20.02.2006, 14:52 Uhr
Ein österreichisches Gericht hat den britischen Historiker David Irving wegen Leugnung des Holocaust schuldig gesprochen. Die Richter befanden den 67-Jährigen am Montag für schuldig, die Existenz der Gaskammern im Todeslager Auschwitz abgestritten zu haben und verurteilten ihn zu drei Jahren Gefängnis. Irving kündigte Berufung an.
"Ein begehrlicher Geschichtsfälscher"
Irving hatte sich schuldig bekannt, Naziverbrechen geleugnet zu haben. Vor einem Schwurgericht in Wien räumte der 67-Jährige am Montag ein, 1989 bei Vorträgen vor Rechtsradikalen in Österreich die Existenz von Gaskammern in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern bestritten zu haben. Gleichzeitig wies er aber zurück, ein Holocaust-Leugner zu sein. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete Irving dagegen als "einen begehrlichen Geschichtsfälscher".
"Methodische Formfehler"
"Ich habe meine Ansichten geändert", beteuerte Irving zum Auftakt des Prozesses. Er habe dazugelernt und eingesehen, dass seine damaligen Äußerungen "falsch" waren - unter anderem nach der Entdeckung von Aufzeichnungen des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann. Gleichzeitig verteidigte er einige seiner früheren Äußerungen - etwa die, die Entdeckung von 100.000 Auschwitz-Überlebenden sei ein Anzeichen dafür, dass es in dem Todeslager keine Gaskammern gegeben habe. Das sei keine Holocaust-Leugnung, es gehe dabei lediglich um Einzelheiten der Geschichte. Heute würde er das jedoch nicht mehr so sagen. Er habe seinerzeit einen "methodischen Formfehler" begangen. "Ich bin kein Holocaust-Leugner", beteuerte Irving. Zu seinem Ausspruch, Auschwitz sei "ein Disneyland für Touristen" stehe er hingegen bis heute.
Anklage: Irving ist Geschichtsfälscher
Staatsanwalt Michael Klackl warf Irving vor, immer wieder von "Gaskammern-Märchen" und einer "Gaskammern-Lüge" gesprochen zu haben. Der Brite sei "alles andere als ein Historiker", nämlich ein "Geschichtsfälscher". Sein Bestreben sei es, eine neue Geschichte zu erzählen und sein eigenes Geschichtsbild zu verbreiten. Irving hatte 1989 bei Vorträgen in Österreich unter anderem behauptet, Adolf Hitler habe "seine schützenden Hände über die Juden gehalten" und die Novemberpogrome der so genannten Reichskristallnacht seien von "Unbekannten" verübt worden, die sich als SA-Männer verkleidet hätten.
In Österreich festgenommen
Die Leugnung des Holocaust steht in Österreich wie auch in Deutschland unter Strafe. Der Brite war im vergangenen November bei einer Straßenkontrolle in Österreich festgenommen worden, wo seit 1989 ein Strafbefehl gegen ihn wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung vorlag.
Mehrfach verurteilt
Irving errang in den vergangenen Jahrzehnten weltweit zweifelhafte Berühmtheit mit seinen Büchern und Äußerungen. So behauptete er, Hitler sei nicht am Judenmord beteiligt gewesen, die Zahl der unter den Nazis getöteten Juden sei schwer übertrieben und die im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz zu besichtigenden Gaskammern zur Vernichtung von Juden seien erst "nach dem Krieg von den Polen" gebaut worden. Der Brite wurde bereits mehrmals von Gerichten verurteilt - unter anderem in seiner Heimat und in Deutschland. Er hat in zahlreichen Ländern der Welt Einreiseverbot.
Quelle: dpa , AFP
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