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Philippinen: Massaker aus Machtgier schockiert die Bevölkerung

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Massaker aus Machtgier schockiert die Philippinen

25.11.2009, 11:33 Uhr

Massaker auf den Philippinen (Foto: Reuters) Massaker auf den Philippinen: Soldaten bedecken am Fundort der Leichen ihre Gesichter (Foto: Reuters)Die philippinische Armee hat zwei Tage nach dem beispiellosen Massaker im Süden des Landes sechs weitere Leichen gefunden. Damit lag die Opferzahl am Mittwoch bei 52.

Rund 100 Bewaffnete hatten am Montag in einem Dorf bei Ampatuan in der Provinz Maguinadanao, rund 930 Kilometer südlich von Manila einen Politiker-Konvoi überfallen. Dutzende Menschen wurden verschleppt und anschließend ermordet. Als Drahtzieher verdächtigen die Behörden die einflussreiche Ampatuan-Familie, die mehrere hohe politische Ämter in der Region besetzt.


Opfer wollten eigenen Kandidaten aufstellen

Selbst die an blutige Konflikte gewöhnten Einwohner der südlichen Philippinen sind angesichts des jüngsten Massakers sprachlos: Unter den Opfern sind Frauen, Menschenrechtsanwälte und Journalisten, alle mit vorgehaltenen Waffen verschleppt und kaltblütig aus nächster Nähe erschossen - die politische Gewalt hat in dem Inselstaat einen neuen grausame Höhepunkt erreicht. Die Opfer waren neben den Journalisten vor allem Angehörige und Anhänger des Mangudadatu-Clans. Sie wollten die Kandidatur von Ismael Mangudadatu für die Gouverneurswahlen im nächsten Mai anmelden.

Mutmaßliche Drahtzieher eng mit Präsidentin befreundet

Das Amt hat zur Zeit ein Mitglied des Ampatuan-Clans inne, das nach drei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Sein Sohn wollte das Amt übernehmen. Die Familie gilt daher als Drahtzieher des Verbrechens. Was die Sache besonders brisant macht: Die Ampatuans sind eng mit Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo verbündet. Sie besetzen mehrere hohe Ämter in der Region Mindanao, und haben Arroyo zuletzt bei der umstrittenen Wahl 2004 entscheidende Stimmen verschafft. Schon ist die Regierung in der Kritik, weil noch keine Festnahmen erfolgt sind.

Zweifel an Regierungsversprechen

Die Regierung kündigte hartes Durchgreifen an, doch traf ihr Versprechen auf Skepsis. Politisches Morden ist auf den Philippinen an der Tagesordnung. In jedem Wahlkampf werden Kandidaten getötet. Selten werden die Täter gefasst.

"Den Warlords das Handwerk legen"

Die Fahndung laufe rigoros, es gebe keine "heiligen Kühe", versprach ein Regierungssprecher der nationalen Polizei. In das gleiche Horn stieß Vizepräsident Noli De Castro. "Solche barbarischen Taten haben keinen Platz in einer zivilisierten Gesellschaft. Den Tätern wird unabhängig von ihrer Macht oder ihrem politischen Einfluss der Prozess gemacht", beteuerte er. "Die Regierung muss den Warlords das Handwerk legen."

Mehrheitsbeschaffer für Arroyo

Zweifel am ernsten Willen der Regierung zum harten Durchgreifen hat zum Beispiel Julkipli Wadi, Professor für Islamstudien. Der als Drahtzieher des Massakers verdächtigte Ampatuan-Clan ist eng mit der Partei von Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo verbandelt. Die Familie besetzt mehrere hohe Ämter in der Region Mindanao, und hat Arroyo zuletzt bei der umstrittenen Wahl 2004 entscheidende Stimmen verschafft.

Die Stimmen der großen Familien

"Sie ist auf die Unterstützung von Leuten wie den Ampatuans angewiesen, vor allem bei Wahlen", sagte der Professor in einem Fernsehinterview. Er bezweifele, dass Arroyo genügend politischen Willen habe, den Clan zu entwaffnen. "Mächtige Kräfte und Persönlichkeiten in der Regierung unterstützen die Warlords, besonders in Zeiten von Wahlen, weil sie darauf angewiesen sind, dass die großen Familien die Stimmen bringen." Familiäre Machtkämpfe wie der, der jetzt Schlagzeilen machte, sind keine Seltenheit. Die Polizei hat vor den Wahlen im kommenden Mai mehrere Regionen benannt, in denen die Rivalität politischer Clans bereits Alarmglocken schrillen lässt: dazu gehören die Provinzen Abra, Cagayan Valley, Masbate, Sulu, Basilan und Lanao.

Politiker und Drogenbarone unter einer Decke

Die Arroyo-Regierung steht seit Jahren wegen der wachsenden Gewalt im Land am Pranger. Die Polizei ist schlecht ausgebildet und gilt als demoralisiert. In Davao im Süden des Landes werden zum Beispiel Kleinkriminelle bei der Fahndung häufig erschossen. Selten werden Polizisten dafür belangt. Nach Polizeischätzungen gibt es mehr als eine Million Schusswaffen ohne Lizenz im Land. Mindestens 20 Beamte werden verdächtigt, ihre Hände im illegalen Drogengeschäft zu haben. Der Chef der Anti-Drogen-Agentur Dinoisio Santiago prangert das Phänomen der "Drogen-Politik" an, wobei Drogenbarone und skrupellose Politiker unter einer Decke stecken, um sich gegenseitig politische Macht und Einfluss zu sichern.

20 Journalisten unter den Opfern

"Wir haben die Kultur der Straflosigkeit und Gewalt schon oft verurteilt", teilte die Organisation "Reporter ohne Grenzen" mit. "Dieses Mal hat die wahnsinnige Gewalt von Banditen Arm in Arm mit korrupten Politikern zu einem unbegreiflichen Blutbad geführt." Die Organisation äußerte sich, weil unter den Toten rund 20 Medienvertreter sind, die über den Machtkampf der rivalisierenden Familien berichten wollten.


Quelle: AFP , dpa , dapd

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