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Rechtsextremismus: Die blutige Spur des Neonazi-Trios

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Die blutige Spur des Neonazi-Trios

22.11.2011, 15:54 Uhr

Ein Opfer, die Polizisten Michele K., und die beiden männlichen Mitglieder der NSU bei einem Banküberfall (Quelle: dapd)

Ein Opfer, die Polizisten Michele K., und die beiden männlichen Mitglieder der NSU bei einem Banküberfall (Quelle: dapd)

Zehn Tote oder mehr? Immer noch ist unklar, wie viele Opfer auf das Konto des Zwickauer Neonazi-Trios gehen. Das Puzzle fügt sich aber langsam zusammen: Aus Ermittlungsergebnissen, aus einem Bekennervideo von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sowie aus Indizien. Eine Chronologie zur Aufdeckung des Neonazi-Terrors:

Januar 1998: In Jena in Thüringen hebt die Polizei eine Bombenwerkstatt der Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aus. Das Labor war in einer Garage versteckt. Sie findet Rohrbomben und 1,2 Kilogramm des Sprengstoffs TNT sichergestellt. Angeblich ist ein Mitglied des Trios bei der Untersuchung in der Wohnung. Es kann aber nicht festgenommen werden, weil der Haftbefehl erst Tage später ausgestellt wird. Inzwischen sind die drei untergetaucht.

1999: Unbekannte beginnen eine Serie von mindestens 14 Banküberfällen in mehreren ostdeutschen Bundesländern. Es deutet vieles darauf hin, dass es Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos waren.

27. Juli 2000: Ein Sprengsatz explodiert am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn und verletzt zehn Aussiedler. Auch dieser Anschlag könnte auf das Konto der NSU gehen. Die Mehrzahl der Opfer in Düsseldorf waren Juden. Eine damals 26-Jährige verliert bei dem Attentat ihr ungeborenes Kind.

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9. September 2000: In Nürnberg wird ein türkischer Blumenhändler erschossen. Bis April 2006 folgen weitere Morde an sieben Türken und einem Griechen, immer mit derselben tschechischen Waffe. Die Taten werden als Döner-Morde oder Mordserie Bosporus bekannt. Die blutige Spur zieht sich quer durch Deutschland: Zwei weitere Morde ereignen sich in Nürnberg (2001, 2005), zwei in München (2001, 2005), jeweils ein Mord geschieht in Kassel (2006), Hamburg (2001), Rostock (2004) und Dortmund (2006). Teilweise arbeiten allein in der Sonderkommission 160 Beamte an dem Fall, es wird ein Kopfgeld von 300.000 Euro ausgesetzt - ohne Erfolg. Schließlich wird die Tatwaffe in der abgebrannten Wohnung der Neonazis gefunden.

9. Juni 2004: Bei einem Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße werden 22 Menschen verletzt. In der Nähe hat eine Überwachungskamera kurz zuvor zwei Männer aufgenommen. Einer der beiden soll Minuten später vor einem Friseurgeschäft ein Fahrrad abgestellt haben, auf dessen Gepäckträger der Sprengsatz montiert war. Auf einer DVD, die die Polizei in dem ausgebrannten Haus findet, bekennen sich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu dieser Tat.

25. April 2007: In Heilbronn wird eine 22 Jahre alte Polizistin mit einem Kopfschuss getötet. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt, kann sich bis heute an nichts erinnern. Die Dienstpistolen der Polizisten werden schließlich im Wohnwagen des Trios gefunden.

1. November 2011: In Döbeln bei Leipzig wird ein Dönerbuden-Betreiber erschossen. Der Täter kann fliehen.

4. November 2011: Nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach werden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil in einem Vorort gefunden. Im sächsischen Zwickau geht die Wohnung, in der die beiden mutmaßlichen Bankräuber mit Beate Zschäpe gelebt hatten, ebenfalls in Flammen auf - vermutlich von Zschäpe angezündet, um Beweise zu vernichten.

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Montag, 7. November: Unter den Pistolen im Wohnwagen sind die Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn getöteten Polizistin und ihres schwer verletzten Kollegen.

Dienstag, 8. November: Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena. Spekulationen kommen auf, dass die mutmaßlichen Bankräuber eine Verbindung in die Neonazi-Szene gehabt haben könnten. Sie und die verdächtige Frau sollen in Thüringen als rechtsextreme Bombenbauer in Erscheinung getreten sein.

Mittwoch, 9. November: Zschäpe sitzt im Gefängnis und schweigt. Laut Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) hatten die Männer bis 1998 Verbindungen zum rechtsextremen Thüringer Heimatschutz. Polizei und Staatsanwaltschaft in Sachsen machen die Frau zunächst nur für die Explosion des Wohnhauses in Zwickau verantwortlich.

Donnerstag, 10. November: In den Trümmern des Hauses werden weitere Schusswaffen gefunden.

Freitag, 11. November: Der Fall nimmt eine spektakuläre Wende: Unter den Waffen ist die Pistole, mit der zwischen 2000 und 2006 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Abstammung erschossen wurden. Außerdem entdecken Fahnder rechtsextreme Propaganda-Videos mit Bezügen zur Mordserie. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernimmt die Ermittlungen.

Sonntag, 13. November: Die Bundesanwaltschaft geht erstmals ausdrücklich von Rechtsterrorismus aus. Der Bundesgerichtshof erlässt Haftbefehl gegen Zschäpe. Bei Hannover wird Holger G. festgenommen, ein mutmaßlicher Komplize. Unklar ist die Rolle des Verfassungsschutzes. Wie konnten die Rechtsextremen so lange unbehelligt bleiben?

Montag, 14. November: Justizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) fordert, die Strukturen des Verfassungsschutzes auf den Prüfstand zu stellen.

Donnerstag, 17. November: Der hessische Verfassungsschutz dementiert einen Bericht, ein 2006 suspendierter Mitarbeiter habe einen V-Mann beim rechtsextremen Thüringer Heimatschutz geführt.

Freitag, 18. November: Die Terrorzelle ist vermutlich größer als bekannt. Bei einem Krisengipfel in Berlin vereinbaren Bund und Länder unter anderem eine neue Zentraldatei mit Daten über Rechtsextreme und ein "gemeinsames Abwehrzentrum Rechts". BKA und Verfassungsschutz sollen besser verzahnt werden. Auch ein neuer Anlauf für ein NPD-Verbot soll geprüft werden.

Sonntag, 20. November: Leutheusser-Schnarrenberger kündigt an, die Angehörigen der Neonazi-Mordopfer zu entschädigen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) spricht angesichts der Fahndungspannen von "kläglichem Versagen".

Montag, 21. November: Innenminister Friedrich teilt nach der Sitzung des Bundestags-Innenausschusses mit, es gebe in dem Fall mittlerweile ein Dutzend Verdächtige und Beschuldigte. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, berichtete im selben Gremium nach Teilnehmer-Angaben mit Blick auf den Mord an der Polizistin von einer möglichen Beziehungstat. Es soll Bezüge zwischen der aus Thüringen stammenden Polizistin und der Zwickauer Zelle geben.


Quelle: t-online.de

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