Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Specials > US-Wahl >

Rick Santorum: Republikaner fürchten den "Jesus-Kandidaten"

...

Republikaner fürchten den "Jesus-Kandidaten"

23.02.2012, 09:13 Uhr | Von Sebastian Fischer, Washington

Republikaner Santorum: Auftrieb mit radikalen Ansichten  (Quelle: AP)

Republikaner Santorum: Auftrieb mit radikalen Ansichten (Quelle: AP)

Plötzlich Favorit: Präsidentschaftskandidat Rick Santorum liegt in Umfragen deutlich vorn, bei den Vorwahlen in Michigan ist ein Sieg möglich. Doch selbst seiner eigenen Partei ist der Erzkatholik zu rechts - führende Republikaner fürchten eine Niederlage, wenn es im Herbst gegen Obama geht.

Bei den Republikanern fühlen sich in diesen Tagen viele an das Jahr 1964 erinnert: Damals verbreitete ein Mann regelrecht Alarmstimmung. Nur zu gern sprach er von der Atombombe. Damit könne man prima den vietnamesischen Dschungel "entlauben". In jedem Fall sollten sich die USA vorbereiten, "militärische Operationen" gegen angeschlagene kommunistische Regime zu unternehmen. Thema Schulbildung? "In den meisten Fällen kommen die Kinder ganz gut ohne aus." Und von der Bürgerrechtsbewegung hielt er natürlich auch nichts.

Der Verfasser dieser Parolen hieß Barry Goldwater, damals der republikanische Kandidat fürs Weiße Haus. Doch er scheiterte grandios, sicherte mit seinen Polit-Rüpeleien vielmehr dem Demokraten Lyndon B. Johnson die zweite Amtszeit, gleichsam per Erdrutschsieg: Johnson kam am Ende auf 61 Prozent der Stimmen. Und die republikanische Partei lag am Boden.

Heute fürchten die Republikaner wieder den Goldwater-Effekt.

Video
Heftige TV-Debatte bei Vorwahlen in den USA

Angriff zur Verteidigung: Die beiden Favoriten Romney und Santorum liefern sich einen hitzigen Schlagabtausch. zum Video

Der Goldwater der Gegenwart heißt Rick Santorum. Der 51-Jährige schickt sich plötzlich ernsthaft an, republikanischer Präsidentschaftskandidat für den Herbst 2012 zu werden. Der Rechtsaußen, ein Ex-Senator aus Pennsylvania, liegt in den Umfragen deutlich vor dem moderateren Mitt Romney.

Wie Santorum gegen die Moderne kämpft

Was für den Rüpel Goldwater die Atombombe war, das ist dem Erzkonservativen Santorum die Fixierung auf Familie und Sexualmoral. Der selbsterklärte "Jesus-Kandidat" kämpft gegen Sex außerhalb der Ehe, gegen Abtreibung und natürlich gegen die Schwulenehe. Verantwortlich für all das Unglück ist aus seiner Sicht vor allem ein Mann: Barack Obama.

Die Kandidaten der US-Republikaner - ihre Stärken und Schwächen
6 Bilder von 8

Allein in den letzten Tagen hat Santorum dem Präsidenten ein falsches Gottesverständnis bescheinigt, ihm Euthanasie unterstellt - und sogar Adolf Hitler in einer seiner Attacken untergebracht. Im Einzelnen klingt das dann so:

  • Obama verfolge "eine Art künstliches Ideal, eine falsche Theologie", so Santorum. Was soll das heißen? Dass Obama kein Christ ist, wie man es ihm im radikalen Tea-Party-Lager stets unterstellt? Nein, Santorum, der den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel leugnet, geht es unter anderem um die Umweltpolitik des Präsidenten. Nicht die Erde stünde beim christlichen Handeln im Zentrum, sondern der Mensch. Meint er.
  • Mit Obamas Gesundheitsreform finanziere der Staat Pränataldiagnostik - um zu sparen. Denn das bedeute "mehr Abtreibungen, und schließlich ist weniger Pflege nötig, weil wir dann die Behinderten in unserer Gesellschaft ausmerzen", so Santorum, der selbst eine dreijährige Tochter hat, die an Trisomie 18 leidet, einer dem Down-Syndrom ähnlichen Erkrankung.
  • Und schließlich ist da dieser Auftritt, bei dem er an die Zeit kurz vorm Zweiten Weltkrieg erinnert, in der Amerika zu lange im Isolationismus verharrt habe: "Wir dachten, es wird schon werden, der ist doch ein ganz netter Kerl, das wird schon nicht so schlimm", sagte er, offensichtlich in Anspielung auf Adolf Hitler. Doch nach einer Weile finde man dann ein paar Sachen über diesen "Kerl da drüben in Europa" raus, die nicht so gut seien. Schließlich macht Santorum deutlich: Für die gegenwärtige Generation von Amerikanern sei die Gefahr schwerer zu erkennen. Ein Hitler-Obama-Vergleich? "Nein, natürlich nicht", beteuert er.

