23.03.2006, 19:47 Uhr
In Frankreich hat es am Donnerstag erneut schwere Krawalle gegeben. Hunderte Randalierer lieferten sich nach einer friedlichen Großkundgebung gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes in Paris Straßenschlachten mit der Polizei. Landesweit gingen mindestens 220.000 Menschen auf die Straßen - zumeist Schüler und Studenten. Premierminister Dominique de Villepin will am Freitag mit den Gewerkschaften über die umstrittene Reform sprechen.
Villepin"Keine Kapitulation"
Landesweite Proteste
In Paris standen Autos und ein Geschäft vorübergehend in Flammen. Vermummte bewarfen die Feuerwehr mit Steinen. Es gab mindestens 42 Festnahmen. Die Polizei hatte für die Kundgebung in der Hauptstadt 3000 Beamte mobilisiert. Auch in Orléans und anderen Städten nahm die Polizei mutmaßliche Randalierer fest. In Tours unterbrachen 600 Schüler den Zugverkehr, indem sie die Gleise besetzten. In Marseille kam es am Rande einer Schülerkundgebung zu einer Straßenschlacht zwischen Polizisten und Vermummten, die nicht zur Demonstration gehörten. Mit Tränengas ging die Polizei in Rennes erneut gegen Hunderte von gewalttätigen Krawallmachern vor.
"Totale Kraftprobe"
Mit dem neuen Demonstrationstag suchten Hunderttausende von Studenten und Schülern die "totale Kraftprobe" mit Villepin. Drei Viertel der Universitäten sowie Hunderte von Schulen wurden weiter blockiert oder bestreikt. Etwa hundert Demonstranten besetzten auch die Verwaltungs-Hochschule ENA in Straßburg - eine der Eliteschulen Frankreichs. Solche Proteste habe es "seit Mai 1968 nicht mehr gegeben", sagte der Präsident der Hochschulkonferenz, Yannick Vallée. Für kommenden Dienstag sind erneut landesweite Proteste angekündigt.
Gespräch mit Gewerkschaften und Studenten
Bedrängt von den neuen Protesten hatte Villepin Tarifparteien und Studenten erstmals Gespräche über seine Reform angeboten. Gewerkschaftsführer und der Chef der größten Studentenorganisation Unef, Bruno Julliard, wollen die Einladung des Premiers zwar annehmen. Ernsthafte Verhandlungen wollen sie aber nur führen, solange die umstrittene Reform nicht zurückgenommen ist. Sie sieht eine zweijährige Probezeit für junge Arbeitnehmer vor. In dieser Zeit kann ihnen ohne Begründung gekündigt werden. Villepin lehnt eine Rücknahme seines Gesetzes bisher ab.
Fliegt Villepin?
Villepins Konfrontationskurs stößt auch im Regierungslager auf Kritik, weil negative Folgen für die Wahlen im kommenden Jahr befürchtet werden. "Wenn sich nichts bewegt, wird der Premierminister fliegen", sagte ein Mitglied der Regierung anonym der Zeitung "Le Parisien". Als mögliche Nachfolgerin wird bereits Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie gehandelt.
Quelle: AFP , dpa
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