18.07.2011, 10:47 Uhr
Rebekah Brooks, zurückgetretene Vorstandsvorsitzende von Rupert Murdochs News International (Foto: Reuters)
Rebekah Brooks, die frühere Chefredakteurin von "News of the World" und zurückgetretene Vorstandsvorsitzende von News International, ist in der Affäre um abgehörte Telefone und bestochene Polizisten festgenommen worden. Brooks sei einbestellt worden, berichteten übereinstimmend die Sender Sky News und BBC. Nach ihrer Festnahme sei sie vernommen worden.
Die Polizei bestätigte zunächst nur, dass eine 43-jährige Frau in Zusammenhang mit der Abhöraffäre festgenommen worden sei. Es ist die zehnte Festnahme in der Affäre. Beobachter rechnen damit, dass Brooks nach einigen Stunden gegen Kaution freikommt. Rupert Murdoch, sein Sohn James und Rebekah Brooks sollen zudem am Dienstag vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu der Abhöraffäre aussagen.
News International ist die britische Zeitungstochter der News Corporation (News Corp) von Rupert Murdoch. Brooks gilt als enge Vertraute des Medienmoguls und als eine der Schlüsselfiguren in der Abhöraffäre. Ihr werden auch enge Kontakte zu Premierminister David Cameron nachgesagt.
Brooks war bis 2003 Chefredakteurin der inzwischen eingestellten Skandalzeitung "News of the World". Das war genau die Zeit, als etwa die Mobilbox des 13 Jahre alten Entführungsopfers Milly Dowler von ihren Reportern manipuliert worden war.
Brooks hatte im Murdoch-Konzern einen steilen Aufstieg hingelegt: Bereits als Teenager soll sie den Wunsch gehegt haben, Journalistin zu werden. Nach einem Studium an der Sorbonne in Paris und ersten Stationen bei Provinzblättern fing sie mit 20 Jahren bei der "News of the World" an und arbeitete sich binnen weniger Jahre ganz nach oben: Im Jahr 2000 wurde Brooks die angeblich jüngste britische Chefredakteurin aller Zeiten. Bis 2003 stand sie an der Spitze der "News of the World" - zur Zeit der Abhöraktionen. Eine Mitwisserschaft weist sie zurück.
Rebecca Brooks war Chefin der Verlagsgesellschaft News International und eine enge Vertraute des Medien-Giganten. zum Video
In der Affäre um abgehörte Telefone in Großbritannien geriet derweil auch der ranghöchste Polizist des Landes unter Korruptionsverdacht. Der Chef der Metropolitan Police in London, Sir Paul Stephenson, habe sich Teile eines Kuraufenthaltes im Wert von 12.000 Pfund (13.700 Euro) von einem Spa-Betreiber bezahlen lassen, berichtete das Murdoch-Blatt "Sunday Times" am Sonntag unter Berufung auf ein Statement der Polizei.
PR-Chef des Spa-Betreibers war ausgerechnet Neil Wallis, ehemals stellvertretender Chefredakteur des Skandalblattes "News of the World" und auch als PR-Berater für Stephenson aktiv. Wallis war am vergangenen Donnerstag festgenommen worden. Die Polizei begründete das Vorgehen damit, dass Stephenson nach einem Krankenhausaufenthalt durch die Nachbehandlung in der Einrichtung sechs Wochen früher als erwartet an seinen Schreibtisch zurückkehren konnte.
Auch der Druck auf die Politik wurde am Wochenende höher: Premierminister David Cameron kam unter Beschuss als an die Öffentlichkeit kam, dass er sich in nur 15 Monaten Amtszeit 26 Mal offiziell mit Medienmogul Rupert Murdoch, dessen Sohn James oder anderen Top-Managern der Murdoch-Zeitungsholding News International getroffen hatte. Erst im März hatte es noch ein offizielles Treffen mit Andy Coulson gegeben, der als Camerons Regierungssprecher im Abhörskandal im Januar zurückgetreten war.
Oppositionschef Ed Miliband forderte in einem Interview mit dem "Observer" am Sonntag, die Gesetze zur Medienkonzentration müssten verschärft werden. Murdochs Marktmacht sei "gefährlich", sagte der Labour-Politiker. "Er hat zuviel Macht über das öffentliche Leben in Großbritannien." News International kontrollierte bisher 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch gehören zusätzlich 39 Prozent am Fernseh- und Telekommunikationskonzern BSkyB.
Dass die Polizei, die wegen ihres Umgangs mit dem Abhörskandal selbst in der Kritik steht, Rebekah Brooks jezt ausgerechnet kurz vor deren geplanter Anhörung vor einem Parlamentsausschuss festnahm, warf derweil Fragen auf. Brooks' Sprecher sagte, ihre Festnahme stelle ihr Erscheinen vor dem Medienausschuss des Unterhauses in Frage.
Sie soll eigentlich am Dienstag gemeinsam mit Rupert Murdoch und dessen Sohn James zum Abhörskandal Rede und Antwort stehen. Der Vorsitzende des Medienausschusses, John Whittingdale, sagte, die Teilnahme von Brooks sei unklar, da ihre Befragung die Ermittlungen der Polizei stören könnte.
Der Chef der britischen Labour-Partei, Ed Miliband, hat angesichts des Abhörskandals um die Zeitung "News of the World" eine Zerschlagung des Medienimperiums von Rupert Murdoch gefordert. Die Dominanz von News Corp in Großbritannien sei ungesund, sagte Miliband in einem Interview mit dem "Observer".
Die Bündelung von so viel Macht in der Hand eines Mannes habe offenbar in seiner Organisation zu einem Missbrauch dieser Macht geführt. Vizepremier Nick Clegg von den Liberaldemokraten erklärte ebenfalls, es müsse mehr Pluralität in der Medienlandschaft geben.
Quelle: AFP , dpa , dapd
Heiko schrieb:
am 17. Juli 2011 um 18:44:34
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@A.B.
Du meinst wohl die Politik ist abhängig von den Medien, schau Dir nur an was "unabhängige" Politiker alles tun um lobend in
der BILD erwähnt zu werden, siehe nur Guttenberg dieses muster beispiel eines "unbhängigne" Politikers hat seine handlungen sogar der Meinung der BILD angepasst ! also genau anders rum wird ein Schuh draus !
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Warp schrieb:
am 17. Juli 2011 um 18:14:54
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Pressefreiheit
Hallo Achim,in den Ländern die Du angeführt hast werden Journalisten willkührlich verhaftet und nicht weil sie Verbrechen
begangen haben.Murdoch und seine Konsorten haben sich für ihre Taten hinter einer der Stützsäulen der Demokratie versteckt.Währe heraus gekommen dass eine Regierung hinter diesen Machenschaften steht hätten die am lautesten geschrien.
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Nasowas schrieb:
am 17. Juli 2011 um 18:11:01
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@ Achim
Leider haben Sie bei ihrer Länderaufzählung unser ach so
(un) demokratisches Deutschland vergessen. Denn hier wäre so ein
Vorgehen gegen so einen mächtigen und einflussreichen Mogul ebenfalls undenkbar.
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