01.12.2007, 18:55 Uhr | wal
In manchen Ländern wurden die Schüler mit Geldgeschenken für PISA "motiviert" (Quelle: ddp)Mehrere Länder haben ihre Schüler mit Geld und Geschenken angespornt, damit sie beim internationalen Leistungsvergleich PISA mitmachten. Nach Informationen des "Spiegel" erhielten amerikanische Schüler im vergangenen Jahr bis zu 50 Dollar pro Kopf, wenn sie die PISA-Fragebögen ausfüllten - das geht aus einem internen Papier des PISA-Konsortiums Deutschland hervor. In den Niederlanden bekamen Schüler 10-Euro-Gutscheine fürs Mitmachen. In Großbritannien floss Geld, wenn bestimmte Teilnehmerquoten erreicht wurden. In Slowenien wiederum gab es einen Tag schulfrei.
Zweifel an Repräsentativität
Die Wissenschaftler des PISA-Konsortiums, das für den Ablauf der Tests in Deutschland verantwortlich ist, zeigten sich entsetzt. In einer Analyse äußerten sie "Bedenken hinsichtlich der gewissenhaften Einhaltung der PISA-Standards". Sie kritisierten die Zahlung von Geld für die Testteilnahme: "Sie könnte gegebenenfalls die Repräsentativität der Stichprobe verzerren."
Deutsche SchülerIn Mathe und Lesen nicht verbessert
Naturwissenschaften bei PISADeutschland holt auf
PISADeutschland holt auf
Von PISA bis IGLUDie wichtigsten Schulstudien
HintergrundWas ist PISA?
Deutsche Forscher sehen Verschiebung
Schüler, die aufgrund "materieller Anreize" bei PISA mitmachten, könnten "in ihrer Eigenschaft als Test-Teilnehmer systematisch abweichen" von denen anderer Länder. "Denkbar ist, dass eine Verschiebung von der durchschnittlichen Leistung zur Bestleistung erfolgt", heißt es in dem Papier mit dem Titel "Bewertende Stellungnahme zu den Maßnahmen zur Steigerung der Rücklaufquoten".
Mit ähnlichen Aufgaben geübt
In der Bundesrepublik wurden laut Konsortiums-Bericht nur Stifte mit dem Aufdruck "PISA" als Souvenirs an die Schüler verteilt. Der Bericht bezieht sich auf den aktuellen Test 2006. Einige Beispielaufgaben wurden für Vorbereitungs-Tests verwendet. Andere hat man den Jugendlichen vorgelegt, die bei PISA 2006 mitmachten.
Kultusminister meutern gegen OECD-Koordinator
Schon in den vergangenen Tagen war der Pisa-Test in die Kritik geraten. Politiker monierten, dass erste Ergebnisse vor der offiziellen Veröffentlichung bekannt wurden. Massive Vorwürfe erhoben die Kultusminister der unionsgeführten Bundesländer gegen den internationalen PISA-Koordinator Andreas Schleicher. Er verfolge mit PISA nur ein Ziel: die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems in Deutschland.
OECD weist Kritik ab
Ausrichter des PISA-Tests ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie wies die Vorwürfe gegen Schleicher vehement zurück. Schleicher sei "ein weltweit anerkannter Bildungsforscher", der das "uneingeschränkte Vertrauen" der Organisation genieße.
In Mathe und Lesen nicht besser
Die bisher bekannt gewordenen PISA-Ergebnisse zeigen, dass deutsche Schüler in den Naturwissenschaften besser geworden sind. Unverändert schlecht sind dagegen die Mathe- und Leseleistungen. Hier liegen deutsche Schüler nur im Mittelfeld, berichtet die "Stuttgarter Zeitung". Das Blatt beruft sich auf den Abschlussbericht des deutschen PISA-Koordinators Manfred Prenzel. Dennoch komme der Forscher zu einem positiven Gesamturteil: Die deutschen Schulen seien in den letzten sechs Jahren stetig besser geworden.
Quelle: Spiegel Online
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