Entstehung von Erdbeben: Spannungen an Rändern von Kontinentalplatten (Grafik: dpa)
Das schwere Erdbeben um die italienische Stadt L'Aquila ist für Geowissenschaftler keine Überraschung. "Italien gehört mit Griechenland zu den am meisten gefährdeten Gebieten in Europa", sagte der Seismologe Rainer Kind vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ). "Erdbeben sind hier an der Tagesordnung." Dass Italien im Lauf seiner Geschichte immer wieder von schweren Erdstößen mit zahlreichen Todesopfern heimgesucht wurde, liegt an der sogenannten Plattentektonik.
Dem Wissenschaftler zufolge wandert der afrikanische Kontinent mit einer Geschwindigkeit von ein bis zwei Zentimetern im Jahr nach Norden. Dabei schiebt die afrikanische Platte nicht nur das Mittelmeer zu, das einst ein Ozean war. Sie wandert zudem unter die eurasische Platte und löst damit immer wieder Erdbeben aus.
Die Plattengrenze läuft dem Experten zufolge um die Westseite des italienischen Stiefels herum, der in einigen Millionen Jahren im Balkan aufgehen wird. Wegen dieser stetigen Bewegung komme es im gesamten Land täglich zu Erdbeben, die aber meist zu schwach seien, um von der Bevölkerung wahrgenommen zu werden oder gar Schäden anzurichten.
Unterschiedliche Messungen der Stärke
Das Beben vom Montag hatte den Potsdamer Wissenschaftlern zufolge eine Stärke von 6,2 auf der Magnituden-Skala und nicht von 5,8, wie von italienischer Seite angegeben. Nach internationaler Vereinbarung werden Beben in Europa und im Mittelmeer als "schwer" bezeichnet, wenn sie den Wert 5,0 überschreiten. Sind sie stärker als 5,5, erhalten sie das Prädikat "XXL".
Beben mit bis zu 100.000 Todesopfern
Das Epizentrum des Bebens von L'Aquila lag in etwa zehn Kilometer Tiefe unter der Erdoberfläche und gilt damit als ein flaches und besonders zerstörerisches Beben. Zu den schwersten Erdbeben in der jüngeren Geschichte Italiens zählt das Seebeben von Messina von 1908 in der Meerenge zwischen Sizilien und dem Festland. Bei dieser Naturkatastrophe starben rund 100.000 Menschen. Verheerend war auch das Irpinia-Erdbeben von 1980. Erdstöße der Stärke 6,8 erschütterten damals unter anderem die Regionen Kampanien und Apulien. 2900 Menschen starben.