Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Wissen > Weltall >

Problem-Satellit beunruhigt Bundesregierung

...

Problem-Satellit beunruhigt Bundesregierung

28.02.2011, 10:58 Uhr | von Christoph Seidler

Grafische Darstellung des "Problemsatelliten "Rosat" (Grafik: AP/NASA)

Grafische Darstellung des "Problemsatelliten "Rosat" (Grafik: AP/NASA)

Der deutsche Satellit "Rosat" taumelt ohne Steuerung durchs All - und steht vor dem Absturz. Nach "Spiegel"-Informationen zeigt eine neue Analyse, dass die Überreste zwischen Oktober und Dezember dieses Jahres auf die Erde prallen könnten. Auch Deutschland liegt auf der Flugbahn.

Wissenschaftlich gesehen, daran besteht kein Zweifel, war das fliegende Observatorium ein Erfolg. Rund 125.000 bis dahin unbekannte Röntgenquellen im All hat der deutsch-britisch-amerikanische Forschungssatellit "Rosat" im Rahmen seiner achteinhalbjährigen Spähkarriere entdeckt. Dazu kommen noch weitere 479 Funde im Extrem-Ultraviolett-Bereich. Mehr als 700 Wissenschaftler generierten aus den gesammelten Daten Tausende Fachpublikationen, zum Teil noch Jahre nach dem Missionsende. So steht es in den Statistiken des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching.

Allerdings gibt es auch weit weniger schmeichelhafte Statistiken zu "Rosat". Und die sorgen aktuell für Debatten in Berlin. Es geht um die Frage, ob der Satellit schon in wenigen Monaten für Schäden auf der Erde sorgen wird. Der Bundesregierung liegt nach Spiegel-Informationen eine Analyse vor, wonach Überreste in einem Zeitfenster von 80 Tagen zwischen Oktober und Dezember 2011 auf die Erde prallen könnten.

"Rosat", einst gebaut unter Führung der Firma Dornier in Friedrichshafen, kann nämlich schon seit längerer Zeit nicht mehr gesteuert werden. Auf seiner Bahn in aktuell 370 Kilometern Höhe gibt es aber noch feinste Reste der Atmosphäre. Deswegen kommt der Flugkörper der Erde immer näher. Ein Absturz ist nur eine Frage der Zeit. Vor allem die optischen Systeme an Bord könnten den furiosen Ritt durch die niedrigeren Schichten der Atmosphäre wohl überstehen - und mit einer Geschwindigkeit von 400 Kilometern pro Stunde auf die Erde krachen.

Verantwortlich dafür ist die große Menge an Glas- und Keramikbauteilen im Inneren des Satelliten. So ist beispielsweise der Werkstoff Zerodur an Bord. In abgewandelter Form kommt dieser im Haushalt bei Ceran-Kochfeldern zum Einsatz. Hitzebeständigkeit gehört zu den wichtigsten Eigenschaften der Verbindung. Bei "Rosat" könnte das nun zum Problem werden.

Im schlechtesten Fall könnte rund die Hälfte des 2,4 Tonnen schweren Satelliten die Erde erreichen. Im besten Fall werde "Rosat" dagegen vollständig in der Atmosphäre verglühen oder ins Meer stürzen, heißt es derzeit in Berlin. Fielen Teile dagegen auf eine Stadt, könnten die Auswirkungen immens sein. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Menschen getroffen werden", sagt Jan Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), hingegen Spiegel Online. "Dagegen ist ein Lottogewinn deutlich wahrscheinlicher."

Und tatsächlich: Ein Blick in die Statistiken des Center for Orbital and Reentry Studies zeigt, dass regelmäßig Schrott-Satelliten auf die Erde stürzen. Größere Probleme sind nicht aktenkundig. Der schwerste unkontrollierte Absturz war das 69 Tonnen schwere "Skylab" der Nasa. Es rumste im Juli 1979 ins australische Niemandsland - weitestgehend folgenlos. Die Kassenwarte der Raumfahrtbehörde mussten nur Finderlohn für ein paar Trümmerstücke in ihren Ausgabenbüchern verbuchen.

Doch was wäre, wenn der Ernstfall eines Absturzes über bewohntem Gebiet nun gerade bei "Rosat" eintritt? Wenn Hightech-Schrott ein Bürohaus in Tokio trifft? Oder die Uferpromenade von Seattle? Oder einen Rentierzüchter in Lappland? Die Wahrscheinlichkeit mag gering sein. Die Folgen, falls doch etwas passiert, wären trotzdem dramatisch. Einer internationalen Vereinbarung zufolge haftet Deutschland für alle Schäden, die weltweit durch einen Absturz entstehen würden.

