Nur ein kurzes Vergnügen: Bis zum Umzug wird die Kanzlerin noch verhüllt (Foto: dpa)
Als Karnevalspuppe wird Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Kölner Rosenmontagszug doch nicht splitternackt zu sehen sein. "Es wird noch ein Bikini aufgemalt, so ein brasilianisch kleiner", sagte Zugleiter Christoph Kuckelkorn dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er erklärte, man wolle keine Effekthascherei.
Beim Richtfest des Rosenmontagszuges war die Figur noch nackt präsentiert worden - nur mit zwei kleinen Bundesadlern auf den Brustwarzen, und Kuckelkorn ließ sich daneben fotografieren. Komitee-Sprecherin Sigrid Krebs betonte aber, der entsprechende Festwagen sei schlicht noch nicht fertig. Dass die Figur nicht nackt bleiben würde, sei immer völlig unstrittig gewesen: "Als wir uns für den Wagen entschieden haben, war klar: Die Kanzlerin kriegt was an."
Es entspreche dem Kölner Humorverständnis, dass man bei der Gestaltung der Wagen nicht verletzend werde, betonte Krebs. "Wir stellen niemanden bloß." Der Düsseldorfer Wagenbaumeister Jacques Tilly sah die Veränderung der Figur skeptisch, wie die Zeitung weiter berichtete. "Für diese Darstellung ist der Karneval doch erfunden worden", wurde er zitiert. "Einmal im Jahr darf man ungestraft über die Stränge schlagen." Auch bei der Karnevalsgesellschaft Löstige Höhenhuuser, der der Wagen zugeordnet wurde, hätte man die nackte Kanzlerin locker gesehen, wie deren Präsident Jupp Decker sagte: "Also mich hätte das wirklich nicht gestört."
Merkels Problemzonen geliftet
Das Thema des aufsehenerregenden Wagens lautet: "Aus alt mach neu - Problemzonenlifting". Problemzonen wie Neuverschuldung und anderer politischer Ballast wurden wegoperiert, übrigbleibt eine geliftete und auf Idealmaße operierte Kanzlerin. Leicht bekleidet war sie auch 2007 bereits im Kölner Karneval zu sehen: Auf dem damaligen Wagen hütete eine Merkel-Figur im schwarz-rot-goldenen Badeanzug die im Reformbecken schwimmenden Monster Mehrwertsteuer und Gesundheitsreform.
Bundeskanzleramt: kein Kommentar
Das Bundeskanzleramt äußerte sich zu der hüllenlosen Darstellung nicht. "Rosenmontagszüge kommentieren wir nicht und haben wir noch nie kommentiert", zitierte der "Express" einen Sprecher.