09.02.2011, 20:23 Uhr
Jörg Kachelmann wurde heute von einem Gutachter entlastet (Foto: dapd)
Im Prozess gegen Jörg Kachelmann hat die Aussage eines Rechtsmediziners den Fernsehmoderator entlastet. Dabei ging es um Spuren an dem Messer, das Kachelmann laut Anklage seiner ehemaligen Geliebten an den Hals gedrückt haben soll. Der Heidelberger Rechtsmediziner Rainer Mattern sagte, dass deutlichere Spuren von Hautpartikeln an der Klinge zu erwarten gewesen wären. "Das kann man als Widerspruch darstellen", so Mattern auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft.
Aber nicht nur die Entstehung der Halsverletzungen ist umstritten, sondern auch die Blutergüsse an den Beinen des mutmaßlichen Opfers. Mattern hält es für möglich, dass die großen Hämatome durch Kniestöße entstanden. Verteidiger Schwenn mutmaßte, dass es sich dabei um Selbstverletzungen handeln könnte, bei denen wiederholt auf die selbe Stelle geschlagen wurde. Dadurch können Gewebeveränderungen entstehen, die eine Hämatombildung verstärken.
Am 27. Verhandlungstag gab es eine weitere Überraschung: Die Ex-Freundin Kachelmanns hatte zuvor ausgesagt, sie habe in der Nacht zunächst aufgeräumt, das Messer aufgehoben und wieder zurückgelegt. Jetzt wurde bekannt, dass der bereits vernommene DNA-Spezialist des Landeskriminalamts Gerhard Bäßler von dem Anfassen des Messers durch die Nebenklägerin nichts wusste. Das teilte er jedenfalls inzwischen der Strafkammer mit. Möglicherweise wird der Spezialist nun erneut vernommen.
Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn warf der Kammer vor, ihn nicht über den Anruf des LKA-Spezialisten informiert zu haben. Richter Joachim Bock wies Schwenn darauf hin, dass er ihm nach seinem Urlaub die Akte zur Einsicht gegeben habe. Wenn er den Aktenvermerk übersehen habe, sei das nicht die Schuld des Gerichts.
Im Prozess sollte auch die Journalistin Alice Schwarzer vernommen werden. Sie verweigert bislang allerdings die Aussage und berief sich dabei auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht als Journalistin. Dies diene dem Schutz ihrer Informanten, sagte Schwarzer vor dem Landgericht Mannheim. Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn wollte Schwarzer zu ihren Kontakten zu dem Therapeuten der Ex-Geliebten befragen.
Schwarzer berichtet für die "Bild"-Zeitung über das Verfahren gegen den Wettermoderator. Dort hatte sie zuletzt schwere Vorwürfe gegen Schwenn erhoben: Er investiere "sehr viel Arbeit, um alle in diesem Gerichtssaal, die nicht plakativ die Unschuld des der Vergewaltigung Angeklagten propagieren, hemmungslos zu diffamieren", schrieb Schwarzer.
Am vergangenen Donnerstag hatte Schwenn überraschend beantragt, Schwarzer als Zeugin zu vernehmen. Sie musste daraufhin den Gerichtssaal verlassen.
Schwarzer hatte auch die Verhandlungsführung des Gerichts kritisiert: Kachelmanns Anwalt sei es gelungen, den Saal "innerhalb weniger Wochen in einen Rummelplatz zu verwandeln". In dieser Jahrmarkt-Stimmung sei es nur folgerichtig, "dass das Pro-Kachelmann-Stammpublikum die Richter ausbuht, wenn ihm etwas nicht passt", berichtete die Feministin. Inmitten des Rummels wirke das Gericht "fast hilflos".
Kachelmanns Ex-Geliebte, eine 37 Jahre alte Radiomoderatorin, beschuldigt ihn, sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der 52-jährige Schweizer bestreitet dies.
Quelle: dapd , dpa
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