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Plagiat-Affäre um Guttenberg: Vorwurf setzt Minister unter Druck

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Plagiatsvorwurf setzt Guttenberg unter Druck

17.02.2011, 08:57 Uhr

Für Dr. Guttenberg wird es ungemütlich (Foto: dpa)

Für Dr. Guttenberg wird es ungemütlich (Foto: dpa)

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steht nach dem Plagiatsvorwurf im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit bei der Opposition weiter in der Kritik. Dagegen erhält er Unterstützung aus den Reihen der Union. Hier ist von einer "Schmutzkampagne" gegen den beliebten CSU-Politiker die Rede. Die Passauer Professorin Barbara Zehnpfennig, bei der Guttenberg Teile der Einleitung seiner Dissertation abgeschrieben haben soll, fordert, ihm den Doktortitel abzuerkennen. Der Verteidigungsminister ist unterdessen zu einem Besuch in Afghanistan.

"Es ist mir unverständlich, wie man sich solch eine Blöße geben kann", sagte Zehnpfennig der Zeitung "Die Welt". Guttenberg, der für seine Doktorarbeit Passagen aus einem Aufsatz Zehnpfennigs übernommen haben soll, ohne dies als Zitat zu kennzeichnen, habe sich "dumm" verhalten, sagte die Politikwissenschaftlerin. Für die Einleitung seiner Dissertation soll er nach Angaben von "FAZ.NET" fast wortwörtlich einen Text von Zehnpfennig aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von 1997 verwendet haben, der nur im Literaturverzeichnis aufgeführt sei.

Leutheusser-Schnarrenberger: Keine Vorverurteilungen

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte: "Die Plagiatsvorwürfe gegen den Verteidigungsminister sollten ganz in Ruhe aufgeklärt werden." "Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen", sagte die FDP-Politikerin.

"Der Lack ist endgültig ab", sagte hingegen der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" über den Minister. "So geht's halt, wenn man sich zu sehr auf Hochglanz poliert." Sollte Guttenberg der Doktortitel aberkannt werden, wäre er aus Sicht des SPD-Politikers auch als Minister nicht mehr zu halten. "Guttenbergs Glaubwürdigkeit wäre dann völlig zerstört", sagte Arnold. "Und ein Minister, der seine Glaubwürdigkeit verloren hat, kann nicht mehr wirklich arbeiten - im Bereich der Bundeswehr, in dem es in hohem Maße auf Vertrauen ankommt, vielleicht noch schwerer als in anderen Ressorts."

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Hat Guttenberg abgeschrieben?

Die Doktorarbeit des Ministers soll an mehreren Stellen fremde Texte enthalten, die nicht als solche gekennzeichnet wurden. Der Politiker reagiert gelassen auf die Vorwürfe. zum Video

Formulierungen stimmen wörtlich mit anderen Autoren überein

Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) bezeichnete die Vorwürfe gegen den Verteidigungsminister in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" als "lächerlich". Seine Doktorarbeit sei von einem der führenden deutschen Verfassungsrechtler wissenschaftlich betreut worden und in einem höchst renommierten Wissenschaftsverlag erschienen. Einzelne fehlende oder falsch gesetzte Fußnoten seien sicher ärgerlich, das könne aber nicht ernsthaft einen Plagiatsvorwurf begründen. Krings warf der Opposition im Bundestag eine "Schmutzkampagne" vor. "Die maßlos überzogenen Reaktionen der Opposition zeigen, dass es hier in Wahrheit nur um eine neue Episode aus der Reihe 'Schlag den Guttenberg' geht."

In Guttenbergs Dissertation gibt es mehrere Passagen, die wörtlich mit Formulierungen anderer Autoren übereinstimmen, ohne dass er dies gekennzeichnet hat. Aufgeflogen ist dies durch Recherchen des Bremer Juraprofessors Andreas Fischer-Lescano, über die am Mittwoch die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Es soll sich um mindestens neun kopierte Textstellen handeln. Darunter sind eine längere Passage aus der "NZZ (Neue Zürcher Zeitung) am Sonntag" sowie Aufsätze.

"Schlechte Wissenschaft und Täuschung auseinanderhalten"

Juraprofessor Fischer-Lescano wirft dem Verteidigungsminister vor, gegen die Promotionsordnung der Universität Bayreuth verstoßen zu haben. Das gehe aus seiner Rezension für die Fachzeitschrift "Kritische Justiz" hervor, berichtet die "Financial Times Deutschland". Guttenbergs Umgang mit wörtlichen Zitaten anderer Autoren sei so "systematisch", dass es schwer sei zu sehen, wie die Arbeit in Einklang mit den Vorgaben der Promotionsordnung gebracht werden könne, schreibt Fischer-Lescano demnach. Er äußert Zweifel, "dass die Dissertation wissenschaftlichen Mindeststandards genügt".

