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Racheakt von Neonazi immer unwahrscheinlicher

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Racheakt von Neonazi immer unwahrscheinlicher

25.01.2009, 18:28 Uhr | Von Ulf Vogler, dpa

Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl (Quelle: dpa) Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl (Quelle: dpa)

Sechs Wochen nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl tappen die Ermittler völlig im Dunkeln. Diesen Schluss lässt die jüngste Mitteilung des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) zu. Denn während die Fahnder einerseits betonen, dass die Ermittlungen "weiter auf Hochtouren" liefen und bereits "mehr als 470 Hinweise" eingegangen seien, wurde andererseits die Belohnung kurzerhand auf 20.000 Euro vervierfacht.

Sollte unter den Hinweisen auch nur eine heiße Spur sein, bräuchte die 50-köpfige Sonderkommission nicht die Belohnung zu erhöhen. Eine Fangprämie in dieser Höhe wird vom LKA nur sehr selten ausgelobt.

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Phantombilder werden nicht mehr verwendet

Noch ungewöhnlicher ist, dass die Ermittler nach gut einem Monat die Fahndung nach einer fünfköpfigen Gruppe von möglichen Komplizen für erledigt erklärt haben. Die Soko hatte zunächst aufgrund von Zeugenangaben Zeichnungen mit zwei auffälligen Tätowierungen sowie zwei Porträts veröffentlicht. "Es fallen alle Phantombilder raus, es bleibt nur noch die Beschreibung vom Opfer selbst", erklärte LKA-Sprecher Karl-Heinz Segerer.

Vage Täterbeschreibung

Mit der Rücknahme der Fahndung hat das LKA auch den Spekulationen neuen Auftrieb gegeben, dass hinter dem Anschlag auf den 52-jährigen Polizeidirektor doch kein Neonazi steckt - wie zunächst vermutet. Laut Mannichl hatte der Täter "viele Grüße vom nationalen Widerstand" ausgerichtet. Zudem wurden drei der ehemals gesuchten Männer mehr oder weniger als Skinheads beschrieben, mit Glatze, Fliegerjacke und Springerstiefeln. Nun bleibt noch die vage Täterbeschreibung, die der schwer verletzte Polizist seinen Kollegen diktierte: Mann, 1,90 Meter groß, Glatze oder kurze Haare, Leberfleck oder Tätowierung am Hals, Dialekt.

Beziehungstat nicht mehr ausgeschlossen

Die Theorie, dass es sich um einen Racheakt von Rechtsextremisten handelt, wird auf jeden Fall immer unwahrscheinlicher, nicht nur weil die Fahnder mehrere Verdächtige aus der rechten Szene laufen lassen mussten. Eine Beziehungstat ist wiederum nicht mehr ausgeschlossen. Mannichl wies zwar alle Verdächtigungen gegen seine Familienmitglieder empört zurück, bei den Ermittlern heißt es aber schlicht: "Wir ermitteln in alle Richtungen."

Glaubwürdigkeit des Opfers wird angezweifelt

Mittlerweile wird auch immer offener die Glaubwürdigkeit Mannichls angezweifelt. Nach Berichten soll er den Unbekannten mit dem im Bauch steckenden Messer noch bis auf die Straße vor seinem Reihenhaus in Fürstenzell verfolgt haben, dann sei er zurückgegangen und habe sich das Küchenmesser selbst herausgezogen. Diese Version steht in gewissem Widerspruch zu früheren Erklärungen des Beamten, wonach "sich alles in Bruchteilen von Sekunden abgespielt" habe. Die Soko "Fürstenzell" will zu solchen Details nichts sagen.

Angaben kommen auf den Prüfstand

"Jede Woche schreiben die Zeitungen was anderes, und wenn wir dann zu jeder Berichterstattung unseren Kommentar abgeben, dann kommen wir total in den Wald rein", meint LKA-Mann Christian Wacker. Eingeräumt hat das LKA allerdings, dass Spezialisten den Stich rekonstruieren können, um so Rückschlüsse auf den Ablauf des Verbrechens und den Täter zu ziehen. Solch ein Gutachten zu der Verletzung sei reine Routine, beschwichtigen die Fahnder. Gleichzeitig kommen damit aber natürlich auch die Angaben Mannichls auf den Prüfstand.

Wirrwarr zum Teil selbst verursacht

Den anhaltenden Wirrwarr um den Fall haben die Ermittler so oder so zum Teil selbst verursacht. Eigentlich hatte das LKA mit der Übernahme des Falls Ruhe in die Ermittlungen bringen wollen. Dazu wurde die Zahl der Verlautbarungen drastisch reduziert: Während die Passauer Polizei in den ersten zwei Wochen 17 Pressemitteilungen herausgab, hat sich das seitdem zuständige LKA in fast einem Monat nur noch zweimal offiziell geäußert.

Kann der Fall überhaupt aufgeklärt werden?

Doch diese beiden Mitteilungen hatten Brisanz, offenbarten sie doch gewisse Ermittlungsmängel der Kripo aus Passau. Zunächst teilten die LKA-Fahnder mit, dass das Umfeld von Mannichls Haus erst rund drei Wochen nach der Tat genau nach Spuren abgesucht wurde; und nun wurden die nach und nach veröffentlichen Fahndungsbilder auf einen Schlag zurückgezogen. Viele Beobachter fragen sich mittlerweile, ob der Fall Mannichl überhaupt jemals geklärt werden kann.


Von Ulf Vogler, dpa  

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