16.03.2010, 09:38 Uhr
Der mysteriöse Alleingang wirft die Frage auf, wie genau das Pentagon eigentlich seine Beamten kontrolliert (Foto: Reuters)
Ein Pentagon-Beamter hat offenbar Steuergelder abgezweigt und damit ein Netz privater Agenten betrieben, berichtet die "New York Times". Erkenntnisse der Zuträger wurden mutmaßlich auch zur Tötung von Terrorverdächtigen genutzt. War das Projekt womöglich von ganz oben abgesegnet?
"Meine Jason Bournes": So nannte Michael D. Furlong, Beamter im US-Verteidigungsministerium, seine Truppe von Privatagenten, die er in Afghanistan und Pakistan anheuerte. Jason Bourne ist die Hauptfigur einer Thrillerserie des Autors Robert Ludlum, ein Auftragskiller. Mord wird den Agenten von Furlong zwar nicht vorgeworfen. Aber die Informationen, die einige von ihnen in Furlongs Auftrag sammelten, sind offenbar dafür verwendet worden, mutmaßliche militante Dschihadisten zu töten.
Das berichtete jedenfalls die "New York Times" (NYT) am Montag. Wenn sich der Bericht bestätigt, handelt es sich bei Furlongs Aktivitäten um einen weiteren Exzess im "Global War on Terror". In diesem Fall um eine möglicherweise ungenehmigte Spionage-Operation, deren Finanzierung verschleiert wurde - und die die Frage aufwirft, wie genau das Pentagon eigentlich seine Beamten kontrolliert.
Die Geschichte ist komplex. Aber im Kern geht es darum, dass Furlong beauftragt wurde, eine Website erstellen und beliefern zu lassen, die den USA helfen sollte, die Stammesstruktur Afghanistans besser zu verstehen. Diesen Auftrag und einen Teil der dafür bestimmten Gelder nutzte er dann offenbar, um einen Agentenring privater Spione zu betreiben, deren Informationen über wahrscheinliche Aufenthaltsorte mutmaßlicher Militanter wiederum an das US-Militär weitergeleitet wurden - mit der mutmaßlichen Folge, dass einige der ausspionierten Personen getötet wurden. Furlong selbst soll damit geprahlt haben, dass einige mutmaßliche Militanten, die Raketen mit einem Esel über die Grenze hätten schaffen wollen, aufgrund seiner Anstrengungen getötet worden seien.
Damit steht der Verdacht einer "grauen" Spionage-Operation im Raum, die außerhalb der Kontrollmechanismen ablief. Aus einer Hilfestellung für das Verständnis Afghanistans wurde Beihilfe zum gezielten Töten. Robert Young Pelton, einer der privaten Unternehmer, mit denen das Projekt abgewickelt wurde, sagte der "NYT": "Wir stellten Informationen zur Verfügung, damit sie (die US-Regierung, -Red.) die Lage in Afghanistan besser verstehen, aber die Informationen wurden genutzt, um Menschen zu töten." Pelton behauptet, dass Furlong Millionen von Dollar, die für die Info-Website bestimmt waren, an seinen Ring privater Agenten weiterleitete, mit deren Informationen dann Militante ins Visier genommen wurden. In einem Fall, berichtete er dem Blatt, habe er von afghanischen Kollegen erfahren, dass Videomaterial, das er der Website übermittelt hatte, für einen amerikanischen Luftangriff in der pakistanischen Provinz Südwaziristan verwendet worden sei.
Einige der Mitarbeiter privater Firmen, die Furlong im Rahmen des Projekts anstellte, waren früher bei US-Spezialeinheiten oder der CIA gewesen. Laut "NYT" ist es dem Militär verboten, private Angestellte für Undercover-Operationen anzuheuern. Es sei noch unklar, ob Furlongs geheimes Nebenprojekt von US-Kommandeuren abgesegnet war oder allein auf seiner eigenen Initiative basierte. Wer das Nebenprojekt beaufsichtigte, sei ebenfalls ungewiss, zitiert die Zeitung nicht namentlich genannte US-Beamte.
Der Höhepunkt von Furlongs Operation im Halbdunkel scheint der Sommer vergangenen Jahres gewesen zu sein. Es kann nicht allzu lange gedauert haben, denn die Idee der Website über Afghanistans Stammesstruktur stammt aus dem Jahr 2008. Im Herbst 2009 aber hatte der CIA-Resident in Kabul offenbar genug von Furlongs Initiative. Laut "NYT" verfasste er ein Memo an das Verteidigungsministerium in Washington und zählte angebliche Verfehlungen des Pentagon-Mannes auf. Das setzte offenbar eine Untersuchung in Gang. Mittlerweile, so die "NYT", ermittelt das Verteidigungsministerium gegen Furlong, unter anderem wegen Vertragsbetrugs.
Pentagonsprecher Bryan Whitman reagierte noch am Montag auf die Geschichte der "New York Times": Sie beinhalte "schwere Anschuldigungen und führt zu zahlreichen unbeantworteten Fragen, die eine weitere Untersuchung durch das Ministerium nötig machen".
Adriano Parmesano schrieb:
am 16. März 2010 um 13:30:56
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An Controlletti
fehlt(e) es nicht nur an solchen Stellen. Es gibt Länder, wie z. B. Russland, das auch "Entwicklungshilfe" von DE erhält.
Zum Abbau und entsorgen der alten U-Boote. Und was wird mit dem germanischen (Steuer-)Geld gemacht? Klar - neue U-Bötchen gebaut!!! Dada.
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Ich schrieb:
am 16. März 2010 um 10:21:17
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Privatunternehmen
...keine "schlechte" Sache! Der alte Spruch aus vielen Filmen "so lange wir uns an die beschissenen Regeln halten und die
Bösen nicht, verlieren wir den Krieg" birgt sehr viel Wahrheit in sich. Wobei, wenn es um Terrorismus, Unterdrückung und Verschwörungen geht, sind die USA eigentlich das beste Land für die ersten Untersuchungen. Sie gehören doch selber zu den größten "Diktaturen" dieser Erde, nur sie können es unter dem Deckmantel der Demokratie immer wieder verbergen....schlimm.
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Mein Name ist Hase schrieb:
am 16. März 2010 um 01:36:32
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Privater Geheimdienst??
Was will man dem "geneigten Leser" noch zumuten??
Und wer finanziert diesen "privaten Geheimdienst"?
Ohne Zweifel die
gleichen Kräfte, die im Irak amerikanische "Privatarmeen" von zvilen Söldnern und Mordkommandos unterhielten.
Aber Friedensnobelpreisträger wird man in bestimmten Positionen ja wohl automatisch.
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