Santorum, der bizarre Republikaner-Kandidat. In diesen Tagen entdecken Freunde wie Gegner sein Buch von 2005 wieder, Titel: "It takes a family". Darin sind etliche Polit-Schmankerl enthalten. Santorum geißelt etwa das Zusammenleben Nichtverheirateter und wünscht sich mehr Respekt für daheimerziehende Mütter. Er verdammt den "frauenfeindlichen Kreuzzug des Radikalfeminismus", also jegliche Bestrebungen, Frauen jenseits der eigenen vier Wände zu beschäftigen. Und ausführlich beschreibt er die "Konsequenzen von Sex außerhalb einer monogamen, lebenslangen Beziehung": Teenager-Schwangerschaften; Abtreibungen; Depressionen; Sexualkrankheiten wie HIV, Tripper und so weiter. Santorum listet sogar detailliert die Kosten auf, die diese angeblichen Folgekrankheiten der Gesellschaft verursachen.

Doch Tag für Tag wächst die Zustimmung an der Republikaner-Basis. In landesweiten Umfragen liegt der einstige Underdog mittlerweile schon bis zu zehn Prozentpunkte vor Romney. Entscheidender noch: Bei den Vorwahlen in der kommenden Woche sowie bei dem als Super Tuesday bezeichneten Wahlmarathon in gleich zehn Staaten am 6. März zeichnen sich für Santorum weitere Siege ab. So liegt der Erzkonservative ausgerechnet in Michigan vorn, wo die Republikaner am kommenden Dienstag ihre Primary abhalten: Mit 37 zu 33 Prozent führt er hier vor Romney. Ausgerechnet. Denn in Michigan ist Romney geboren und aufgewachsen, hier regierte sein Vater George einst als Gouverneur.

Kandidat der Vernunft gesucht

In Arizona, wo die Republikaner ebenfalls am Dienstag entscheiden, liegt Romney einer CNN-Umfrage zufolge noch mit 36 zu 32 Prozent vorn. Doch auch hier hat Santorum in den letzten Wochen aufgeholt. Im Westküstenstaat Washington, der am 3. März wählt, verbucht Santorum derzeit einen Elf-Punkte-Vorsprung auf Romney, im großen Ohio (6. März) liegt er ebenfalls vorn.

Führende Republikaner sorgen sich jetzt, dass ihnen die weit nach rechts gerückte Basis tatsächlich den "Jesus-Kandidaten" bescheren könnte. Was tun? Seit Monaten schon gibt es Gedankenspiele, ob nicht noch ein Kandidat der Vernunft zum Eintritt ins Rennen bewegt werden kann. Am Anfang war stets die Rede von Chris Christie, dem durchsetzungsstarken Gouverneur von New Jersey.

Doch Christie sagte ab, stellte sich hinter Romney. Seitdem ruhen die Hoffnungen immer mal wieder auf Mitch Daniels, dem Gouverneur von Indiana. Der durfte schon die offizielle republikanische Gegenrede auf Obamas Regierungserklärung ("State of the Union") Ende Januar halten. Und dann ist da noch Jeb Bush, früherer Regierungschef von Florida und Bruder des Ex-Präsidenten George W. Bush. Doch auch er winkt bislang ab. Es ist auch langsam zu spät.

"Hört genau hin und ihr bemerkt die peinvollen Schreie: 'Mitch! Chris! Jeb! Hilfe!'", lästert die "Washington Post" über die Aussicht der Republikaner auf den "Chef-Theologen" Santorum oder einen zwischen den Lagern gespaltenen Parteitag im Sommer.

Obama dürfte sich über Santorum freuen

Unter Spitzenrepublikanern verbreitet sich Furcht: Dass man es im Herbst 2012 vermasselt, obwohl die Chancen aufs Weiße Haus so gut stehen wie selten zuvor. Der Präsident ist angeschlagen, die Arbeitslosigkeit hoch, die Wirtschaft dümpelt. Und ausgerechnet jetzt schaffen es die Republikaner nicht, einen halbwegs vernünftigen Kandidaten aufzustellen? Was ist aus der Partei Abraham Lincolns geworden?

Den Parteibossen ist längst klar: Wenn die Republikaner mit Santorum ins Rennen ziehen, mögen zwar die religiösen Hardliner im Herbst an die Wahlurnen streben, aber die entscheidenden unabhängigen Wähler sowie die Frauen würden sich für Obama entscheiden.

