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"Junge Amokläufer sind meist schwache Personen"
11.03.2009, 15:27 Uhr
Amokläufer Tim K. erschoss in Winnenden 15 Menschen und sich selbst (Fotos: dpa/ddp)
Ein Amoklauf ist nach Erfahrung des Polizeipsychologen Martin Jakubeit in den meisten Fällen lange geplant und gut vorbereitet. "Der Entschluss zur Tat reift in einem langen Zeitraum heran", sagt der 48 Jahre alte Experte hinsichtlich des Amoklaufs von Winnenden. Auslöser könne letztlich aber eine Kleinigkeit sein. "Ein unspezifisches Ereignis reicht als Auslöser, es dient dann als Zündstoff."
Mit dem Amoklauf übe der Täter Rache für Vorkommnisse, durch die er sich ungerecht behandelt, gedemütigt und ausgegrenzt fühle. "Der Tatort steht in Bezug zu übergroßen Kränkungen, Verletzungen und Enttäuschungen, die der Amokläufer erlebt hat", erläutert Jakubeit.
Taten werden inszeniert
"Die meisten jugendlichen Täter sind schwache Personen mit wenig sozialer Bindung, sie sind verschlossen und in sich gekehrt." Die Tat werde oft inszeniert. Zum Beispiel dadurch, dass sich der Täter auffällig kleide, oft nach dem Vorbild von Kampffiguren aus dem Internet oder Computerspielen.
"Verhandlungen sind unwahrscheinlich"
Die Täter seien vertraut im Umgang mit Schusswaffen, entweder aus dem Internet oder in der Realität. "Kommt es zu einem Amoklauf, sind Verhandlungen mit dem Täter eher unwahrscheinlich", sagt Jakubeit, der seit 13 Jahren als Polizeipsychologe arbeitet und unter anderem polizeiliche Verhandlungen mit Gewalttätern führt. "Der Amokläufer fühlt sich als Herr über Leben und Tod. Das macht ihn so gefährlich."
Die Täter wollen Aufmerksamkeit
Gerade junge Amokläufer wollen nach Ansicht des Psychologen Georg Pieper mit ihrer blutigen Tat in der Regel unbedingt ins Rampenlicht rücken. "Sie wissen vorher, dass sie eine Riesen-Aufmerksamkeit bekommen, dass alle Welt auf sie sieht", sagt der 55-Jährige Experte. "Ein Mal erleben, dass man im Mittelpunkt steht und sehr viel bewirken kann: Das ist eine immense Versuchung für einen Menschen, der wenig Selbstwertgefühl hat."
Schnelle Betreuung der Opfer
Nach dem Amoklauf im schwäbischen Winnenden sollten die überlebenden Schüler möglichst schnell psychologisch betreut werden, erklärte Pieper. "Es geht akut darum, die Schockzustände und das vollkommen aus den Fugen geratene Sicherheitsgefühl der Betroffenen aufzufangen - damit sie nicht ganz in Panik abdriften." Auch sollte den Schülern die Möglichkeit gegeben werden, sich untereinander auszutauschen. "Die ganze Schulgemeinschaft wird geschockt sein."
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Quelle: dpa