08.07.2005, 13:36 Uhr
Mit dem Start der Raumfähre "Discovery" steht nicht nur das Prestige der US-Raumfahrtbehörde Nasa auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms der USA. Mehr als zweieinhalb Jahre nach der "Columbia"-Tragödie, bei der alle sieben Astronauten ums Leben kamen, soll jetzt erstmals wieder ein Shuttle abheben. Der Start ist für Mittwoch um 21.51 Uhr vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida geplant, Wetterexperten blicken dem Termin optimistisch entgegen.
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Nachfolger
Ein Frankfurter will wieder ins All
Aber auch für die Europäer - und allen voran einen Deutschen - wird es spannend. Wenn es am Mittwoch in Cape Canaveral "Go Discovery!" heißt und auf dem Flug alles klar geht, dann kann sich der Frankfurter Thomas Reiter (47) - Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation Esa - auf seine baldige Shuttle-Premiere freuen. Reiter steht bei der nächsten Reise auf der Nasa-Passagierliste. Schließlich hat er seit 2001 im Europäischen Astronautenzentrum in Köln-Porz für einen Langzeiteinsatz auf der Internationalen Raumstation ISS trainiert. Er fiebert seinem Flug entgegen. Reiter sammelte auf der russischen Raumstation Mir bereits große Weltraumerfahrung.
ISS und Hubble abhängig von Missions-Erfolg
Und für noch etwas ist der Fähren-Start von enormer Bedeutung: Mit seinem Verlauf steht und fällt der Ausbau der Internationalen Raumstation ISS. "Ein Erfolg der Shuttle-Mission wird die Zukunft der ISS sichern, denn allein die Raumfähren können neue Module aus den USA, Europa und Japan für den weiteren Aufbau zu der Station bringen", setzt die Esa in Paris auf eine reibungslose Wiederaufnahme der Flüge. Auch das Schicksal des alternden Weltraumteleskops Hubble hängt davon ab. Das von technischen Macken befallene Weltraumauge ist reparaturbedürftig und auf ein Technikerteam angewiesen.
Hintergrund
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"Erhebliche Risiken"
Die Nasa hat die Raumfähren seit dem Columbia-Unglück umfangreich überholt, 41 große Veränderungen vorgenommen und den riesigen Treibstofftank völlig neu konzipiert. Davon waren damals beim Start Schaumstoffteile abgesprungen, die die Hitzekacheln am linken Tragflügel beschädigten. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre strömten dadurch heiße Gase ins Innere, verglühten Kabel und Leitungen und ließen die Fähre 60 Kilometer über Texas auseinander brechen. Dennoch sind die Risiken nicht völlig ausgeräumt. "Ein Shuttle zu fliegen enthält erhebliche Risiken, und das wird auch so bleiben", sagte Nasa-Direktor Michael Griffin.
Rolle rückwärts
Erstmals in der Shuttle-Geschichte wollen die Astronauten schon während des Flugs Beschädigungen mit einem auf 15 Meter verlängerten Roboterarm und daran montierten Kameras inspizieren. Vor dem Andocken an der Raumstation am Freitag um 18.27 Uhr MESZ soll die Discovery eine Art Rolle rückwärts einlegen, damit die beiden Bewohner der Station Fotos von der Unterseite machen können. Die Astronauten haben auch Flickzeug dabei, darunter Kittspachtel und Klebematerial. Allerdings muss das Material erst unter Weltraumbedingungen getestet werden. Sollten tatsächlich Schäden festgestellt werden, würden die Astronauten in der ISS bleiben und mit der Atlantis zur Erde zurückgeholt.
Am Himmel über Deutschland
"Discovery“ soll nach seinem Start auch am Himmel über Deutschland, Österreich und der Schweiz sichtbar sein. Wie Werner Walter vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (CENAP) in Mannheim mitteilte, können die Menschen den Nasa-Raumgleiter gegen 22.10 Uhr unserer Zeit aus dem Westen erscheinen sehen. Das "hell leuchtende, ungewohnte Flugobjekt“ soll dann um 22.14 Uhr gegen Osten verschwinden. Bei klarem Himmel könnten Himmelsgucker dann mit Ferngläsern, Teleskopen oder guten Zoom-Fotoapparaten den Überflug des Shuttle beobachten.
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Quelle: dpa
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