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Psyche-Experiment "Mars 500" neigt sich dem Ende

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Psyche-Experiment "Mars 500" neigt sich dem Ende

02.11.2011, 18:36 Uhr

Mitglieder der Mars-500-Mission testen die Mars-Anzüge - vor dem Missionsstart Anfang Juni 2010. (Quelle: ESA/IBMP/ Oleg Voloshin)

Mitglieder der Mars-500-Mission testen die Mars-Anzüge - vor dem Missionsstart Anfang Juni 2010. (Quelle: ESA/IBMP/ Oleg Voloshin)

"Mars 500", die erste realistische Vollzeitsimulation einer bemannten Mission zum Mars, geht am 4. November zu Ende. Dann wird die sechsköpfige internationale Crew ihre "interplanetare Reise" beenden und zur Erde zurückkehren - die sie ja eigentlich nie verlassen hat. Am 3. Juni 2010 war die Mission der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) in Moskau gestartet, im Februar 2011 "landeten" drei Besatzungsmitglieder auf dem Mars. Ziel der 520 Tage währenden Mission war, die Auswirkungen auf Körper und Psyche der Astronauten zu testen.

Die ESA berichtet, die Besatzung sei als Team zusammengewachsen und habe Experimente und Routineaufgaben mit großer Disziplin und Präzision ausgeführt - trotz Isolation, künstlicher Verzögerung der Kommunikation und beengter Räumlichkeiten ihres Raumschiffs. Die Luke des Mars-500-"Raumschiffs" wird am Freitag in einer Woche um 11 Uhr geöffnet und live von ESA übertragen. Anschließend folgen einige Tage für medizinische Untersuchungen der Besatzung, bevor sie sich am 8. November bei einer Pressekonferenz zu Wort melden und von ihren Erfahrungen berichten werden.

"Big Brother" war per Videokamera immer dabei

Die Crew bestand aus drei Russen, einem Italiener, einem Franzosen und einem Chinesen. Sie lebten 17 Monate lang auf 180 Quadratmetern, aufgeteilt auf fünf Module, die in einer Halle am Rande von Moskau aufgestellt wurden. Neben dem Raumschiff gab es eine Landefähre und eine dem Mars nachempfundene Landschaft für Außenmissionen. Die simulierte Reise zum Mars dauerte 250 Tage, dann waren 30 Tage Aufenthalt geplant, bevor es auf die 240 Tage dauernde und, wie die ESA sagt, "psychologisch herausforderndere" Rückreise ging. Bei technischen, medizinischen oder psychologischen Problemen waren die Männer auf sich allein gestellt - so, wie es auf einem echten Mars-Flug gewesen wäre. Gleichwohl war "Big Brother" immer da - per Videokamera wurde die Crew genauestens beobachtet.

Experimente halten die Astronauten auf Trab

Zu Beginn waren auch alle mit Begeisterung dabei. 60 Tage nach dem Start des Experiments berichtete Peter Gräf vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum, dass bei den "Marsianern" weder Langeweile noch Einsamkeit eingekehrt seien. Rund 100 Forschungsprojekte wurden durchgeführt. "Das ist gigantisch, wie die Jungs mitmachen", schwärmte Jens Titze von der Universität Erlangen-Nürnberg. Der Mediziner hatte einen Nahrungsplan für die Crew ausgetüftelt. Er wollte überprüfen, welche Auswirkungen der Anteil von Kochsalz im Essen auf den Bluthochdruck hat. Die Besatzung musste auch regelmäßig Urinproben abgeben.

Gefahr, ins Motivationsloch zu fallen

Doch die Erfahrung zeigt, dass die Probanden jederzeit in ein Loch fallen können: Die Motivation könne mit der Routine sinken, sagte Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel, der bei einem ähnlichen Projekt 105 Tage von der Außenwelt isoliert war. Zunächst konnten die Teilnehmer der Mars-500-Mission noch mit den Betreuern sprechen. Aber je weiter die Mission fortschritt und das Raumschiff sich sozusagen dem Mars näherte, desto länger dauerte es, bis eine Nachricht ankam. Direkter Sprachkontakt war nach 60 Tagen schon nicht mehr möglich.

"Marsianer" vermissen ihre Familien

"Eine Erfahrung, die ich wirklich nicht empfehlen kann", schrieb der italienische Teilnehmer Diego Urbina über Twitter. Rund anderthalb Monate vor dem Ende der Mission dann der Tiefpunkt: "Die Männer wollen endlich ihre Familien und die Sonne sehen", erzählt Peter Gräf. Knapp eineinhalb Jahre nach dem Start von "Mars 500" sehnt sich die Crew nach Kommunikation in Echtzeit. Über kleinste Veränderungen freuen sich die Teilnehmer. "Es ist zwei Grad wärmer geworden", jubelte Urbina bei Twitter.

Geldmangel größtes Hindernis für echte Mission

Die ESA sieht das Experiment als wichtigen Schritt, um die Machbarkeit einer Mars-Mission zu belegen. Zum Roten Planeten wird es aber kaum ein Teilnehmer des Container-Experiments in Wirklichkeit schaffen: Einen echten Mars-Flug werde es nicht vor dem Jahr 2030 geben, sagt der ESA-Vertreter in Russland, Rene Pischel. Dabei seien weniger technische Hürden das Problem. "Die größte Herausforderung ist Geld."

Quelle: ESA, t-online.de, tbo


 

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