Gleichzeitig wäre eine Warnung bestenfalls kurz vor dem Einschlag möglich. Das europäische Satellitenzentrum Esoc in Darmstadt verfolgt den Wackelkandidaten made in Germany zwar mit steigender Aufmerksamkeit, je näher er der Erde kommt. Aber der Ort des Aufschlags lässt sich höchstens einige Tage vorher eingrenzen. Auf seiner Bahn überfliegt das ausgediente Röntgenobservatorium übrigens auch Deutschland.

Neue Mission soll Müllabfuhr fürs All bringen - irgendwann

Wer verstehen will, warum "Rosat" überhaupt zum Problem-Satelliten werden konnte, muss sich die Geschichte der Mission ansehen. Eigentlich sollte das Hightech-Gerät nämlich von einem Space Shuttle im All ausgesetzt und später wieder eingefangen werden. Nach der Explosion der Raumfähre "Challenger" im Januar 1986 wurden die Planungen jedoch umgestellt. "Rosat" sollte nun auf einer Rakete ins All reiten. Im Juni 1990 war es schließlich soweit: Eine "Delta II" hob vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab und setzte den Satelliten in rund 580 Kilometern Höhe aus.

Anschließend absolvierte "Rosat" brav sein Forschungsprogramm, spähte Neutronensterne, Galaxiehaufen und Pulsare aus. Dann begann nach und nach die Technik zu versagen. Steuerungskreisel fielen aus, der Gasvorrat an Bord ging zur Neige. Am 12. Februar 1999 wurden dann schließlich die Geräte des Forschungs-Opas ausgeschaltet. Seitdem düst "Rosat" einsam durchs All. Nicht ansprech- und schon gar nicht steuerbar.

Könnte man den Satelliten nun nicht einfach abschießen, wie es sowohl die USA als auch China mit - vermeintlich - störrischen All-Objekten getan haben? Diese Möglichkeit sei diskutiert und verworfen worden, heißt es beim DLR. Man habe zwischenzeitlich auch überlegt, den Satelliten mit regelmäßigen Laserpulsen aus dem Orbit zu kegeln. Doch auch diese Option für ein kontrolliertes Ende habe man nicht wählen können, sagt Vorstandschef Wörner: "Wir haben dafür nicht die Ausstattung."

Seit einiger Zeit arbeite das DLR aber einer Art Müllabfuhr fürs All. "Deos" soll die Mission heißen. Sie könnte dafür sorgen könnte, dass sich eine kritische Situation wie bei "Rosat" nicht noch einmal ergibt. Irgendwann.


Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Problem-Satellit beunruhigt Bundesregierung" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Problem-Satellit beunruhigt Bundesregierung" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (8)

zum Forum

Thema: "Problem-Satellit beunruhigt Bundesregierung"

huho schrieb: am 27. Februar 2011 um 19:23:33
(0) (0) rosat
wie unangenehm

Kommentar melden

Angsthase schrieb: am 27. Februar 2011 um 13:52:26
(0) (0) Problem
Ab heute lauf ich nur noch mit Helm durch die Gegend.

Kommentar melden

magnus schrieb: am 27. Februar 2011 um 11:31:04
(0) (0) Vorher denken, nicht nachher
So ein Pech aber auch... Was hochgeschossen wird, kommt halt früher oder später wieder runter oder gefährdet
mit dem übriggebliebenen Schrott andere Projekte. Ans hochschicken denkt man, aber offensichtlich nicht, das Satelliten wieder zurückkommen. Auf die Idee, das man nicht mehr gebrauchte Satelliten richtung Sonne schicken könnte scheint niemand zu kommen. Oder vielleicht zu teuer? Es wird wohl auf lange Sicht teurer nichts getan zu haben, wenn man den Schrottgürtel über uns ansieht...
mehr Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Perfekte Hosen für Damen
Die neuen Trends von AtelierGS

Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

'Wir sollten jetzt nicht nach Ausreden suchen'
Die deutsche Abwehr wirkt beim Testspiel in der Schweiz meist sehr konfus. (Quelle: imago)

Kein deutscher Abwehr- spieler überzeugt. mehr

"Es wird einsam um Angela Merkel"
Peer Steinbrück (SPD) wirft der Kanzlerin eine schlechte Personalpolitik vor (Quelle: dpa)

Steinbrück: Das macht Kanzlerin falsch. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Regionale Nachrichten
News aus Ihrer Region
Nachrichten aus Ihrer Region (Foto: imago)

Aktuelle Meldungen aus den Bundesländern. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige