Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten >

Proteste in den USA: Der amerikanische Frühling

...

Der amerikanische Frühling

08.10.2011, 14:29 Uhr | Ein Kommentar von Eberhard Lauth

In den USA protestieren die Menschen gegen die wachsende soziale Ungleichheit (Foto: European)

In den USA protestieren die Menschen gegen die wachsende soziale Ungleichheit (Foto: European)

Wenn die Medien versagen, hilft nur mehr Satire. Und da in den USA die Medien gerne versagen, hilft nur mehr Jon Stewart, der begnadete Medienkritiker. Der nahm sich dieser Woche der Occupy-Wall-Street-Bewegung an, die viele Berichterstatter vor interpretatorische Rätsel stellt - allen voran das Tea-Party-Zentralorgan "Fox News". Dessen Analysen fasste Jon Stewart recht simpel zusammen: "Diese Menschen sind eine lächerliche Truppe unorganisierter und konfuser Nazis."

Nazis also. Oder genauer: Haschisch rauchende Nazis, die sich gegen den Freiheit, Sicherheit und Wohlstand stiftenden Finanzkapitalismus wenden und damit das Land und die Demokratie als Ganzes zerstören wollen. So weit, so amerikanischer Medienalltag. Doch nicht nur in Biotopen, wo Vergleiche mit Kommunisten und Nazis locker von der Lippe gehen, herrscht dieser Tage großes Unverständnis über die Unermüdlichen von Manhattan, deren Parolen mittlerweile bis zur amerikanischen Westküste dringen. "Wir sind die 99 Prozent!", sagen sie. Der Rest, das eine Prozent, steht für jene Banken, die von Washington mit Billionen an Steuergeldern aus der Finanzkrise des Herbstes 2008 gerettet worden sind. Das eine Prozent hat alles. Die 99 Prozent haben im besten Fall schlecht bezahlte Jobs, mit denen sie nie und nimmer ihre Studentenkredite zurückzahlen können.

Sind das ausreichende Gründe für eine soziale Revolte? Sicher, aber "die Ziele bleiben unklar", grummelt einer in der "FAZ". Die Bewegung sei doch mittlerweile selbst von Kapitalisten unterwandert, höhnt einer auf "Cicero Online". Und überhaupt sind es ja nur ein paar Tausend Leute, nicht der Rede wert, sollen lieber was arbeiten.

Ignoranz kann auch verschwinden

Diese Ignoranz im Umgang mit dezentral organisierten Protestbewegungen ist nicht neu - aber sie kann auch weggehen. Sie war im Herbst 2009 in Österreich zu beobachten, als die #unibrennt-Protestbewegung an den üblichen medialen Multiplikatoren vorbei an Fahrt aufnahm. Und nur ein gutes Jahr später sahen viele euphorisiert zu, wie zwei dezentral organisierte Protestbewegungen den politischen Umsturz in Tunesien und Ägypten herbeiführten.

Keine Ahnung, ob Lawrence Lessigs Traum vom "Amerikanischen Frühling" berechtigt ist. Doch er ist verständlich, denn der US-amerikanische Professor für Rechtswissenschaften an der Harvard Law School stellt die richtigen Fragen, anstatt darüber zu sinnieren, ob eine Protestbewegung ohne Leitwolf überhaupt Bedeutung haben kann. Er fragt, woher der Frust und die Enttäuschung der 99 Prozent kommen und wird schnell bei der immer ungerechteren Verteilung von Geld und Wohlstand innerhalb der amerikanischen Gesellschaft fündig.

Die doch nicht so schöne neue Welt

Die Freiheit des Marktes, an die Spitze getrieben durch die Deregulierung der internationalen Finanzmärkte, stiftet eben doch keine so schöne neue Welt, wie die Neoliberalen immer glaubten. Vielmehr zeigt sich: Je weiter die Schere bei Einkommen auseinanderklafft, desto mehr entsolidarisiert sich eine Gesellschaft. Und ganz nebenbei wird auch der dringend nötige Wirtschaftsaufschwung gebremst, wie eine Studie der Ökonomen Andrew Berg und Jonathan Ostry zeigt.

