03.01.2008, 18:36 Uhr
Babyklappe in Hannover: Polizei untersucht, ob sie funktionierte (Quelle: ddp)Zwei Fälle in weniger als 24 Stunden: In Hannover und Karlsruhe sind zwei tote Säuglinge in beziehungsweise neben einer Babyklappe entdeckt worden. Während es in Karlsruhe noch keinerlei Anhaltspunkte zum Tod des Babys gibt, geht die Polizei in Hannover einen Tag nach dem Fund des toten Jungen davon aus, dass dieser lebend gefunden werden sollte. Spezialisten der Polizei und des Landeskriminalamtes Niedersachsen untersuchen nun, ob die Babyklappe überhaupt funktionierte.
Weiterer Fallin KarlsruheKind tot in Babyklappe
HannoverToter Säugling neben Babyklappe
Fall Lea SophieAmt unter Druck
ChronologieDurch Vernachlässigung getötete Kinder
Keine Tötungsabsicht
"Zur Zeit gibt es keine Anhaltspunkte, dass das Baby absichtlich neben die Klappe gelegt wurde, um es erfrieren zu lassen", sagte am Donnerstag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Kathrin Söfker. "Es ist auch möglich, dass derjenige, der den Säugling abgelegt hat, nicht verstanden hat, wie die Klappe zu öffnen ist oder dass die Babyklappe nicht funktionsfähig war", betonte Söfker. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.
Auf der Treppe abgelegt
Das Neugeborene war am Mittwochmittag auf den Treppenstufen vor der Babyklappe des Hannoveraner Krankenhauses entdeckt worden. Der Junge lag in ein Frotteetuch eingewickelt in einem Stoffbeutel. Nach dem vorläufigen Obduktionsbericht starb das Kind an mangelnder Versorgung. Außerdem war es unterkühlt. Es war offensichtlich erst im neuen Jahr zur Welt gekommen, die Nabelschnur war noch nicht abgetrennt.
Keine Gewalteinwirkung
Die Rechtsmediziner gehen davon aus, dass der Junge mehrere Stunden auf den eiskalten Treppenstufen gelegen hat. Der Keller-Zugang ist nicht videoüberwacht - die Anonymität der Mütter soll gewahrt bleiben. Auch Kontrollgänge gibt es nicht. Ob der Junge bereits tot war, als er dort hingelegt wurde, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Sicher ist nur, dass das Baby lebend zur Welt kam. Auch Gewalteinwirkung schließen die Rechtsmediziner aus.
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Appell an die Mutter
Der Säugling, der in der Nacht zum Donnerstag in Karlsruhe gefunden wurde, wies ebenfalls keine äußeren Verletzungen auf. Mitarbeiter der Hardtstiftung fanden das in ein Leintuch eingewickelte Mädchen, als die Babyklappe eine halbe Stunde vor Mitternacht Alarm ausgelöst hatte. Die genaue Todesursache soll durch eine Obduktion des Leichnams festgestellt werden. Die Polizei ermittelt wegen Totschlags und appellierte an die Mutter des Babys, sich freiwillig zu melden.
Kritik an Babyklappen
Die Menschenrechtsorganisation terre des hommes hat nach den beiden Todesfällen erneut die Babyklappen kritisiert. Diese schadeten mehr als sie nützten, sagte der Adoptionsexperte Bernd Wacker: "Die Zahl ausgesetzter oder getöteter Kinder ist seit der Einführung der Klappen nicht zurückgegangen." Zudem drohten Kindern, die anonym geboren werden, später seelische Schäden, weil sie niemals ihre Herkunft erfahren könnten.
60 Klappen in Deutschland
In Deutschland und Österreich gibt es nach Angaben des Hamburger Vereins SterniPark derzeit mehr als 80 Babyklappen; die Website www.babyklappe.info verzeichnet 60 Klappen in 53 deutschen Städten.
Quelle: AFP , dpa
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