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Pennsylvania: Clinton und Obama bringen Demokraten in die Krise

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Clinton und Obama kämpfen Demokraten in Krise

21.04.2008, 11:58 Uhr | Von Marc Pitzke, Spiegel Online

Tief im Gefechtsgraben: Clinton und Obama bei Wahlkampfauftritten (Foto: Imago) Tief im Gefechtsgraben: Clinton und Obama bei Wahlkampfauftritten (Foto: Imago)Philadelphia - Verflogen ist die Leichtigkeit. Barack Obamas Miene ist ernst und hart, zwischen seinen Brauen zieht sich eine tiefe Furche. Venen pochen auf seiner Schläfe. Er erlaubt sich kein Lächeln. Seine silbrige Krawatte, sonst immer piccobello, sitzt schief.

Tausende wollen Obama sehen

Rund 35.000 Menschen sind an diesem lauen Frühlingsabend auf die Independence Mall in Philadelphia geströmt, um Obama zu erleben, im Schatten des Versammlungshauses, in dem 1776 die US-Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. 35.000 Menschen: So viele wie noch nie in diesem Vorwahlkampf.

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Stumpfe Wortkaskaden

Anlass zur Freude also, doch der Demokrat wirkt fahrig, ungeduldig, fast ungehalten. Erst fällt auch noch sein Mikrofon aus: "Hello? Hello?" Seiner Stimme fehlt die Melodie, seine geschmiedeten Wortkaskaden wirken stumpf. Den Applaus der Fans würgt er einmal sogar ab: "Hört zu, Leute!"

"Kaputte Politik"

Obama liest vom Blatt, nur 20 Minuten lang - müde, gelangweilt, lakonisch. Er beschwört, wie immer, diesen "entscheidenden Moment unserer Geschichte". Er wettert gegen den "Krieg ohne Ende". Er beklagt "die kaputte Politik Washingtons", in der es "nur darum geht, sich gegenseitig niederzumachen".

Attacken gegen Clinton

Und dann tut er genau das: Die zweite Hälfte seiner Rede besteht fast ganz aus Angriffen auf Konkurrentin Hillary Clinton. "Sie hat mehr Geld von Washington-Lobbyisten genommen als sonst ein Kandidat in diesem Rennen", ruft er verärgert. Clinton führe einen "negativen Wahlkampf", ganz wie es "die Republikaner machen würden". Und jedes Mal, wenn Obama Clintons Namen erwähnt, buht die Menge.

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Obama, der Erhabene

Freitagabend in Philadelphia: Es waren neue Töne für den Kandidaten, den sie "Hopey" nennen (nach seinem Slogan "hope", Hoffnung), und auch für seine sonst so gutwillige, gut gelaunte Anhängerschar. Bisher stand Obama über den Niederungen der Schlammschlacht, verzichtete auf persönliche Angriffe, spielte den Erhabenen, Erwachsenen.

Grimmigere Miene

Doch jetzt steckt er tief mit im Gefechtsgraben - nachdem es Clinton mit ihren scharfen Attacken über die vergangenen Wochen hinweg endlich gelungen ist, ihn aus dem Olymp der Unangreifbarkeit zu sich hinabzuziehen. Das schlägt sich sichtlich auf Obamas Gemüt nieder: Seine Momente der Unbeschwertheit sind seltener, seine Miene ist grimmiger. Er wirkt, als trage er eine neue Last. Die Last, den eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden.

McCain profitiert

Es musste ja so kommen. Kurz vor der Vorwahl in Pennsylvania - die Clinton klar gewinnen muss, will sie ihren Verbleib im Rennen weiter rechtfertigen - ist das Klima zwischen den Kandidaten restlos vergiftet. Was sich im März in Texas und Ohio schon andeutete, ist seither immer klarer geworden: Die Demokraten zerfleischen sich selbst. John McCain profitiert.

Lange Durststrecke

Sechs Wochen sind seit der vorherigen Vorwahl in Mississippi vergangen - die längste Durststrecke bisher, was das Problem verschärft hat. In diesen sechs Wochen wurden die Sachthemen so lange wiedergekäut, dass den Bewerbern nichts übrig blieb, als sich bei jedem nur erdenklichen Vorwand persönlich zu attackieren. "Slash and burn" nennen sie das hier: Wahlkampf der verbrannten Erde.

Jedem die Hand geschüttelt

Bis zur letzten Minute ringen die beiden um jeden Wähler. "Mir kommt es vor, als hätten die Kandidaten inzwischen jedem in Pennsylvania die Hand geschüttelt", sagt der Internist Bob Friedman aus Scranton, in dem Clinton als Kind viele Sommer verbrachte und das beide Kandidaten jetzt mehrfach heimsuchten. "In einer Woche habe ich hier Obama und Clinton erlebt."

Fünf Stationen pro Tag

Sie klapperten Philadelphias Vorstädte ab, in denen sich rund die Hälfte der Delegierten entscheiden. Sie stapften durch Farmen und kaputte Stahlstädte. Sie hockten in Coffeeshops, Wohnzimmern, Kirchen, Altersheimen. Obama zuckelte per Zug nach Harrisburg, huldvoll vom letzten Waggon herabwinkend. Clinton absolvierte oft fünf Stationen pro Tag.

Weiter zu Teil II..




Von Marc Pitzke, Spiegel Online  

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