11.04.2011, 17:02 Uhr | Von Gisela Kirschstein
Pia Schellhammer ist mit 26 Jahren die jüngste Abgeordnete im Mainzer Landesparlament (Foto: dapd) (Quelle: dapd)
Wenn Pia Schellhammer von ihrer Geburtsstadt Oppenheim spricht, dann sagt sie Sätze wie "das ist meine Heimat" und "Heimat ist da, wo man sich zuhause fühlt." Nun sieht Pia Schellhammer - 26 Jahre alt, leuchtend rot gefärbte Haare, Nasenring und Tattoos - nicht unbedingt aus, wie ein typisch heimatverbundener, wertkonservativer Mensch. "Ich bin eine Alternative", sagt die Grünen-Politikerin von sich selbst.
Mit dem scheinbaren Widerspruch zwischen heimatverbunden und alternativ steht die junge Politikerin für die neue Generation der grünen Jugend. Ab dem 18. Mai vertritt sie deren Meinungen im Mainzer Landtag - als jüngste von 101 Abgeordneten.
Ihr Einzug ins Landesparlament kam für Schellhammer nicht überraschend: Mit Platz sieben auf der Landesliste war ihr der Sitz im neuen Parlament ziemlich sicher. "Ich finde Landespolitik unglaublich spannend", sagt die 26-Jährige. Auf der Landesebene sei man "näher an den Menschen" und könne Politik eher gestalten, findet sie.
Naiv ist Schellhammer keineswegs. Vor fünfeinhalb Jahren trat sie bei den Grünen ein, dabei wollte die Studentin der Geschichte, Germanistik und Politik eigentlich Journalistin werden. Aber dann ging sie zu den Demonstrationen gegen das Atomkraftwerk Biblis, gegen die Castor-Transporte und gegen die amerikanischen Atomwaffen in Büchel. Schellhammer stellte fest: Sie wollte mitmachen, mitgestalten.
Natürlich gebe es auch abschreckende Seiten an der Politik, sagt sie. "Politik ist aber immer so gut oder so schlecht wie die Menschen, die sie machen", findet Schellhammer. Und schließlich komme sie aus einer politisch geprägten Familie, der Großvater war Gewerkschafter und lange Zeit SPD-Mitglied.
Pia Schellhammer wuchs "zwischen Weingut und Schnapsbrennerei" in Oppenheim auf, ihre Familie ist bis ins 17. Jahrhundert hinein in Oppenheim nachweisbar, im Familienhaus wurde einst der Weinbrand Mariacron hergestellt. Verwurzelung und Heimat seien doch keine Begriffe, die Konservative für sich gepachtet hätten, sagt Schellhammer: "Das ist doch kein Widerspruch, wenn ein Alternativer die benutzt."
Ihr politisches Bewusstsein wuchs schon in der Schulzeit: Da schrieb sie eine Arbeit über die neue Ganztagsschule und sah sich vier Schulen genauer an. Bei den Grünen klebte sie zunächst Plakate, war dann ein Jahr lang Vorsitzende der Grünen Jugend und kandidierte schließlich 2009 für den Bundestag. Chancen habe sie nicht gehabt, der Wahlkampf habe sie aber unheimlich viel gelehrt, sagt Schellhammer: "Auf einmal saß ich in Podiumsdiskussionen und musste Reden halten." Danach fühlte sie sich gerüstet für die Arbeit im Landtag.
Hier will sie sich nun für neue Medien, Netzpolitik und Jugendschutz im Internet einsetzen, und damit auch mehr direkte Demokratie pflegen. "Die Leute sollen mir direkt schreiben können", wo immer es möglich sei, wolle sie sich der Diskussion stellen, sagt Schellhammer. Landtagssitzungen sollten künftig live im Internet übertragen werden, sagt sie, schließlich sei das Parlament doch ein öffentlicher Ort. Frischen Wind wird die 26-Jährige in jedem Fall in das Parlament bringen, schließlich fällt sie nicht nur durch ihre Piercings, sondern auch durch eine große Tätowierung am linken Arm auf. Schellhammer weiß, dass manch einer sie deswegen schief ansieht, das stört sie aber nicht: "Nicht Nadelstreifen machen seriös", sagt sie, "sondern die Taten eines Menschen."
Quelle: dapd
Emilian schrieb:
am 11. April 2011 um 17:20:20
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Milieusozialisierung
Ganzkörpertattoo und Großflächenpiercing was gibt es schöneres. Staunenswerterweise gibts auch viele
Polizisten die
sich mit dem Milieu durch Verwendung solcher Insignien zu sozialisieren scheinen.
Ich eröffne demnächst ein Piercingstudio in Erwartung öffentlicher Aufträge.
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