
09.06.2011, 15:16 Uhr
Die europäische Raumsonde "Mars Express" hat spektakuläre Bilder vom eisigen Frühling am Südpol des Roten Planeten gesendet: Eine hoch auflösende Stereo-Kamera lieferte äußerst detailreiche Aufnahmen, mit denen einige Geheimnisse des Nachbarplaneten gelüftet werden konnten.
So sei auf den Fotos eine rund 500 Meter dicke Eisschicht zu sehen, teilweise sei das Eis von dunklem Staub bedeckt, teilte die europäische Raumfahrtagentur ESA mit. Sogar zahlreiche Dünen und Krater seien erkennbar. Einige der Dünen verliefen erstaunlich parallel - ihre Entstehung könnte Rückschlüsse auf die vorherrschenden Winde erlauben.
Die Sonde hatte bereits am 15. Januar 2011 die südliche Hemisphäre des Mars überflogen und dabei Aufnahmen von der Region Ulyxis Rupes gemacht. Es handelt sich um einen Steilhang in den hohen Breiten des südlichen Mars-Hochlandes, der sich über eine Länge von rund 390 Kilometern erstreckt. Aus den Bildinformationen können die Forscher jetzt ein digitales Geländemodell der Marsoberfläche ableiten.
Die erkennbaren Oberflächenstrukturen liefern auch Hinweise auf die vorherrschenden, teils sehr komplexen Windströmungen in dieser Region. Die Winde verlaufen parallel zu den sich bildenden Dünen. Zusätzlich treten noch Windwirbel oder senkrechte Luftströmungen auf, welche lockeres Material aus den Dünentälern in Richtung der Dünenkämme befördern. Für die Wissenschaftler ist klar: Hier weht es in nordwestliche Richtung.
Auf den Aufnahmen sind außerdem zahlreiche halbkreisförmige Steilhänge zu sehen. Wechsellagerungen aus hellen Eisschichten und dunklen Sedimentschichten lassen sich erkennen. Die halbkreisartige Form lässt sich vermutlich auf darunter lagernde Krater zurückführen. Die Steilhänge bewirken außerdem eine Terrassierung der abgelagerten Schichten, welche von Süden nach Norden abnimmt.
Mit zunehmender Entfernung vom Südpol sind größere zusammenhängende Eisvorkommen nur noch im Inneren von Kratern erhalten. Es fällt auf, dass sich das Eis nicht in deren Zentrum befindet, sondern näher an den Nordwänden der Krater platziert ist. Dieser Effekt sei auf die aus nördlicher Richtung einstrahlende Sonne zurückzuführen, so die Forscher. Dadurch erwärmten sich die Südhänge deutlich stärker, das Eis schmilzt allmählich ab.
"Mars Express" soll grundlegende Fragestellungen zur Geologie, Atmosphäre, Oberflächenbeschaffenheit und zur Geschichte des Wassers auf dem Mars beantworten und damit einen Beitrag bei der Suche nach möglichem Leben auf dem Mars leisten.
Die Mission ist die erste Mission der ESA zu einem anderen Planeten im Sonnensystem und basiert auf der Technologie der fehlgeschlagenen russischen Mars96-Mission und der ESA-Mission Rosetta. Der Name "Mars Express" spielt auf die kurze Entwicklungszeit, die geringen Kosten im Vergleich zu ähnlichen Tiefraummissionen und die geringe Transfer-Dauer zum Mars an.
Quelle: t-online.de , dpa
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