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Debatte um Rente mit 67 wieder aufgeflammt
23.06.2009, 13:02 Uhr
Der Streit um die Anhebung des Rentenalters auf 67 ist erneut entbrannt (Foto: imago)
Angesichts der Wirtschaftskrise ist die Debatte um die Rente mit 67 neu entfacht worden. Führende Politiker der Großen Koalition lehnen Änderungen an der Regelung ab. Die Gewerkschaften und weitere SPD-Politiker sowie die Linke fordern aber, das Gesetz zu kippen oder wenigstens auszusetzen. Auslöser der erneuten Diskussion ist eine Äußerung des designierten SPD-Landesvorsitzenden in Bayern, Florian Pronold, der die Rente mit 67 in Frage stellte.
Pronold hatte der "Bild"-Zeitung gesagt: "Ich gehe davon aus, dass die Rente mit 67 wegen steigender Arbeitslosenzahlen in der Wirtschaftskrise nicht in Kraft treten kann". Er verwies auf eine gesetzliche Überprüfungsklausel. Die Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre soll wegen der Alterung der Gesellschaft im Jahr 2012 schrittweise beginnen und 2029 abgeschlossen sein. Damit soll auch der Beitragssatz um 20 Prozent vom Bruttoeinkommen gehalten werden.
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Ronald Pofalla bekräftigte, seine Partei werde an der Reform festhalten. Die Entwicklung in den Jahren 2005 und 2008 hätte gezeigt, welche Möglichkeiten der Arbeitsmarkt biete. Auch die Wirtschaftskrise sei kein Grund für eine Korrektur, da die Maßnahme erst 2012 in einem ersten Schritt umgesetzt würde, zu einem Zeipunkt, in dem längst wieder Wirtschaftswachstum herrsche. Die aktuelle Diskussion sei nur als eine Demontage des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering zu verstehen, sagte Pofalla. Die Anhebung der Altersgrenze war während Münteferings Amtszeit als Bundesarbeitsminister beschlossen worden.
CDU-Sozialexperte: "Rente mit 67 bleibt"
"Es bleibt bei der Rente mit 67. Die Maßnahme ist notwendig", sagte auch der CDU-Sozialexperte Ralf Brauksiepe den "Ruhr Nachrichten". Das Gesetz zur Rente mit 67 gelte "ohne jeden Vorbehalt", es gebe lediglich eine Prüfungspflicht.
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Flexible Lösungen finden
Pronold sagte nun dem "Handelsblatt", er stelle die Rente mit 67 nicht grundsätzlich infrage. Er habe auf die Überprüfungsklausel verwiesen, nach der die Bundesregierung ab 2010 alle vier Jahre über die Situation älterer Beschäftigter berichten müsse. Weil anfängliche Erfolge in der Wirtschaftskrise nachließen, sei es wichtig, für besonders betroffene Gruppen flexible Lösungen zu finden.
Schreiner will Regelung aussetzen
Für ein Aussetzen der Rente mit 67 plädierte erneut SPD-Vorstandsmitglied Ottmar Schreiner. "Ich war immer der Meinung, dass dieser Schritt wenig Sinn macht", sagte er den "Ruhr Nachrichten". Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, sagte: "Ich bin froh, dass jetzt in der SPD ein Umdenken einsetzt". Dagegen sagte die SPD-Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, dem "Handelsblatt": "Es gibt keine Änderungen." SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner sagte der Zeitung: "Wir kümmern uns darum, die Rente mit 67 abzufedern."
DGB: Rente mit 67 soll "vom Tisch"
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (
DGB) wiederum forderte die Bundestagsparteien auf, noch vor der Bundestagswahl klar zu stellen, "dass die Rente mit 67 in einer solch dramatischen Krise vom Tisch kommt". DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte der "Leipziger Volkszeitung" : "Niemand würde sich einen Zacken aus der Krone brechen, wenn die Rente mit 67 angesichts der größten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik zumindest ausgesetzt wird."
Rente mit 67 ein Rentenkürzungsprogramm
Ähnlich sieht das der Sozialverband
VdK. "Viele Ältere gehen aus der Arbeitslosigkeit oder aus auslaufenden Vorruhestandsregelungen direkt in Rente", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher der "Neuen Presse". "Die Rente mit 67 bedeutet höhere Abschläge. Sie ist ein Rentenkürzungsprogramm."
Hundt: Kurzsichtige Debatte
Arbeitgeber-Präsident
Dieter Hundt kritisierte die neu angestoßene Debatte um die Rentenreform. "Es ist kurzsichtig, wegen der aktuellen Krise die Rente mit 67 anzuzweifeln, die erst in 20 Jahren zum Tragen kommt. Wir brauchen im Gegenteil eine konsequente Umsetzung der Rente mit 67", sagte Hundt den "Lübecker Nachrichten". "Wir leben in einer alternden Gesellschaft, die zwingend auf die Arbeitskraft und die Erfahrung älterer Beschäftigter angewiesen ist."
Quelle: dpa
, AFP