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Polizistenmord nach Verfolgungsjagd: Bislang keine heiße Spur

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Polizei jagt die Polizistenmörder - bislang erfolglos

29.10.2011, 08:38 Uhr

Polizistenmord in Augsburg: Schwer bewaffnet und gut geschützt durchforsten Beamte das Naherholungsgebiet bei Augsburg nach den beiden Bikern. Die hatten ihr Motorrad bei der Flucht zurückgelassen (Quelle: dapd, Polizei)

Schwer bewaffnet und gut geschützt durchforsten Beamte das Naherholungsgebiet bei Augsburg nach den beiden mörderischen Bikern. Die hatten ihr Motorrad bei der Flucht zurückgelassen (Quelle: dapd, Polizei)

Fieberhaft und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln jagt die bayerische Polizei den Polizistenmörder von Augsburg - noch ohne Erfolg. Trotz stundenlanger Großfahndung mit Hunderten Beamten, Suchhunden und Hubschraubern fehlt von dem Biker und seinem Beifahrer noch immer jede Spur, obwohl beide zum Schluss zu Fuß flüchten mussten.

Zwar seien noch am Freitagabend mehrere Hinweise bei den Ermittlern eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Doch gebe es nach wie vor noch keine heiße Spur.

Einer der beiden Gesuchten hatte in der Nacht zum Freitag nach einer Verfolgungsjagd wie in einem James-Bond-Film (so der Staatsanwalt) den 41 Jahre alten Familienvater mit mehreren Kugeln tödlich verletzt. Er starb noch am Tatort. Der Beamte hinterlässt eine Frau und zwei Söhne im Alter von 13 und 17 Jahren.

Die beiden flüchtigen Täter stammen vermutlich aus der schwerkriminellen Szene, erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Wegen der filmreifen Flucht und der mörderischen Aggressivität gehen die Ermittler davon aus, dass die beiden eine Straftat verdecken wollten, etwa ein Rauschgiftgeschäft. "Das ist wahrscheinlich ein Verdeckungsmord", sagte Oberstaatsanwalt Günther Zechmann über die Tat.

Routinemäßige Kontrolle

Laut Polizei wollten der Streifenbeamte und seine Kollegin in der Nacht zum Freitag gegen 2.50 Uhr im Augsburger Naherholungsgebiet Siebentischwald auf einem Parkplatz den Motorradfahrer und dessen Begleiter kontrollieren. Dies sei eine "absolute Routinekontrolle" gewesen, sagte Augsburgs Polizeipräsident Gerhard Schlögel. Die neben dem Motorrad stehenden Männer seien dann aber auf die Maschine gesprungen und davon gerast.

Die Beamten nahmen mit ihrem Streifenwagen die Verfolgung auf. Auf einem unbefestigten, rutschigen Waldweg schließlich stürzten die Motorradfahrer. Die Polizisten näherten sich den Bikern, als einer der beiden - unvermittelt und ohne Vorwarnung - mit einer großkalibrigen Waffe aus rund zehn Metern Entfernung das Feuer auf die Streifenbeamten eröffnete.

Tod trotz schusssicherer Weste

Der 41 Jahre alte Beamte habe zwar eine schusssichere Weste getragen, doch mehrere Kugeln trafen den Polizisten "außerhalb des Wirkungsbereichs der Weste", vermutlich an Hals und Kopf. Seine 30-jährige Kollegin erhielt einen Streifschuss in der Hüfte. Sie war jedoch noch in der Lage, ihre Dienstwaffe zu ziehen und die Schüsse zu erwidern. Die beiden Verdächtigen seien daraufhin zu Fuß geflüchtet.

Oberstaatsanwalt Zechmann sagte, die beiden Männer seien angesichts der Dunkelheit und dichten Nebels mit einem sehr hohen Risiko über eine fahrerisch sehr schwierige Strecke geflohen. Es sei wie "James Bond über die Lech-Brücke in Augsburg" gewesen, sagte Zechmann. "Das war ein Tatablauf, den sich auch hartgesottene Ermittler nicht ohne weiteres vorstellen können."

Motorrad mit falschem Nummernschild

Bislang ist noch unklar, wer von den beiden Personen die tödlichen Schüsse abgab. Auch die Identität der Täter sei noch nicht festgestellt, sagte der Polizeisprecher. Das am Tatort zurückgelassene Motorrad sei jedoch ein guter Anhaltspunkt für die Ermittler. Es handele sich um eine anthrazitfarbene Honda CB 500 mit dem Kennzeichen "A - L 307". Das Nummernschild war jedoch eine Doublette: Der Besitzer des Original-Nummernschilds konnte ermittelt werden, in seiner Garage befand sich das Motorrad mit dem dazugehörigen Schild.

Nach dem tödlichen Schusswechsel hatte die leicht verletzte Beamtin sofort Verstärkung angefordert. Das Waldgelände wurde umstellt. Das Gebiet um das Stauwehr Hochablass und der nördliche Teil des Augsburger Stadtwaldes wurden weiträumig abgesperrt. Ein Großaufgebot der Polizei, darunter Scharfschützen und SEK-Beamte, mit Personensuchhunden und Unterstützung durch Hubschrauber suchte bislang erfolglos nach den Männern.

Bewaffnet und äußerst gefährlich

Vermutlich verfügen die Flüchtigen über gute Ortskenntnisse. Die Ermittler hoffen jedoch auf DNA-Spuren vor allem an dem Motorrad und anderen sichergestellten Gegenständen. Oberstaatsanwalt Zechmann ist daher überzeugt, dass die Polizei die beiden Männer bald identifizieren und auch fassen wird.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich entsetzt über die Tat. Es handle sich um ein "gemeines Verbrechen", das "große Trauer und Bestürzung" ausgelöst habe. Die Menschen in Augsburg und Umgebung wurden aufgefordert, Auffälligkeiten sofort zu melden. Allerdings ist große Vorsicht geboten - wie bewiesen, sind die beiden Flüchtigen bewaffnet und äußerst gefährlich. "Brutale Rechtsbrecher" nannte sie Minister Herrmann: "Wir werden alles unternehmen, um die feigen Mörder dingfest zu machen."


Quelle: dpa , AFP , t-online.de

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