Mitmenschlichkeit weiter ersetzt!
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Heinz schrieb:
am 23. April 2010 um 17:47:26
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Runder Tisch
Das ist ja ein atemberaubendes Arbeitstempo: Im Mai wird mit der Arbeit begonnen, und zum Jahresende soll ein Zwischenergebnis
vorliegen. Und danach schlummert das Thema sang- und klanglos ein?
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