
28.04.2011, 11:42 Uhr | Von Jan Henne, FTD
"Schlampen sagen Ja" und "Schlampen-Stolz" steht auf den Plakaten der ersten Protestbewegung in Toronto (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
In Toronto, Kanada, hatte ein Polizist eine Idee: Um Vergewaltigungen zu vermeiden, sollten sich Frauen nicht "wie Schlampen anziehen". Aus Protest gehen die jetzt auf die Straße - weltweit, und bald auch in Europa.
Sie stecken in Netzstrümpfen, Miniröcken und High Heels. Manche stöckeln nur in Unterwäsche durch die Straßen. Sie sehen aus wie Schlampen, und sie haben kein Problem sich selbst als solche zu bezeichnen. Auf den Bannern, die sie mit sich tragen, steht "Slut Pride", "Proud Slut" oder "We're taking slut back". Wir befinden uns auf einem sogenannten Slut Walk, auf einem Schlampenmarsch. Die freizügig demonstrierenden Frauen sind Teil einer Protestwelle, die sich in Kanada formierte, sich mithilfe des Internets in den USA ausbreitete und nun auch über den Atlantik schwappt.
Auch wenn ihr Anblick mitunter belustigend wirken mag, das Anliegen der Demonstrantinnen ist ernst: Sie protestieren gegen das alte Sexisten-Vorurteil, nach dem Opfer von Vergewaltigungen an der Tat selbst schuld seien. Weil sie die ja irgendwie herausgefordert hätten. Denke von anno Zopf, sicher, der Aufruhr hat allerdings einen recht gegenwärtigen Anlass.
Als Polizist Michael Sanguinetti am 24. Januar einen Vortrag an der York University in Toronto hielt, schwante ihm zwar, dass sein Ratschlag nicht bei jedem Anklang finden würde. Aber er konnte kaum ahnen, mit einem einzigen Satz eine globale Protestbewegung auszulösen. "Ich sollte das nicht sagen", hob er an, "aber um sich vor sexuellem Missbrauch zu schützen, sollten es Frauen vermeiden, sich wie Schlampen anzuziehen."
Mit diesem Zitat fand sich der Constable schließlich in der Studentenzeitung wieder. Trotz schriftlicher Entschuldigung, sein missglückter Vorschlag zur Vergewaltigungsprävention war in der Welt und blieb da. Der Polizeichef drückte Sanguinetti eine Fortbildung aufs Auge und erklärte öffentlich: "Wenn dieses archaische Denken noch immer bei meinen Polizisten existiert, ist es notwendig, sie zu schulen und für die Realität der Opfer zu sensibilisieren."
Damit wollten Sonya Barnett, Sexualkünstlerin, und Heather Jarvis, Sozialarbeiterin, Torontos Polizei aber nicht davonkommen lassen. Die beiden ließ das Thema nicht mehr los: Für sie war Sanguinettis Rat kein verbaler Ausrutscher, sondern ein Spiegelbild der allgemeinen Wahrnehmung von Vergewaltigungen. Und deswegen dachten sie sich die Slut Walks aus.
"Whatever we wear, wherever we go, yes means yes, and no means no", ertönte es erstmals am 3. April in den Straßen Torontos. Rund 2000 Unterstützer waren erschienen und marschierten auf hohen Absätzen in Richtung Polizeihauptquartier. "Wir tragen unsere Frustration auf die Straße", erklären die Gründerinnen auf ihrer Website Slutwalktoronto.com. "Wir hatten genug", sagte Jarvis der Onlinezeitung Huffington Post. "Es geht nicht bloß um diesen einen Polizisten, der den Opfern die Schuld zuweist. Es geht darum das System zu ändern." Es geht darum, den Begriff "Slut" für sich zu vereinnahmen und ihn so als Schimpfwort unbrauchbar zu machen.
Deshalb versuchen sie übers Internet Unternehmen, Organisationen oder Künstler für ihre Sache zu gewinnen, über Twitter und Facebook wird für die nächsten Monate zu Slut Walks aufgerufen - und dem Ruf wird gefolgt. Die Demos finden längst nicht mehr nur in Kanada statt, auch in US-Städten von Seattle bis Orlando gehen die Frauen auf die Straße. In Boston haben via Facebook bereits über 2000 Menschen für den anstehenden Slut Walk am 7. Mai zugesagt, in Australien und Neuseeland stehen Schlampenmärsche im Juni an, und mit Amsterdam wird am 4. Juni auch die erste europäische Metropole ihren Slut Walk erleben. Nein, Michael Sanguinetti hätte das wirklich nicht sagen sollen.
Quelle: Financial Times Deutschland
Nemo schrieb:
am 28. April 2011 um 12:41:44
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ensetzt
wie können die kommentatoren hier nur derart herzlos sein, selbst wenn eine Frau oder ein Mann nackt durch die gegend läuft ist das
wohl keine entschuldigung ihn oder sie zu vergewaltigen oder zu belästigen. Was die leute hier schreiben offenbart nur einmal mehr wie kalt und eingeschränckt die Menschliche Moral in diesem Land ist und "Gast" wenn ich sie irgendwann treffen sollte und sie erregen mich, werde ich meinen Trieben einfach freien lauf lassen, laut ihrer Aussage ist das ja okay...
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@ Student schrieb:
am 28. April 2011 um 12:40:24
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Warum glaubt der mensch sich über die Tiere/Natur erheben zu können?
Und sowas will ein Student sein.^^ Natürlich sind menschen nciht
besser als Tiere schließlich sind Menschen ja auch Tiere. Kinder dieser Erde, Geschöpfe von Mutter Natur, Säugetiere halt. Und als solche ganz genau wie alle anderen irgendwelchen trieben unterworfen die uns bestimmen und Steuern und das der Verstand da kaum Einfluß hat beweißt die Menschheit jeden Tag aufs neue. Im gegenteil wir sollten unseren verstand endlich mal dazu nutzen dies einzusehn und zu akzeptieren, dann daraus was zu
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Lilli schrieb:
am 28. April 2011 um 12:39:09
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@ karl-heinz
Meine volle Zustimmung!
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