13.01.2011, 10:26 Uhr
Als Wahlbeobachter im Südsudan: Schauspieler George Clooney (Foto: AP)
Am ersten Tag der Volksabstimmung über einen unabhängigen Südsudan hat sich am Sonntag eine hohe Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bis zum 15. Januar können die Südsudanesen entscheiden, ob sie künftig in einem eigenen Staat leben oder Teil des Sudan bleiben wollen.
In Juba, der Hauptstadt des Südens, bildeten sich vor den Wahllokalen lange Schlangen. Manche Wähler trugen die Flagge der bisher teilautonomen Region um die Schultern geschlungen. Vor den Wahlzentren wurde getrommelt und getanzt.
Hollywood-Star George Clooney, der sich schon seit langem für die westsudanesische Konfliktregion Darfur engagiert, war der wohl prominenteste Wahlbeobachter. Clooney sprach von einem "großartigen Tag für die Welt, an dem ein Land seine Freiheit wählt." Mit dem ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter und dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan verfolgten auch zwei Friedensnobelpreisträger die historische Abstimmung.
Die meisten arabischen Staaten blicken dagegen mit großer Skepsis auf das Referendum. Die regierungsamtliche syrische Zeitung "Al-Thawra" schrieb am Sonntag, mit der Unabhängigkeit des Südens werde der Traum von der arabischen Einheit weiter beschädigt. Die Abspaltung des Südens diene den Interessen Israels und der USA.
Es wird erwartet, dass mit dem Referendum die Unabhängigkeit des mehrheitlich christlichen Südens vom mehrheitlich muslimischen Norden beschlossen wird. Der Norden hat versprochen, eine Loslösung des Südens friedlich zu akzeptieren. Das Referendum ist Teil eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2005. Das Abkommen beendete damals einen zwei Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg, der mehr als zwei Millionen Menschen das Leben kostete.
Der Sudan ist das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent. Die Bewohner des Südens werfen den muslimisch geprägten Norden vor, sich an den südlichen Erdöleinnahmen zu bedienen, ohne in den Süden zu investieren. Der Südsudan zählt zu den ärmsten Regionen der Welt. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist es wahrscheinlicher, dass ein 15-jähriges Mädchen bei der Geburt eines Kindes stirbt, als dass es die Schule beendet.
Die Wahllokale im Südsudan sind bis kommenden Samstag geöffnet. Das Geschehen wird von mehr als 4000 örtlichen und internationalen Beobachtern vor Ort mitverfolgt. Offizielle Ergebnisse des Referendums werden nicht vor Februar erwartet.
Quelle: dpa , dapd
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