26.02.2010, 14:06 Uhr
Weil sie ihr Baby zu Tode misshandelt hat, ist eine 22 Jahre alte Mutter aus Reutlingen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Tübingen verurteilte sie wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Der drei Monate alte Säugling war im vergangenen Sommer mit schweren Schädel-Hirn-Verletzungen ins Krankenhaus gekommen und dort gestorben.
Die Staatsanwaltschaft hatte eine deutlich härtere Bestrafung wegen Totschlags gefordert. Allerdings waren die Richter zum Schluss überzeugt, dass die Frau ihren Jungen nicht umbringen wollte.
Auch nach der Verhandlung blieben viele Fragen offen. Vor allem blieb unklar, wie genau der kleine Junge ums Leben kam. Zwar gestand die Angeklagte, den Kleinen mehrmals heftig geschüttelt und auch geschlagen zu haben. Die vielen Schädelbrüche und die schweren Verletzungen des Gehirns ließen sich dadurch aber nicht erklären, betonten Gutachter. "Es muss noch mehr passiert sein. Aber darüber könnten wir nur spekulieren", sagte der Vorsitzende Richter Ralf Peters.
Der Junge kam am 25. März 2009 schon in der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt und wog gerade einmal 1,3 Kilogramm. Immer wieder hätte das Kind ausdauernd geschrien und sich durch nichts beruhigen lassen, hieß es. Vier Jahre zuvor hatte die junge Frau schon ein Kind zur Welt gebracht, das ihr vom Jugendamt weggenommen und in einer Pflegefamilie untergebracht worden war. "Sie wollte unbedingt zeigen, dass sie eine gute Mutter sein kann", sagte Peters.
Hinzu kamen psychische Probleme, durch die die junge Mutter in Stresssituationen alle Hemmungen verlor. "Sie geriet in eine Situation von Zorn und Aggression, die sich an dem völlig unschuldigen Opfer entluden", sagte der Vorsitzende Richter. Als Verwandte den Zustand des Jungen bemerkten und ihn ins Krankenhaus bringen wollten, war es zu spät: Nach einigen Wochen im künstlichen Koma starb der Junge.
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Auch das Reutlinger Jugendamt war durch den Fall in die Kritik geraten. Mitarbeiter hatten der 22-Jährigen kurz vor der Tat noch eine positive Prognose für die Erziehung des Kindes ausgestellt. Die Ermittlungen brachten allerdings keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des Amts. Nach der Geburt hätten sich die 22-Jährige und ihr Freund nach Zeugenaussagen zunächst liebevoll um ihren Jungen gekümmert. Niemand habe erkannt, wie zerrüttet die junge Mutter innerlich war. In der Haft soll sie eine Therapie machen.
Quelle: dpa
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