Man wird also genau hinschauen an diesem Mittwochabend, wenn die vier verbliebenen Kandidaten - neben Romney und Santorum noch Newt Gingrich und Polit-Opa Ron Paul - das erste Mal seit Wochen wieder zu einer TV-Debatte antreten. So viel ist schon jetzt klar: Santorum wird das Zentrum aller Fragen und Attacken sein. Romney steht unter massivem Druck, muss Boden gut machen.

Auch Obamas Leute im Weißen Haus und seiner Wahlkampfzentrale in Chicago werden genau hinschauen. Längst bereiten sie sich nicht mehr nur auf die Variante Romney vor. Doch es fällt auf: Anders als im Falle des bisherigen Spitzenreiters halten sie sich mit Attacken auf Santorum bisher zurück. Aus Obamas Sicht wäre ein Gegenkandidat Santorum ja auch tatsächlich eine feine Sache.


Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Rick Santorum: Republikaner fürchten den "Jesus-Kandidaten"" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Rick Santorum: Republikaner fürchten den "Jesus-Kandidaten"" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (30)

zum Forum

Thema: "Rick Santorum: Republikaner fürchten den "Jesus-Kandidaten""

Alfred schrieb: am 23. Februar 2012 um 18:54:09
(80) (24) Santorum
Kann mir irgend jemand hier den Unterschied zwischen den iranischen Mullahs und diesem Santorum aufzeigen? Ich auf jeden Fall sehe
keinen. ^Die spinnen zwar in entgegen gesetzte Richtungen aber das Ergebnis bleibt das gleiche. Ob islamischer oder christlicher Gotteskrieger ist völlig egal, solche Typen muß man stoppen, egal wie. Bei den Iranern ist es mir gleichgültig, die toben nur im eigenen Land rum, aber die Amis sind imstande die Welt platt zu machen. Da kann man sich echt fürchten.
mehr Kommentar melden

Schlampen gegen Gotteskrieger schrieb: am 23. Februar 2012 um 18:19:16
(32) (27) @ Sharia
Egal ob muslimisch, jüdisch oder christlich, niemand wird das Rad der Geschichte zurückdrehen. Die Errungenschaften unserer
Gesellschaften werden wohl die wenigsten hier aufgeben wollen.
mehr Kommentar melden

Observer schrieb: am 23. Februar 2012 um 18:15:50
(88) (19) Santorum
Santorum ist einfach ein Extremist der übelsten Art. Kann nur hoffen, dass die Presse noch rechtzeitig entdeckt, wen er in seiner
Ehe ausser seiner Frau noch ins Bett gebracht hat o.ä. Dann wäre er weg und könnte Rosenkränze beten. Wir hatten einen Verbrecher, der immer von Vorsehung sprach. Bush war auch nach seiner Meinung von Gott gesandt. Diese Typen sind die allerschlimmsten. Drückt alle die Daumen, dass diese sich nirgends durchsetzen.
mehr Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr
Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.

Klima & Umwelt
Der globale Klimawandel
CO2-Emmissionen der Industrie tragen zur Erderwärmung bei. (Quelle: Reuters)

Die Folgen der Erderwärmung für Mensch und Tier. Klima-Special


Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr



Aus anderen Bereichen

'Wir sollten jetzt nicht nach Ausreden suchen'
Die deutsche Abwehr wirkt beim Testspiel in der Schweiz meist sehr konfus. (Quelle: imago)

Kein deutscher Abwehr- spieler überzeugt. mehr

Grandprix: mutiger Auf- tritt von Anke Engelke
Anke Engelke verkündet Aserbaidschan beim Eurovision Song Contest: "Europa beobachtet Dich". (Quelle: dpa)

"Aserbaidschan, Europa beobachtet Dich". mehr

Hier fährt der älteste Käfer Deutschlands
Otto Weymanns VW Käfer dürfte der älteste Käfer in Deutschland sein. (Quelle: dpa)

Oldtimer verblüfft selbst Experten. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Special
Islamische Welt in Aufruhr
Massenproteste im Maghreb: Die arabische Welt ist in Aufruhr (Foto: Reuters)

Aktuelles, Hintergründe, Analysen aus den Krisengebieten. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Eine Frau versucht bei den "Redneck Games" in Dublin, einen Schweinefuß mit dem Mund zu fischen. (Quelle: dpa\Erik S. Lesser)

Tierischer Tauchgang. mehr

Regionale Nachrichten
News aus Ihrer Region
Nachrichten aus Ihrer Region (Foto: imago)

Aktuelle Meldungen aus den Bundesländern. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige