04.12.2007, 09:42 Uhr
"PISA" ohne "ie": Der Wissensstand deutscher Schüler ist nach wie vor durchwachsen (Foto: ddp)Die internationalen Bildungsforscher der OECD sehen sechs Jahre nach dem deutschen PISA-Schock wenig Verbesserungen an den Schulen in der Bundesrepublik. Zwar gebe es gute Ergebnisse in den Naturwissenschaften sowie im Umweltschutz. In diesem Schwerpunkt der aktuellen Untersuchung liegen Deutschlands Schüler im oberen Drittel der teilnehmenden Staaten und damit erstmals deutlich über dem Durchschnitt, teilte die verantwortliche Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Dienstag in Berlin mit. In den Bereichen Lesen und Mathematik verbesserten sich die Schüler demnach aber nur wenig und liegen wie bei den vergangenen Untersuchungen im Durchschnitt. Die besseren Ergebnisse in den Naturwissenschaften stehen nach Ansicht der OECD ebenfalls nicht für einen Leistungszuwachs im Vergleich zu früheren Studien. Diese seien vielmehr vor allem dem neuen Erhebungskonzept geschuldet.
PISADeutschland holt auf
Von PISA bis IGLUDie wichtigsten Schulstudien
HintergrundWas ist Pisa?
Schule
Klare Stärken in Naturwissenschaften
Bei den Fragen, die Schüler sowohl bei den Tests im Jahr 2003 als auch im Jahr 2006 beantworten mussten, zeigten sich dagegen keine bessere Ergebnisse. Die Studie habe allerdings im internationalen Vergleich eindeutig Stärken des deutschen Schulsystems aufgedeckt, erklärte der Leiter des Berliner OECD-Büros, Heino von Meyer. Auch der deutsche PISA-Koordinator Manfred Prenzel sieht die Schulen in der Bundesrepublik auf einem guten Reformweg. Deutschland habe in den Naturwissenschaften mehr Spitzenschüler als der Schnitt der anderen 30 Industriestaaten. Zudem sei hierzulande die Zahl der schwachen Schüler in den Naturwissenschaften deutlich geringer. Wenn man seit dem ersten PISA-Test 2000 den Trend analysiere, dann weise dieser klar nach vorn.
Elternhaus spielt immense Rolle
Die neue PISA-Studie zeigte erneut den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Deutschland. Nur in Luxemburg, Ungarn, Frankreich, Belgien und der Slowakei spiele das Elternhaus beim Bildungserfolg eine ähnlich große Rolle, erklärte die OECD.
Migrantenkinder liegen zweieinhalb Jahre zurück
Besonders benachteiligt sind in Deutschland Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die Schulsituation für Ausländerkinder der sogenannten zweiten Generation sei in keinem anderen Industriestaat der Welt so problematisch wie in Deutschland. Mit ihren Lernleistungen lägen diese Migrantenkinder im Schnitt zweieinhalb Schuljahre hinter gleichaltrigen deutschen Schülern zurück. "In Punkto Chancengleichheit hat Deutschland noch große Defizite abzubauen", heißt es in der Erklärung der Organisation. Bei PISA 2006 waren weltweit mehr als 400.000 Schüler aus 57 Staaten getestet worden.
Kultusminister: "Grund zur Zuversicht"
Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) sieht in den deutschen PISA-Ergebnissen "keinen Grund zum Jubeln - aber zur Zuversicht". PISA wie auch die in der Vorwoche vorgelegte weltweite IGLU-Grundschulstudie zeige, dass die deutschen Schulen auf dem richtigen Reformweg seien, sagte Zöllner am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Schulleistungsuntersuchung.
GrundschulenMangelnde Chancengleichheit
Zum DurchklickenDie wichtigsten Ergebnisse des IGLU-Tests
GrafikLeseleistung der Viertklässler
Quelle: AFP , dpa
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