18.02.2011, 12:47 Uhr
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg tritt wegen der Affäre um seinen Doktortitel nicht zurück. Allerdings wolle er seinen Doktortitel nicht führen, solange die Vorwürfe um seine Dissertation nicht geklärt sind, sagte er. Gleichzeitig räumte Guttenberg ein: "Sie enthält fraglos Fehler." Das tue ihm "aufrichtig leid".
Darüber sei er selbst am unglücklichsten. Zu keinem Zeitpunkt habe er jedoch "bewusst getäuscht". Er fügte an: "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat." Er habe die Arbeit in einem Zeitraum von sieben Jahren neben seiner Tätigkeit als Politiker und seinen Verpflichtungen als junger Familienvater angefertigt.
Für die Erklärung hatte der Minister einen Großteil der deutschen Medien ausgeschlossen. Guttenberg habe "ausgewählte Medienvertreter" ins Verteidigungsministerium gelassen, teilte sein Sprecher Steffen Moritz mit. Die Hauptstadtpresse saß gleichzeitig in der Bundespressekonferenz. Weil der CSU-Politiker zeitgleich im Verteidigungsministerium sein nicht angekündigtes Statement abgab, verließen die Hauptstadtkorrespondenten protestierend die Bundespressekonferenz. Nach etwa zehn Minuten wurde die Veranstaltung abgebrochen.
Guttenberg soll in seiner Dissertation zahlreiche fremde Textstellen verwendet haben, ohne sie korrekt anzugeben. Der Minister war am Donnerstagabend im Kanzleramt, um mit Angela Merkel über das weitere Vorgehen zu sprechen. Die Kanzlerin stärke ihrem Minister weiter den Rücken, hieß es aus Regierungskreisen. Sie habe "volles Vertrauen".
Die Doktorarbeit des Ministers soll an mehreren Stellen fremde Texte enthalten, die nicht als solche gekennzeichnet wurden. Der Politiker reagiert gelassen auf die Vorwürfe. zum Video
Plagiatsjäger listen im Internet mehr als 80 Textstellen auf, die Guttenberg abgekupfert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen. Guttenberg verwendete nach Angaben von "Spiegel Online" auch einen Absatz von der Webseite der US-Botschaft ohne Fußnote und bediente sich aus dem Beitrag eines CDU-Europaabgeordneten sowie aus einer Rede eines Jura-Professors.
Inzwischen wurden gegen Guttenberg zwei Strafanzeigen gestellt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Bayreuth. Bei der ersten Anzeige gehe es um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky. Sie sei an die für Wirtschaftsstrafsachen zuständige Staatsanwaltschaft in Hof weitergeleitet worden. Bei der zweiten Strafanzeige geht es laut Janovsky um den Vorwurf der falschen eidesstattlichen Versicherung. "Da die Promotionsordnung der rechtswissenschaftlichen Fakultät keine Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung vorsieht, ist das auch kein Grund für Ermittlungen", sagte Janovsky.
Die Zahl der Autoren, von denen der CSU-Politiker abgeschrieben haben soll, ist inzwischen auf 15 gestiegen - darunter mit Rupert Scholz (CDU) einer seiner Amtsvorgänger. Die Universität Bayreuth forderte eine Stellungnahme von Guttenberg innerhalb von zwei Wochen. Die möglichen Konsequenzen der Hochschule reichen von der Aufforderung, die Doktorarbeit nachzubessern, bis zur Aberkennung des Doktortitels.
SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz legte Guttenberg im Fall der Aberkennung des Doktortitels den Rücktritt nahe. "Wenn ihm der Doktortitel abgenommen würde, dann müsste er auch dieses Amt verlassen", sagte der promovierte Jurist dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Mit diesem Makel kann man nicht mehr Minister sein. Das würde auch für jeden anderen gelten."
Aus seinem eigenen Haus erhielt Guttenberg Rückendeckung: Der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), mahnte, "die Kirche im Dorf" zu lassen. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte Schmidt, er könne bei der Doktorarbeit des Ministers kein "materielles Plagiat" erkennen. Guttenberg werde die Arbeit noch einmal durchgehen. Sollten die bisherigen Fußnoten nicht ausreichen, müsse es eine zweite, verbesserte Auflage geben.
Zu einer genauen Prüfung der Vorwürfe mahnte die Präsidentin der Hochschulrektoren-Konferenz, Margret Wintermantel, in der "Passauer Neuen Presse". "Mit Vorverurteilungen ist uns nicht geholfen. Man muss sich den Fall im Detail anschauen. Nur wer das Gesamtbild hat, kann die Sache auch umfassend bewerten", sagte Wintermantel. Vielfach seien "Schlampigkeit und Täuschungsabsicht" schwer auseinanderzuhalten. Sollten aber die Vorwürfe bestätigt werden, "würde seine fachliche Reputation erheblichen Schaden nehmen".
Quelle: dpa , dapd , AFP
Thomas Neugebauer schrieb:
am 18. Februar 2011 um 14:57:29
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Bereits über 100 Betrugsfälle nachgewiesen
Die SZ berichtet wie es, durch Schwarminteligenz gelungen ist, dem Minister über Hundert
Betrugsstellen in seiner Doktorarbeit nachzuweisen.
Die Beweislage ist einfach nur als erdrückend zu bezeichnen.
Noch nie gab es in der Geschichte der Demokratie unseres Landes ein solches Ausmaß an schamloser Betrügerei durch einen Minister.
Was sind die Werte, die so ein Politiker unseren Bürgern vermittelt?
Betrüge wo du kannst, und du bringt es zu was im Leben, denn ich habe es auch so gemacht.
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Beobachter schrieb:
am 18. Februar 2011 um 14:48:29
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Äußerungen von Grünen-Trittin
Mann, hat sich der Herr Trittin gerade weit aus dem Fenster gelehnt: Unglaublich gesetzte Worte zu einem
solchen Aufreger! Vor knapp einem Jahr hat besagter Herr sich schon einmal - damals sehr brisant - zu dem Inhaber eines öffentlichen Amtes geäußert, der kurz darauf zurücktrat: Bundespräsident Köhler! Wie wäre es denn, wenn Herr Trittin eine Doktorarbeit schriebe zu den von ihm beschimpften Menschen – vorher sollte er aber abdanken, damit er genügend Zeit dafür hat!
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Was sagen wohl die Kinder ? schrieb:
am 18. Februar 2011 um 14:47:12
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Plagiat Affäre.
@H.Neugebauer. Haben Sie es schon an den Schulhöfen der Nation erforschen können. Da wird schon getuschelt wie
hervorragend es mit dem Abkupfern beim Nachbarn geklappt hat. Allerdings ist das ja auch eine ganz anderes Abschreiben. Aber es macht sich ja überall immer gut die Kleinen vorzuschieben. Wenn es sein muß sogar bei Demos. Schließlich braucht man ja Schutzschilder.
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