01.12.2011, 17:15 Uhr
Nazi-Morde: BKA bittet Bevölkerung um Hilfe Das Bundeskriminalamt informiert über den aktuellen Ermittlungsstand zum Zwickauer Terror-Trio und präsentiert deren Waffen.
Mit einem Fahndungsplakat sucht die Bundesanwaltschaft nach weiteren Hintermännern und Unterstützern der Neonazi-Terrorgruppe "Nationalistischer Untergrund" (NSU). Es sei durchaus denkbar, dass der Gruppe noch weitere Straftaten zuzurechnen seien, sagte Generalbundesanwalt Harald Range. Die Ermittler rechnen auch damit, das es weitere Verflechtungen zwischen dem Netzwerk um die Zwickauer Terrorgruppe und der rechtsextremen NPD gibt.
Am Dienstag war der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben als weiterer mutmaßlicher Unterstützer der NSU in Untersuchungshaft genommen worden. "Wir werden noch weitere Beziehungen zur NPD entdecken", zeigte sich der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, überzeugt. Die Folgerungen daraus müsse jedoch die Politik ziehen, fügte er mit Bezug auf die anhaltende Debatte über ein mögliches NPD-Verbotsverfahren hinzu.
Offenbar fehlen den Behörden noch wichtige Informationen über das Vorgehen des Terrortrios.
Das nun herausgegebene Fahndungsplakat zeigt Fotos der mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Die Ermittler fragen, wer die Personen wo gesehen hat. Abgebildet ist auch das Modell eines Wohnmobils, das von den mutmaßlichen Tätern genutzt worden sein soll. Auf einer Pressekonferenz in Karlsruhe präsentierten die Ermittler zahlreiche Waffen, die bei den Terrortaten zum Einsatz gekommen sein sollen.
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Die Ermittler versuchten zurzeit, die Wege der Terroristen nachzuvollziehen, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Zierke. "Noch gibt es zahlreiche Lücken." Gesucht würden Zeugen, die die Verdächtigen auf Park- oder Campingplätzen gesehen haben oder Angaben über ihren Wohnort machen können. Hinweise nimmt das BKA unter der kostenfreien Rufnummer 0800 - 0130110 entgegen.
Das Trio habe unterschiedliche Namen, falsche Pässe und Bahncards benutzt. Die drei hätten zudem mehrere Wohnungen angemietet - derzeit wisse man von drei Wohnungen im Raum Zwickau. "Dafür hatten sie Helfer und Unterstützer", sagte Ziercke.
Die mutmaßlichen Täter hätten dabei nicht nur im Verborgenen gelebt, sondern auch "am normalen Leben teilgenommen". So hätten sie sich auf Campingplätzen an der Ostsee aufgehalten, mehrere Fahrzeuge und auch Fahrräder angemietet.
Das Bundeskriminalamt habe sich für die öffentliche Fahndung entschieden, weil bislang nur knapp 250 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen seien. Die entscheidenden Hinweise hätten sich bislang aus der Auswertung von rund 2500 Beweisstücken ergeben, die vor allem in der ausgebrannten Wohnung der Terrorzelle gefunden worden seien. Unter diesen Beweisstücken gebe es auch Tatskizzen, aus denen viele Informationen über den möglichen Ablauf der Morde hervorgingen.
Ziercke erklärte, 420 Polizisten seien mit den Ermittlungen befasst. "Ich habe die Länder um weitere Unterstützung gebeten", sagte der BKA-Chef. Er habe 50 weitere Beamte aus den Ländern angefordert und werde "erneut um weitere 50 Beamte bitten müssen". Aus den bisherigen Ermittlungen schließe man, "dass die Terrorzelle eigentlich nichts dem Zufall überlassen wollte".
Neben der 36-jährigen Zschäpe als mutmaßlicher Mitbegründerin der Terrorzelle sind derzeit zwei mutmaßliche Unterstützer der Gruppe inhaftiert, außerdem Ralf W. wegen des Verdacht der Beihilfe zum Mord und zum Mordversuch. Die Gruppierung NSU soll bundesweit für neun Morde an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft in den Jahren 2000 bis 2006, den Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn im April 2007 und zwei Bombenanschläge in Köln 2001 und 2004 verantwortlich sein. Auf das Konto des Trios und seiner Unterstützer gehen offenbar auch mehrere Banküberfälle, mit denen sie ihre Verbrechen finanzierten.
Quelle: AFP , dapd , dpa
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