05.01.2011, 08:52 Uhr
So könnte der Xenicibis xympithecus ausgesehen haben (Foto: dapd)
Im heutigen Jamaika lebte einst ein äußerst skurriler Vogel namens Xenicibis xympithecus: Seine Flügelenden glichen Keulen, so dass er zwar nicht fliegen, aber Rivalen oder Feinde kräftig verprügeln konnte.
So beschreiben US-Forscher die Funktion der verdickten Flügelenden des flugunfähigen Vertreters der Ibisse, der noch bis vor etwa zehntausend Jahren auf der Karibikinsel Schläge austeilte. Und diese scheinen es in sich gehabt zu haben, ergab die Analyse fossiler Überreste des etwa hühnergroßen Vogels: An manchen der Flügelknochen lassen sich heute noch Brüche erkennen, die vermutlich von heftigen Auseinandersetzungen stammen.
"Das ist die ungewöhnlichste Waffe, die mir bei Vögeln bekannt ist", kommentiert Studienleiter Nicholas Longrich von der Yale University in New Haven. Er und sein Kollege Storrs Olson vom Smithsonian-Institut in Washington präsentieren ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".
Zwar war Xenicibis xympithecus bereits 1977 beschrieben worden, erst jetzt war es den Wissenschaftlern mit Hilfe neuerer Funde aus Museen jedoch gelungen, ein Skelett fast vollständig zu rekonstruieren. Das ermöglichte auch erstmals die Untersuchungen der Flügelknochen. "Als ich zum ersten Mal diese Knochenstruktur betrachtete, dachte ich, es sei eine Missbildung", erzählt Nicholas Longrich.
Doch alle verfügbaren Fossilien zeigten diese bizarren, einzigartigen Flügelknochen, während der restliche Körperbau weitgehend dem von anderen Ibis-Arten entspreche, schreiben die Wissenschaftler. Die Flügel besitzen dicke, gebogene, sehr stabile Fingerknochen, wie sie von keinem anderen Vogel bekannt sind.
Darüber hinaus besaß Xenicibis kräftigere Knochen im Brustbereich und längere Flügel, als es bei anderen flugunfähigen Vögeln üblich ist. Vermutlich konnten sie durch rasche Flügelbewegungen ihre Flügelenden wie Knüppel auf den Gegner niedersausen lassen, so die Interpretation der Forscher.
Wer diese Gegner waren, bleibt Spekulation. Vermutlich handelte es sich aber sowohl um Rivalen als auch um Fressfeinde. So ist etwa von heute lebenden Vertretern der Ibisse bekannt, dass sie sich häufig mit ihren Artgenossen streiten - allerdings ohne die Flügel als Waffe einzusetzen. Doch auch diese Kampfstrategie ist bei Vögeln nicht unbekannt, im Gegenteil: Sie wird von den Vertretern der unterschiedlichsten Arten eingesetzt.
Über veränderte Flügelknochen wie Xenicibis verfügt dabei jedoch keiner der bekannten Vögel, betonen die Wissenschaftler. Es sei natürlich auch möglich, dass die skurrilen Vögel mit ihren Keulen-Schwingen Fressfeinde in die Flucht schlugen. Auch auf Jamaika gab es den Forschern zufolge Kandidaten dafür: Eine damals dort heimische Affenart könnte ein Nesträuber gewesen sein, und auch Greifvögel und Schlangen kommen als Ziele der harten Flügelschläge infrage.
Quelle: dapd
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