24.01.2012, 12:11 Uhr | Ein Kommentar von Sergej Sumlenny
Wladimir Putin: Wie werden die Russen einst im Rückblick über ihn denken? (Quelle: Michael Kooiman)
Ohne Zweifel wird Wladimir Putin zum nächsten Präsidenten Russlands. In die Geschichte wird er allerdings nicht mehr als Russlands Adenauer eingehen. Die Bürger werden sich andere Namen für ihn einfallen lassen.
Niemand zweifelt in Russland: Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen am 4. März ist glasklar, noch bevor die endgültige Liste der Kandidaten veröffentlicht ist. Wladimir Putindie Wahlen klar in erster Runde gewinnen, mit einem Ergebnis von über 50 Prozent der Stimmen. Auch wenn sein Rückhalt in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren dramatisch geschrumpft ist (von 60 Prozent 2008 auf 38 Prozent, so eine Umfrage im Dezember 2011), hat er wichtige Freunde.
Etwa Wladimir Tschurow aus KGB-Zeiten, der sein Bestes tun wird, dass das richtige Wahlergebnis herauskommen wird. Unter Tschurows Leitung hat die Regierungspartei "Vereinigtes Russland" bei Parlamentswahlen im Dezember 99,5 Prozent der Stimmen in Tschetschenien erhalten, bei einer Wahlbeteiligung von 99,4 Prozent. In den Militäreinheiten, Gefängnissen und psychiatrischen Krankenhäusern im ganzen Lande erreichte Putins Partei ähnlich stolze Ergebnisse. Tschurow wurde für seinen Job gelobt (der scheidende Präsident Medwedew nannte ihn "Zauberer") und bleibt an der Spitze der Wahlkommission.
Genauso unausweichlich wie Putins Sieg ist aber auch, dass die Wahlen im März das Ende der absoluten Stabilität seiner Regierung sein werden. Der Rückgang der Kriminalität, steigende Löhne, billige Kredite und die möglichen Urlaube in Ägypten und der Türkei - all das war jahrelang das beste Argument gegen die Opposition. "Wir geben euch Geld, die Opposition spricht nur vage von Freiheit": Das war die Argumentation der Regierung.
Die Wirtschaftskrise hat Russlands Konsumrausch abgebremst und die Korruption im Verwaltungsapparat die Situation verändert. Es hilft nichts mehr, sich zwar ein neues Auto auf Kredit kaufen zu können, wenn die Straßen ständig verstopft sind und jeder Beamte einfach ein Blaulicht aufsetzt und den Stau verschlimmert. Was nutzt ein rund um die Uhr geöffnetes Kaufhaus, wenn für dessen Bau eine Schule abgerissen werden muss, nur damit der Neffe eines Beamten ein gutes Geschäft macht?
Die Demonstrationen in Moskau Ende des vergangenen Jahres waren das erste Aufflackern der russischen Wutbürger. Diese hatten bis zuletzt darauf gehofft, dass Putin nicht für eine dritte Amtszeit kandidiert. Die Hoffnung auf Fortschritt, auf langsame aber sichere Entwicklung des politischen Systems wurde damit auf einen Schlag vernichtet. Die Mittelschicht war bereit, bis 2012 zu warten, dass Putin endlich geht. Niemand ist bereit, dafür bis zum Jahr 2024 in der Schlange zu stehen. Wäre er 2008 gegangen, hätte man ihn als "russischen Adenauer" in Erinnerung behalten und als Vater des Wirtschaftswunders gelobt. Nach der dritten Amtszeit wird man anders über ihn sprechen.
Übersetzung aus dem Englischen
Sergej Sumlenny: Seit 2006 ist er Deutschland-Korrespondent der führenden russischen Wirtschaftszeitschrift "Expert". Zuvor arbeitete Sumlenny als Producer beim ARD-Studio Moskau und als Chefredakteur der Nachrichtensendung "World Business" beim russischem Wirtschaftssender RBC-TV. Im Jahr 2006 wurde er mit dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Der 1980 geborene Journalist ist promovierter Politologe (Akademie der Wissenschaften Russlands) und Germanist, er lebt in Berlin mit seiner Frau und zwei Kindern.
Ein Kommentar von Sergej Sumlenny
Deduschka schrieb:
am 24. Januar 2012 um 20:14:48
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Widerspruch4
Sumlenny ist Deutschlandkorrespondent in Berlin. Seit 2006.
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Alfred schrieb:
am 24. Januar 2012 um 20:12:38
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Putin
Wie sagte Erdgas-Schröder mal als er noch Bundeskanzler war: "Putin, ein lupenreiner Demokrat." Was ja wohl alles über Schröder aussagt.
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Deduschka schrieb:
am 24. Januar 2012 um 19:57:49
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Widerspruch3
Darf man so langweilig über Russland schreiben. Die Wahlen sind überhaupt nicht glasklar . Völlig offen ist wie viel Putin
machen wird . Absolut heiß das Rennen, auch oder gerade wenn nur einer am Start ist. Er läuft sozusagen gegen sich selber.
Die dritte Amtszeit ist ihm ja gegönnt worden, die vierte will aber keiner mehr sehen, das ist der Punkt für die Demonstranten. Überhaupt, welcher Staat ist denn schuldenfrei und wer hat die letzten 20 Jahre auf Pump das Ende des kalten Krieges gefeiert.
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