Prozess gegen Oppositionelle in Teheran geht weiter
25.08.2009, 15:16 Uhr
Der frühere iranische Regierungssprecher Abdollah Ramezanzadeh (l.) ist gemeinsam mit anderen Oppositionellen in einem Massenprozess in Teheran angeklagt (Foto: dpa)
Führende Mitglieder der iranischen Opposition gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad stehen erneut vor Gericht. Am vierten Verhandlungstag des umstrittenen Prozesses werden mehrere Gefolgsleute des früheren reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami vernommen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur IRNA.
Darunter sind mehrere ehemalige Regierungsmitglieder wie die Ex-Vizeminister für Äußeres und Inneres, Mohsen Aminsadeh und Mustafa Tadschsadeh.
"Revolution gegen das islamische System"
Insgesamt sind in dem von der Opposition als Schauprozess gebrandmarkten Verfahren mehr als 100 Oppositionelle angeklagt. Die Anklage beschuldigt sie, sie hätten eine Revolution gegen das islamische System im Iran anzetteln wollen. Die Angeklagten hatten sich nach der umstrittenen Wiederwahl des erzkonservativen Präsidenten Ahmadinedschad am 12. Juni an Demonstrationen beteiligt und der Regierung Wahlfälschung vorgeworfen. Bei den Unruhen mit zehntausenden Beteiligten wurden mindestens 20 Menschen getötet.
Auch junge Französin angeklagt
Unter den Angeklagten ist auch die französische Sprachlehrerin Clotilde Reiss. Die 24-Jährige wird der Spionage bezichtigt. "Es bleibt dem Richter überlassen, über Haftstrafe, Freilassung oder Geldstrafe zu entscheiden", sagte der iranische Botschafter in Paris, Ali Ahani, der Zeitung "Le Parisien". Die junge Uni-Dozentin hatte unter anderem in E-Mails über die Proteste berichtet und hatte selbst demonstriert. Sie ist gegen Kaution auf freiem Fuß, darf aber bis zu einem Urteil das Land nicht verlassen.