Video
Proteste in den USA nehmen zu

Fünftausend Menschen demonstrieren in Mannhatten an der Wallstreet gegen soziale Ungleichheit. Auch Gewerkschaften machen mit. zum Video

Anhand zahlreicher Beispiele haben die beiden errechnet, dass nur eine Volkswirtschaft mit gleichmäßigerer Einkommensverteilung auch mit nachhaltigerem Wachstum rechnen kann. Die ungerechte Verteilung von Vermögen sorgt nur für noch mehr Bruchlinien innerhalb einer Gesellschaft.

Viele dringend nötige öffentlich finanzierte Projekte von Bildung bis Belebung der Konjunktur finden plötzlich keine Mehrheiten mehr, weil die Mehrheit längst der Überzeugung ist, dass diese Ausgaben ohnehin nur der reichen Minderheit zugute kommen. Ein Teufelskreis, in dem - so Berg und Ostry - der Schritt zu sozialen Revolten nur mehr ein kleiner ist.

Dazu kommt, dass Wirtschaftskrisen seit jeher die Umverteilung von unten nach oben fördern. Allerdings stehen wir heute vor einer historisch einzigartigen Situation. Bisher waren Schuldenberge meist die Folge verheerender Kriege – und wurden mit deren Ende gestrichen. Die Schulden von heute stammen nicht aus Kriegen, sondern sind Schulden der Privatwirtschaft. Und statt sie zu erlassen, werden sie verstaatlicht.

Bezahlen werden sie 100 Prozent der Gesellschaft. Schmerzen wird das allerdings nur 99 Prozent. Nicht nur in den Vereinigten Staaten.

Eberhard Lauth ist Journalist und arbeitete viele Jahre als freier Autor und in den Chefredaktionen der österreichischen Magazine WIENER und Seitenblicke Magazin. 2009 gründete er das Meinungsmagazin ZiB21. Eberhard Lauth ist Jahrgang 1974 und lebt und arbeitet in Wien.


Ein Kommentar von Eberhard Lauth  

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Proteste in den USA: Der amerikanische Frühling" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Proteste in den USA: Der amerikanische Frühling" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (16)

zum Forum

Thema: "Proteste in den USA: Der amerikanische Frühling"

selberdenken 68 schrieb: am 8. Oktober 2011 um 17:38:00
(1) (43) Gleichheit und Gerechtigkeit
ist nicht dasselbe. Wer Gleichheit will muss die Gerechtigkeit einschränken. All diesen Protestierern einig
ist, dass sie nicht sagen was sie wollen, sondern nur was nicht. suuuuuuuper!
mehr Kommentar melden

scooterfan schrieb: am 8. Oktober 2011 um 17:37:28
(14) (27) richtig so
die 99 % Bewegung müsste sich auch in Europa starkmachen, Bin Laden war kein Dummer wüsste schon genau warum er in die Tower
flog, da war nämlich die Wall Street drin.
mehr Kommentar melden

Big Bang schrieb: am 8. Oktober 2011 um 17:36:38
(6) (58) Frühling
Man muss diesen Pöbel niederknüppeln , wir leben schliesslich in einer Demokratie wo Meinungsfreiheit verbrieft ist .

Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Perfekte Hosen für Damen
Die neuen Trends von AtelierGS

Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

'Wir sollten jetzt nicht nach Ausreden suchen'
Die deutsche Abwehr wirkt beim Testspiel in der Schweiz meist sehr konfus. (Quelle: imago)

Kein deutscher Abwehr- spieler überzeugt. mehr

"Es wird einsam um Angela Merkel"
Peer Steinbrück (SPD) wirft der Kanzlerin eine schlechte Personalpolitik vor (Quelle: dpa)

Steinbrück: Das macht Kanzlerin falsch. mehr


Anzeigen

Anzeige
Themensuche
Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Glücksspiel
Die aktuellen Lottozahlen
(Foto: dpa)

Lotto 6 aus 49, Spiel 77, Super6 und Eurojackpot. zu den Lottozahlen

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige