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Prestigeobjekt "Galileo" hebt erst mit Verspätung ab

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Das Prestigeobjekt hebt erst mit Verspätung ab

20.10.2011, 11:27 Uhr

Das europäische Navigationssystem "Galileo" macht sich mit Verspätung auf den Weg ins All (Quelle: dpa)

Das europäische Navigationssystem "Galileo" macht sich mit Verspätung auf den Weg ins All (Quelle: dpa)

Der Start der Satelliten für das europäische Navigationssystem "Galileo" hinkt bereits Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan her - und auch am Donnerstag wurde es nichts mit dem Aufbruch ins All. Der geplante Start der russischen Sojus-Rakete in Kourou in Französisch-Guayana wurde abgebrochen und soll mit 24-stündiger Verspätung am Freitag nachgeholt werden.

"Was die Ursache ist, wird gegenwärtig noch untersucht", sagte der Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt, Andreas Schütz, im "Galileo"-Kontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen. Am Morgen hätten alle Signale auf Grün gestanden, es sei bereits mit dem Betanken der Sojus-Rakete begonnen worden, so Schütz. Die Betreibergesellschaft Arianespace sprach von "Problemen mit der Trägerrakete".

Das ebenso ehrgeizige und wie umstrittene "Galileo"-System soll die europäische Eigenständigkeit unterstreichen und die Vormacht des US-amerikanischen GPS (Global Positioning System) brechen. "Galileo" soll viel präziser arbeiten und weltweit metergenaue Positionsbestimmungen möglich machen, bei GPS sind es etwa zehn Meter. Trotz der Konkurrenz: Die Nutzer sollen Signale von "Galileo" oder GPS empfangen und gar nicht merken, welches sie gerade leitet.

Drei Dienste starten 2014

Einsatzszenarien für das Prestigeprojekt von EU und Europäischer Weltraumorganisation (ESA) gibt es zu Lande, zu Wasser und in der Luft, für die Landwirtschaft, die Bauindustrie und auch für Behörden. Fahnder können die Daten bei der Verbrecherjagd nutzen, Bauingenieure beim Einmessen von Gebäuden, Landwirte beim Verteilen von Dünger. Flüge sollen pünktlicher und sicherer werden: Durch präzisere Anflüge könnten Verspätungen, Umleitungen oder Stornierungen - etwa wegen Unwetters - reduziert und dabei sogar noch Treibstoff gespart werden.

Wenn 2014 nach den Plänen insgesamt 18 Satelliten in mehr als 23.000 Kilometern Höhe um die Erde kreisen, sollen die ersten drei Dienste starten: ein kostenloser für die Allgemeinheit, ein Such- und Rettungsdienst und ein verschlüsselter Dienst für hoheitliche Sicherheitsaufgaben. Zwei weitere Dienste sollen hinzukommen, wenn alle geplanten 30 Satelliten im All sind.

Kosten explodierten

Schon vor dem Start haben explodierende Kosten und Verzögerungen im Zeitplan die Begeisterung getrübt. Anstatt der ursprünglich geplanten 3,4 Milliarden Euro soll der Aufbau nach jüngsten Zahlen der EU-Kommission nun 4,8 Milliarden Euro kosten, Betriebskosten allerdings nicht eingerechnet. Insider hatten freilich von Anfang an höhere Kosten erwartet.

Sobald die beiden ersten von der EADS-Tochter Astrium gebauten Satelliten im All sind, übernimmt das "Galileo"-Kontrollzentrum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München deren Steuerung. Mit einem weiteren Zentrum im italienischen Fucino, das sich primär um die Produktion der Navigationssignale kümmert, wird es die Satelliten rund um die Uhr betreuen.

Pannen bei den letzten Starts

Der Start in Kourou wird kritisch beäugt. Nach einer Pannenserie mit Sojus hatte Russland Anfang Oktober erfolgreich einen Satelliten für das eigene Navigationssystem Glonass ins All gebracht. Zuvor war im August ein Versorgungsraumschiff abgestürzt, im vergangenen Dezember fielen drei Glonass-Satelliten nach dem Start in den Pazifik. Ein solcher Unfall würde "Galileo" weit zurückwerfen.

Ursprünglich sollte das System bereits 2008 in Betrieb gehen. Mittlerweile liefert das russische Glonass schon weltweit Daten. Auch für ein chinesisches System mit dem Namen "Kompass" (Beidou) sind einhalbes Dutzend Satelliten im All. Es soll zunächst für Asien den Dienst aufnehmen.

Tests laufen auf Hochtouren

Für "Galileo" laufen inzwischen Tests auf Hochtouren. Zwei Satelliten strahlen Testsignale aus. Parallel dazu gibt es Testgebiete. Nur in Berchtesgaden simulieren - weltweit einzigartig - acht terrestrische Sendestationen auf umliegenden Bergen "Galileo"-Signale realistisch. In der von der Firma IFEN GmbH betriebenen "Galileo Test- und Entwicklungsumgebung" (GATE) wird nun an neuen Anwendungen und Dienstleistungen getüftelt, Empfangsgeräte werden ausprobiert. Forschungseinrichtungen sind ebenso engagiert wie Firmen. "Es ist wie ein großes Freiluftlabor", sagt der Leiter des Gate-Kundenbetriebs Elmar Wittmann.

Getestet wurde etwa ein neues Verschütteten-Suchsystem für Lawinenopfer, die per Satellit geortet werden sollen. Es könnte die Suche mit herkömmlichen Geräten ersetzen, die von den Kameraden einige Übung und Kenntnisse erfordert. Ausprobiert wurde auch ein Leitsystem für Hubschrauber-Rettungen bei sehr schlechter Sicht, wie der Leiter des Gate-Kundenbetriebs Elmar Wittmann berichtet. "Mit 'Galileo' können durch präzise Navigation - zum Beispiel nach Naturkatastrophen - Leben gerettet werden, indem sich Einsätze genauer und schneller koordinieren und durchführen lassen", sagte DLR-Vorstandschef Johann-Dietrich Wörner im Februar zum Start der Testregion.

"Galileo" schürt die Erfinderfreunde. ESA, DLR und bayerisches Wirtschaftsministerium vergeben am Tag vor dem Satelliten-Start zum achten Mal Preise für innovative Nutzungsideen. Sie reichen von intelligenten Nahverkehrs-Bussen mit einem an die Route angepassten Energiemanagement über personalisierte audio-Reiseführer bis zu einem Projekt aus Erdbeobachtung und Social Media zum Regenwaldschutz: Um illegale Abholzung zu stoppen, sollen Freiwillige weltweit zeitechte Satellitenbilder beobachten können - und dann sofort lokale Gruppen oder Behörden alarmieren, wenn wieder abgeholzt wird.


Quelle: dpa , dapd

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Kommentare (2)

zum Forum

Thema: "Prestigeobjekt "Galileo" hebt erst mit Verspätung ab"

Uwe64DD schrieb: am 20. Oktober 2011 um 17:16:25
(1) (0) Galileo
Liebe Gemeinde bitte nicht aufregen. 1. Es sind ja halt nur Steuermittel und 2. ist das ein EU-Projekt und diese werden nie
pünktlich fertig und halten auch nie ihre Kosten ein. EU ist halt ein Selbstbedienungsladen und man kann nur hoffen wenn dieser Quatsch mit dem EURO zu ENDE geht, geht hoffentlich auch dieser WAHNSINNSAPPARAT in BRÜSSEL mit kaputt..... VIEL SPAß also liebe lesende GEMEINDE
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Der Duke schrieb: am 20. Oktober 2011 um 10:52:18
(1) (2) Das fliegende Auge
Google earth läßt grüßen. Dann sollte man sich wirklich überlegen,ob man einfach so nackig sich in den Garten legt.

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