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Als ob der Rhein auf die Autobahn umgeleitet wurde
24.10.2009, 11:51 Uhr
Überflutete Kreuzungen - wie hier in Münster - waren am Mittwochabend die Regel in vielen Städten in NRW (Foto: dpa)
Land unter im Ruhrgebiet, in Ostwestfalen und später auch in Teilen Niedersachsens: Heftige Regenfälle und Gewitter haben dort am Mittwochabend Städte und Autobahnen unter Wasser gesetzt - und zahlreiche Unfälle verursacht. Auf den Autobahnen zwischen Duisburg und Essen gab es "eine Überschwemmung nach der anderen", berichtete ein Sprecher der Polizei in Düsseldorf: "Teilweise war es so, als ob der Rhein auf die Autobahn umgeleitet wurde."
Am stärksten betroffen waren die Städte Essen, Oberhausen, Bielefeld und Lemgo. Allein dort gab es 45 Polizei- und 50 Feuerwehreinsätze.
Autobahnen gesperrt
Betroffen von den Wassermassen waren vor allem zwei Autobahnen in Duisburg und Oberhausen, die vorübergehend gesperrt wurden. Auch die A 40 zwischen Duisburg und Essen und die A 3 im Bereich Oberhausen wurden an einigen Stellen überflutet. Mehrere Fahrzeuge blieben auf den Fahrbahnen stehen, weil der Motor wegen des Wassers versagt hatte. In Ostwestfalen kam es auf der A 2 und der A 30 zu Unfällen wegen Aquaplaning und Sichtbehinderungen. Eine Frau wurde dabei leicht verletzt.
Kniehoch gestanden
In Essen, Oberhausen, Bielefeld und Lemgo setzten die Regengüsse mehrere Straßen unter Wasser, da die Kanalisation die Regenmassen - zum Teil auch wegen verstopfter Gullys - nicht aufnehmen konnte. Auf einigen Straßen habe das Wasser teilweise kniehoch gestanden, sagten Polizeisprecher in Bielefeld und Oberhausen. Vor allem unter Unterführungen habe sich Wasser gestaut, mehrere Autos wurden beschädigt. In Essen fiel in einigen Stadtteilen der Strom aus, nachdem der Blitz in einen Trafo eingeschlagen war.
Falle Gully
In Bielefeld und Lemgo im Nordosten des Bundeslandes liefen mehrere Keller und Wohnungen voll Wasser und Schlamm. In Lemgo mussten einige Straßen von Schlamm und Geröll befreit werden. Das Wasser drang auch in einen Verbraucher-Markt und ein Gebäude des Technischen Hilfswerks ein. In Bielefeld kam es im gesamten Stadtgebiet zu zahlreichen Unfällen. Von einigen Autos platzten die Reifen, als sie über hochgespülte Gullydeckel fuhren. Ein komplettes Ackerstück wurde von den Wassermassen losgelöst und rutschte über mehrere hundert Meter auf eine Straße. Ein Autofahrer kam deswegen ins Schleudern und landete mit seinem Wagen in einem Straßengraben.
Auch in Niedersachsen
Wegen umgestürzter Bäume und Überflutungen mussten auch in Niedersachsen, darunter im Landkreis Peine, mehrere Straßen gesperrt werden. Im Peiner Stadtteil Vöhrum setzte ein Blitz den Dachstuhl eines Einfamilienhauses in Brand. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Niederschlagsmengen in NRW (Karte: Unwetterzentrale)
Enorme Temperaturgegensätze
Verursacht wurde die Regennacht von den sehr warmen subtropischen Luftmassen, die im Südwesten Deutschlands für einen Wärmerekord im Oktober gesorgt hatten. Nach Angaben der Unwetterzentrale des Wetterdienstes Meteomedia stieß diese Warmluft aus dem Mittelmeerraum über Westdeutschland auf kühlere Atlantikluft.
Doppelt so warm im Süden
Folge: enorme Temperaturgegensätze - schwere Regenfälle und Gewitter lagen förmlich in der Luft, erklärt Andreas Wagner von der Unwetterzentrale. So wurden am Mittwoch etwa in Südbaden rekordverdächtige Spitzenwerte von 31 Grad Celsius gemessen. Gleichzeitig war es im Nordwesten Deutschlands viel kühler: Nur 14 Grad wurden auf Sylt gemessen und 16 Grad in Ostfriesland.
Viel Wasser, viele Blitze
Örtlich fielen bis zu 57 Liter pro Quadratmeter binnen weniger Stunden vom Himmel - wie zum Beispiel im nordrheinwestfälischen Nettetal. Das ist zuviel für die Kanalisation - Überschwemmungen sind bei solchen Regenmassen vorprogrammiert, zumal wenn auch noch Laub die Gullys verstopft. Neben zahlreichen Blitzeinschlägen (bis zu 370 Blitzeinschläge binnen 60 Minuten zwischen 22 und 23 Uhr) hat die Unwetterzentrale auch einiges an Sturmböen gemessen: Mit bis zu 87 Kilometern pro Stunde, das ist obere Windstärke 9, sind die Gewitter und Regengüsse entlang der Gewitterfront nach Nordosten gezogen und haben in der Nacht zum Mittwoch auch Südniedersachsen erfasst.
Quelle: dpa / wetter.info