06.06.2011, 09:08 Uhr
Der designierte Ministerpräsident Coelho verspricht die Umsetzung des vereinbarten IWF-Sparprogramms.
Die Konservativen sollen Portugal aus der schweren Wirtschaftskrise holen. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen erhielten sie eine komfortable Mehrheit. Die Sozialistische Partei von Portugals Regierungschef José Sócrates erlitt eine schwere Schlappe.
Das bedeutet einen Machtwechsel in Portugal. Die Bürger des pleitebedrohten Euro-Landes Portugal wählten den sozialistischen Ministerpräsident Sócrates ab und gaben der konservativen Opposition eine komfortable Mehrheit. Bei den Wahlen im ärmsten Land Westeuropas erhielt die liberale Partei der Sozialdemokratie (PSD) von Spitzenkandidat Pedro Passos Coelho am Sonntag 38,6 Prozent. Die seit 2005 regierende Sozialistische Partei (PS) musste sich mit 28,1 Prozent begnügen.
Zusammen mit dem rechtskonservativen Demokratischen und Sozialen Zentrum (CDS), das auf ein Ergebnis von rund 11,7 Prozent kam, kann die PSD des gelernten Volkswirts Passos Coelho eine starke Regierung mit absoluter Mehrheit der Parlamentssitze bilden. Eine Koalitionsabsprache zwischen beiden Parteien galt zwar unter Beobachtern als möglich, lag jedoch bis Sonntagabend noch nicht vor. Bei den Wahlen von 2009 hatte die PSD nur 29 Prozent geschafft.
"Wir werden viel Mut und auch etwas Geduld brauchen, um die riesigen Probleme zu meistern, die auf uns warten", sagte Passos Coelho in seiner Siegesrede in einem Lissabonner Hotel. Der Politiker, der im Juli 47 Jahre alt wird, versprach "Stabilität für die nächsten vier Jahre" und sagte, er werde das Vertrauen der Märkte und des Auslands in Portugal wiederherstellen.
Sócrates trat unterdessen als Generalsekretär der PS zurück. "Das war meine Niederlage", räumte er ein. Sócrates fügte an, er wolle in Zukunft zunächst kein politisches Amt bekleiden. Seine PS verlor im Lissabonner Parlament nicht weniger als 20 Abgeordnete.
Vor dem Hintergrund der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Nelkenrevolution und der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 1974 waren rund 9,6 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, die bis zu 230 Mandate der Lissabonner Versammlung der Republik neu zu vergeben. Der Präsident der Europäischen Kommission, der frühere portugiesische Ministerpräsident José Manuel Barroso sagte am Sonntag nach seiner Stimmabgabe in Lissabon, es handele sich um "die wichtigsten Wahlen seit dem Ende der Diktatur".
Ins Lissabonner Parlament wurden nach den vorliegenden Ergebnissen auch wieder das Bündnis von Kommunisten und Grünen (CDU) mit 7,9 Prozent sowie der Linksblock (BE) mit 5,2 Prozent gewählt. 41,1 Prozent der Wahlberechtigten blieben den Urnen fern.
Die Neuwahlen waren nötig geworden, weil Sócrates im März das Handtuch geworfen hatte. Zuvor hatte seine Minderheitsregierung im Parlament keine Mehrheit für das vierte Sparpaket innerhalb von elf Monaten finden können. Trotz seines Rücktritts war Sócrates als geschäftsführender Regierungschef im Amt geblieben und auch wieder ins Wahlrennen gegangen.
Der 53-Jährige Sonnyboy Sócrates hatte die Sozialisten 2005 zur absoluten Mehrheit und zum besten Wahlergebnis ihrer Geschichte geführt. Nach mehreren Krisen und Korruptionsaffären in seiner ersten Amtszeit hatten die Sozialisten die Parlamentswahlen von September 2009 nur mit 36,5 Prozent der Stimmen gewinnen können.
In Lissabon gingen in der Nacht Tausende auf die Straßen, um den Sieg der PSD, aber auch die Schlappe von Sócrates zu feiern. Die Menschen sangen, tanzten und schwenkten Portugal- und die orangefarbenen Fahnen der PSD. Autofahrer veranstalteten Hupkonzerte.
Die neue Regierung wird Anfang Juli die Amtsgeschäfte übernehmen. Sie muss dann sofort die mit dem 78 Milliarden Euro schweren Hilfspaket verbundenen Sparauflagen in Gang bringen, die Anfang Mai mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds ausgehandelt wurden.
Gewerkschaften, linksgerichtete Parteien und zahlreiche Bürgerbewegungen kündigten für die nächsten Monaten weitere Proteste gegen die Sparpläne an. In einem Land, in dem das Mindestgehalt bei 475 Euro liegt und die Arbeitslosenrate bereits das Rekordniveau von 12,5 Prozent erreicht hat, könne man den Familien keine Opfer mehr abverlangen, warnte Eugenio Fonseca, Präsident von Caritas Portugal.
Quelle: dpa
Fritz schrieb:
am 6. Juni 2011 um 13:09:53
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Tim
Hallo Tim, deine Idee finde ich gar nicht so schlecht, einen Idiotentest für Wähler, doch leider wärst du der erste der der durchfällt!
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ohrenspitzer schrieb:
am 6. Juni 2011 um 12:57:16
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bodoffm
also die selben neolieberalen rezepte wie auch für die griechen. weiter so der umverteilung von unten nach oben. nur ja nicht die
wahren profiteure und finanzongleure zur kasse oder auch zu regulären steuern heranziehen! wer weiß denn überhaupt von den usern, was und warum damals die "nelkenrevolution" war?
schaut doch einmal in die geschichtsquellen...
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max 100 schrieb:
am 6. Juni 2011 um 12:05:52
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Otto
Ein wenig Anstand täte auch Ihnen gut ! Vom "linken Mob" zu schreiben zeigt nicht gerade von hellem Verstand !
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