01.08.2011, 09:00 Uhr
Die Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski zerschellte beim Landeanflug auf Smolensk (Foto: Reuters)
Die Hauptschuld an dem tödlichen Flugzeugabsturz des früheren polnischen Präsidenten Lech Kaczynski liegt auch nach den eigenen Ermittlungen Warschaus bei Polen. Die mangelnde Ausbildung der Besatzung sei eine "Gefahr für die Flugsicherheit" gewesen, teilte die polnische Regierungskommission mit. Polens Verteidigungsminister Bogdan Klich trat angesichts der Ermittlungsergebnisse zurück.
Der Bericht enthüllte desaströse Zustände in der Luftwaffeneinheit Geschwader 36, die für den Transport polnischer Politprominenz samt Präsident und Regierungschef zuständig ist. Die Liste der Verfehlungen beim Arbeits- und Schulungssystem in der Elitetruppe ist lang. Die Piloten seien ungenügend geschult, vorgesehene Trainingsflüge nicht ausgeführt, Vorschriften ignoriert, Ruhezeiten nicht eingehalten worden.
Wesentliche Fehler, die zu dem Unglück im April 2010 führten, wiesen die polnischen Ermittler den Piloten zu. Bei extremen Witterungsbedingungen, die beim Anflug herrschten, wurde die fehlende Erfahrung der Besatzung zum Verhängnis. Die Präsidentenmaschine sei beim Landeanflug auf den westrussischen Flughafen von Smolensk zu schnell und zu tief geflogen. Den Piloten sei wegen des dichten Nebels zudem kein "Sichtkontakt" mit dem Boden möglich gewesen. Sie hätten einen falschen Höhenmesser benutzt und zu spät das Landemanöver abgebrochen.
Im dichten Nebel hatte die Maschine mit dem linken Flügel einen Baum erfasst und war zerschellt. Der Präsident, seine Frau Maria und 94 weitere Politiker, Geschäftsleute, Militärs und Geistliche starben.
Das Unglück geht nach Ansicht der polnischen Ermittler teilweise aber auch auf Fehler der russischen Seite zurück. So sei die Beleuchtungsanlage des Flughafens "fehlerhaft und unvollständig" gewesen. Zudem habe der Verantwortliche für den Landebereich der Besatzung der Präsidentenmaschine "falsche" Anweisungen erteilt, hieß es in dem mehr als 320 Seiten langen Bericht. Er war von einer Kommission aus 17 Armee-Vertretern und 17 zivilen Experten im Auftrag der polnischen Regierung erstellt worden.
Die russischen Ermittler erklärten, der polnische Bericht decke sich mit den wesentlichen Erkenntnissen des russischen Abschlussberichts. Diesen hatte Moskau bereits im Januar vorgelegt. Darin wurde der polnischen Seite die alleinige Schuld am Absturz zugeschrieben. Demnach sollen ranghohe Vertreter an Bord der Maschine Druck auf die schlecht ausgebildete Crew ausgeübt haben, trotz schlechter Sicht zu landen. Diese These war bereits kurz nach dem Unglück aufgekommen. Von dem polnischen Bericht wurde sie aber nicht gestützt.
Ministerpräsident Donald Tusk gab bekannt, dass Verteidigungsminister Klich am Donnerstag sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe. "Ich habe es heute angenommen", sagt Tusk. Nachfolger soll Vize-Innenminister Tomasz Siemoniak werden. Am Dienstag hatte Militärstaatsanwalt Krzysztof Parulski angekündigt, dass Anklagen gegen mehrere polnische Armeeangehörige im Zusammenhang mit dem Unglück vorbereitet würden.
Quelle: dpa , AFP
Piotr schrieb:
am 30. Juli 2011 um 17:00:22
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Absturz
Zu @Ludwig. Es war ein polnisches Flugzeug und polnische Piloten, wieso dann russischer Knast. Wenn dann doch höchstens polnischer.
Erstaunlich an dem Ermittlungsbericht ist, das plötzlich nicht mehr vom Druck auf die Piloten durch höchste polnische Politiker, die an Bord waren, gesprochen wird. Alles auf die Piloten abzuschieben, ist wohl zu einfach, aber sie können sich ja nicht mehr rechtfertigen. Das Beste wäre ja gewesen, rusische Schlamperei hätte zum Unfall geführt, aber das war nicht so.
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TEDDY schrieb:
am 30. Juli 2011 um 14:02:51
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Smolensk
@Alf
Ein ausgezeichneter Kommentar.Solide Fachkenntnisse der Materie!
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GG schrieb:
am 30. Juli 2011 um 13:01:06
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Smolensk
Klar, war sicher nur ein Unfall und natürlich die Schuld der Piloten. Wer das glauben will, bitte......aufwachen und nachdenken! Schönen Tag noch.
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