Ende der Flucht im Mai 2001: Biggs kehrt aus Brasilien ins britische Gefängnis zurück (Foto: dpa)
Der legendäre britische Posträuber Ronald Biggs ist aus Gesundheitsgründen aus der Haft entlassen worden. Das gab Justizminister Jack Straw am Donnerstag bekannt. Der schwerkranke Biggs wird am Wochenende 80 Jahre alt.
Biggs hat in den vergangenen Jahren mehrere Schlaganfälle erlitten. Zurzeit liegt er wegen einer gebrochenen Hüfte und Verdacht auf Lungenentzündung sterbenskrank in einem Krankenhaus. Er werde sich von seiner Krankheit wahrscheinlich nicht mehr erholen, sagte Straw. Biggs' Verteidiger Giovanni Di Stefano sagte im Sender Sky News: "Er wird entlassen, um zu sterben, dass kann nicht als Sieg angesehen werden."
Straw zeigte ein Einsehen
Wohl auch angesichts dessen hatte Straw seine Entscheidung von Anfang Juli revidiert, wonach Biggs nicht vorzeitig frei kommen sollte. Als Grund nannte Straw damals, dass Biggs nie Reue für seine Tat gezeigt hatte.
35 Millionen Euro Beute
Biggs hat wegen seiner Teilnahme an dem zum "Raub des Jahrhunderts" stilisierten Überfall auf einen königlichen Postzug im August 1963 Kriminalgeschichte geschrieben. Mit 14 Komplizen erbeutete er 2,6 Millionen Pfund. Dies entsprach damals 31 Millionen Mark, nach heutiger Kaufkraft mehr als 35 Millionen Euro.
Ausbruch nach wenigen Wochen
Wie die anderen Räuber wurde Biggs bald gefasst. Wenige Monate nach seiner Verurteilung zu einer 30-jährigen Haftstrafe entkam er jedoch mit einer Strickleiter aus dem Gefängnis, ließ sein Gesicht operieren und setzte sich nach Brasilien ab, wo sein Leben immer bizarrer wurde.
Rückkehr aus Gesundheitsgründen
Nach etwa 35 Jahren auf der Flucht kam er aus Gesundheitsgründen 2001 in seine Heimat zurück, wo er sofort ins Gefängnis wanderte. Sein Sohn Michael, der seit Jahren um eine Begnadigung seines Vaters kämpft, hatte bei der Einlieferung gesagt, Biggs würde nicht mehr lange zu leben haben.
Noch bis Freitag unter Aufsicht
"Der medizinische Befund zeigt klar, dass Biggs sehr krank ist und dass sich sein Zustand zuletzt verschlechtert hat", begründete Straw die Entscheidung. Über Nacht sollte Biggs noch von Gefängnisaufsehern im Krankenhaus bewacht werden, am Freitag würden diese jedoch von ihrer Pflicht entlassen. Die Sprecherin von Biggs' Sohn sagte: "Er ist absolut begeistert und hofft, dass sein Vater noch seinen 80. Geburtstag erleben wird." Die Gewerkschaft der Gefängnisbeamten kritisierte den Zeitpunkt der Entlassung. Biggs hätte schon vorher entlassen werden sollen, da er schon seit langer Zeit so schwer krank sei.
Biggs kann nichts mehr selbst tun
Biggs hat erst ein Drittel einer 30-jährigen Haftstrafe für das spektakuläre Verbrechen abgesessen. Er erlitt mehrere Schlaganfälle, kann nicht mehr sprechen oder laufen und muss künstlich ernährt werden. In den vergangenen Jahren musste er mehrfach vom Gefängnis Norwich ins Krankenhaus verlegt werden.