Dagegen sieht der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbands (DHV), Michael Hartmer, angesichts der bisher geäußerten Vorwürfe gegen Guttenberg keine Grundlage für eine Aberkennung des Doktortitels. Er sagte der "Financial Times Deutschland", bislang gebe es allenfalls Anlass für eine Rüge.

Maßgeblich für die Folgen eines wissenschaftlichen Plagiats ist nach Expertenmeinung, ob eine Täuschungsabsicht dahintersteht. "Sie müssen schlechte Wissenschaft und Täuschung auseinanderhalten", sagte der Sprecher des Ombudsmanns für die Wissenschaft, der Bonner Jurist Wolfgang Löwer. Mit Blick auf Guttenberg warnte er ebenfalls vor Vorverurteilungen. "Es ist eine genuin universitätsrechtliche Frage, die die Fakultät beantworten muss."

Hanschmann sieht Guttenbergs Reaktion als Schuldeingeständnis

Löwer erläuterte: "Ein Plagiat ist die Übernahme eines fremden Textes, ohne auf die Übernahme hinzuweisen. Das macht man normalerweise mit Anführungszeichen bei einer wörtlichen Übernahme oder mit einer Fußnote bei sinngemäßer Übernahme." Der Jurist ergänzte: "Aber nicht in jedem Fall, wo eine Fußnote fehlt, kann man schon annehmen, dass die Entziehung des akademischen Grades angezeigt wäre, denn das kann ja auch ein Sorgfaltsmangel ohne Täuschungsabsicht sein."

Der Europarechtler an der Uni Frankfurt, Felix Hanschmann, der die Vorwürfe zusammen mit Fischer-Lescano erhoben hatte, interpretiert Guttenbergs Reaktion als ein Schuldeingeständnis. "Herr zu Guttenberg räumt darin bereits vereinzelte Verstöße ein. Offenbar hält er die von uns formulierten Vorwürfe nicht für aus der Luft gegriffen", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Guttenberg überraschend in Afghanistan

Guttenberg hält sich momentan zu einem Besuch auf einem Außenposten in Afghanistan auf. Der Minister habe dort auch die Nacht verbracht, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Weitere Einzelheiten - auch zum weiteren Programm des CSU-Politikers - nannte der Sprecher nicht. Guttenberg hatte zwar bereits bei einer früheren Reise einen gefährlichen Posten besucht, aber noch nie im unmittelbaren Kampfgebiet übernachtet. Guttenberg hat sich vorgenommen, die deutschen Soldaten in Afghanistan alle zwei Monate zu besuchen, um sich über die dortige Lage zu informieren. Diesmal wurde er nicht von Journalisten begleitet. Seit seiner letzten Reise sorgten eine Affäre um geöffnete Feldpost aus Afghanistan, die Umstände des Todes eines Soldaten sowie die verunglückte Soldatin auf der Gorch Fock für Schlagzeilen.

Am Abend wurde der Minister zu einem Wahlkampftermin in Barleben in Sachsen-Anhalt erwartet. Dies wäre sein erster öffentlicher Auftritt in Deutschland nach Bekanntwerden von Plagiatsvorwürfen gegen ihn.


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Quelle: AFP , dapd , dpa

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Kommentare (1224)

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Thema: "Plagiat-Affäre um Guttenberg: Vorwurf setzt Minister unter Druck"

Ralf schrieb: am 17. Februar 2011 um 12:07:28
(0) (0) Guttenberg
Erstaunlich alle die nicht der Guttenberg-Anbetungs-Bewegung angehören sind alles Dummköpfe-Neider-Kommunisten-Sozis, Stasis und
was nicht noch alles. Leute wacht doch mal auf und bewertet neutral und kritisch.
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der Graf schrieb: am 17. Februar 2011 um 12:07:27
(0) (0) das ist unser gutes Recht
Die gottgegeben Rechte des Adels sind unantastbar. Also klappe halten ihr Proleten ! Und nicht vergessen in der
Kirche schön beten, wir sehen von der Gallerei alles.
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fritz schrieb: am 17. Februar 2011 um 12:06:49
(0) (0) Plagiatsvorwurf zu Guttenberg
Man kennt ja die linken Vögel, die nun triumphierend zuhacken. Mit Sicherheit hätten auch sie alle verborgene
Leichen im Keller, die es nur zu heben gälte. Angesichts dessen, dass wohl bei jeder Doktorarbeit auch mehr oder weniger geschickt abgekupfert wird und im Hinblick darauf, dass bei den etwa 450 Seiten der Arbeit die Plagiate nur einen gänzlich unbedeutenden Teil dieser Arbeit ausmachen, sollte man sich etwas weniger aufplustern.
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