11.05.2011, 12:33 Uhr | Fliegauf, Mark T.
Philipp Rösler wird der neue FDP-Superstar (Foto: dpa)
It’s showtime! Am Wochenende wählt die FDP auf ihrem Bundesparteitag den neuen Super-Liberalen. Und schickt nebenbei mit Guido Westerwelle ihren Polit-Star des vergangenen Jahrzehnts in Rente. Philipp Rösler wird also nun die Nummer eins der FDP-Charts erklimmen. Ganz ohne die Hilfe von Dieter Bohlen, dafür aber mit der Unterstützung von Neu-Fraktionschef Rainer Brüderle.
Damit nicht genug. Denn Rostock soll der Auftakt zu einer liberalen Comeback-Tour werden und gleichzeitig deutlich machen: Die FDP wechselt das Genre. Raus aus der Heavy-Metal-Ecke der neo-klassischen Wirtschaftslehre, von Reaganomics und Thatcherismus; rein in den elektoralen Pop-Olymp des "einfühlsamen Liberalismus" - statt Steuersatz-Riff nun also Solidaritäts-Synthesizer.
Zu diesem Zweck hat der designierte Parteivorsitzende, welcher sich als Solist nicht wirklich wohl fühlt, eine freiheitliche Boygroup um sich geschart, mit der er sowohl seiner Partei als auch der Wählerschaft das programmatische Umsatteln glaubhaft machen will: Christian Lindner (32 Jahre), Patrick Döring (38), Daniel Bahr (34) und Johannes Vogel (29). Sie alle säuseln wiederkehrend Röslers Refrain, wonach die FDP "stets eine Partei von Maß und Mitte" statt von MAN und Mövenpick gewesen sei.
Hinzu kommt eine gänzlich neue Melodie von Werten wie "Fairness", "Gemeinschaft" und "Solidarität", mit welcher die Liberalen die farbliche Präferenz der linksliberalen Mitte von grün auf gelb umzustimmen suchen. Doch genau hierin liegt das Bohlen’sche Problem der freiheitlichen-demokratischen Kombo: Ihre Besetzung mag sich ändern, die "Mucke" jedoch bleibt dieselbe.
Christian Lindner kann ich die "Humanisierung" der FDP noch abnehmen. Wer aber einmal Daniel Bahrs Einlassungen im Bundestag zur Gesundheitspolitik nachverfolgt, der stellt schnell fest, wie viel Fairness uns vom designierten Gesundheitsminister blüht: mehr Wettbewerb, mehr Anforderungen an Patienten, mehr Zweiklassenmedizin. So einfach geht "einfühlsamer Liberalismus".
Und weil für Patrick Döring "arm oder reich nicht die große soziale Frage" darstellt, muss die FDP - natürlich ganz einfühlsam zuallererst Hartz IV überdenken sowie die Qualitätsstandards bei der Kinderbetreuung senken. Wir haben ja eigentlich auch keine Armut, sondern nur immer weniger Reichtum. Und überhaupt, findet das assoziierte Boygroup-Mitglied Pascal Kober, macht sich "Armut nicht alleine im Materiellen fest".
Lindner, Döring, Bahr und Co verkörpern vor allem eines: eine neue Politikergeneration, welche ihre politische Karriere, sowie die dazu nötigen parteipolitischen Netzwerke, seit jungen Jahren formt. Bahr trat als 14-Jähriger den jungen Liberalen bei, Lindner und Vogel mit 16, Döring mit 18 Jahren. So wird denn auch verständlich, warum sich die neue Riege so leicht mit der (vermeintlichen) programmatischen Neuausrichtung tut: Ideologie und Ideale spielen bei ihnen keine Rolle mehr. Wichtig ist allein, was beim Publikum ankommt - und so dem eigenen Chartserfolg dient. Allerdings nur bis zur Wahl.
Immerhin ist Döring, wenn auch unfreiwillig, so ehrlich einzugestehen, dass der so vielbesungene neue Liberalismus nur als Leerformel dient, um die FDP "über ihre klassische Klientel hinaus wählbar zu machen". Dies klärt dann auch die Frage, wie viel Empathie und Willen zur gesellschaftlichen Umwälzung der Wähler von partei-internen Karriere-Groupies erwarten kann, die ihr Bundestagsmandat allesamt ihrem Listenplatz anstelle einer Direktwahl durch die Bürger verdanken.
Es wird sich zeigen, ob es die neue FDP-Boygroup schafft, mehr als nur ihre Tonlage zu ändern. Zweifel sind angebracht - umso mehr nach dem Liberal Song Contest um den Fraktionsvorsitz.
Mark T. Fliegauf ist Journalist, Politologe, Kommentator. Er lehrt Führung und Politik an der LMU München und ist Academic Visitor der University of Oxford. Der volontierte Journalist mit sozialem Gewissen hat in München, Tokio und Harvard studiert sowie Op-Eds in Tagesspiegel, Welt und Financial Times Deutschland veröffentlicht.
Fliegauf, Mark T.
Hawei schrieb:
am 11. Mai 2011 um 13:47:40
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FDP
Ja , die Ärzte sind versorgt und die Kassen ruiniert . Jetzt kann sich Rösler der Wirtschaft zuwenden . Wenn jetzt noch die Arbeiter
gut arbeiten und der Niedriglohn Sektor ausgebaut wird , dann geht es der Wirtschaft gut . Und wer das dann bewerkstelligt . ? Na ? . Ja der Rösler hats gerichtet . Wenn dann bei der nächsten Wahl die Hälfte der lieben Mitbürger und Mitbürgerinnen zur Urne geht und die FDP 5% erreicht , Dann war es der Wählerwille , daß Rösler Außenminister wird .
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rolf schrieb:
am 11. Mai 2011 um 13:47:17
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FDP Boygroup des Grauens
Westerwelle musste den Voersitz abgeben da wurde gesagt zwei Posten gehen nicht und Rösler ist der Neue mit zwei
Posten, Parteivorsitzenter und Wirtschaftsminister.
Die FDP hält wohl noch Winterschlaf und macht den gleichen Fehler wieder.
Die FDP ist und bleibt eine Kaotenpartei die bei Wahlen in Zukunft auf den Wahlzettel nicht mehr erscheint.
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Beobachter schrieb:
am 11. Mai 2011 um 13:45:18
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FDP
Wieso nur "neuer FDP-Superstar"? Warum nicht gleich Lichtgestalt oder Messias?
Oder vielleicht doch nur "nächster politischer
Persönlichkeitsgewinnler, Täuscher oder Blender?
Der Kommentar von Mark T. Fliegauf ist das beste was ich in letzter Zeit hier gelesen habe.
Hoffentlich versteht bald auch der Letzte in diesem Land, dass diese "Fast Drei Prozent" so unnötig wie ein Kropf sind.
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